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12.02.2012, 13:17
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Medienskandal in Großbritannien:
"The Sun" - nächster Belastungstest für Murdoch
Rupert Murdoch hält trotz Festnahmen und Bestechungsvorwürfen am Boulevardblatt fest. Der britische Medienskandal weitet sich aus - und Beobachter fragen sich, welche Zeitung noch drin steckt.
von Michael Donhauser
Rupert Murdoch hat ein neues Problem. Sieben Monate nachdem der Medienzar sein britisches Skandalblatt "News of the World" einstellen musste, ist die Boulevardzeitung "The Sun" massiv unter Beschuss geraten. Am Samstag wurden erneut fünf "Sun"-Journalisten unter Bestechungsverdacht festgenommen; vor zwei Wochen waren es bereits vier frühere oder noch dort arbeitende "Sun"-Leute. Unter den vorläufig Festgenommenen sind so hochkarätige Mitarbeiter wie der aktuelle Bild-Chef, ein Chef-Reporter und der Nachrichtenchef.
Auch wenn die Verdächtigen alle gegen Kaution wieder frei sind: Es drängt sich die Annahme auf, dass die "Sun" in großem Stil mit Hilfe schwarzer Kassen Amtsträger zum Reden gebracht hat, um ihre Seiten mit Exklusivem über Promis, Kriminelle und Streitkräfte füllen zu können.
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Ging es bei der "News of the World" um das Abhören von Mobiltelefon-Mailboxen, geht es bei der "Sun" ganz simpel um Bestechung. Und die Informanten sollen dankbar angenommen haben. Am Samstag wurden ein Polizist, ein Armeeangehöriger und ein Beamter des Verteidigungsministeriums gleich mit festgenommen. Schon vor zwei Wochen musste ebenfalls ein Polizist für kurze Zeit hinter Gitter.
Wie brenzlig die Situation für Murdoch schon wieder geworden ist, kann man an der Eile des 80 Jahre alte Medienmoguls ablesen. Noch am Tag der Festnahme versicherte er über seinen Londoner Verlagschef Tom Mockridge der Öffentlichkeit, es werde die "Sun" auch weiterhin geben. "Ich habe die Versicherung von Rupert Murdoch bekommen, dass er sich vollkommen verpflichtet fühlt, weiterhin als Eigner und Verleger der "Sun" zu fungieren."
Noch in dieser Woche will Murdoch persönlich nach London jetten, um der Redaktion des Boulevardblattes symbolisch den Rücken zu stärken. Murdoch ist der Skandal der vergangenen sieben Monate schon kräftig an den Geldbeutel gegangen. Der Milliarden-Deal zur Komplettübernahme des Fernsehkonzerns
BSkyB ist gescheitert. Allein im zweiten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres musste seine
News Corp . wegen des Skandals Einbußen in Höhe von 66 Mio. Euro verkraften.
Medien-Moloch
Die Akteure im Murdoch-Skandal
Mit dem Überschwappen auf die "Sun" hat sich der britische Skandal um illegale Nachrichtenbeschaffung endgültig ausgeweitet. Schon zuvor waren immer wieder Spekulationen hochgekocht, "die ganze Fleet Street" - die Straße, in der früher Londons große Zeitungsverlagshäuser saßen - sei von dem Virus angesteckt. Der Verlag der "Daily Mail" führt inzwischen einen Zweikampf mit Schauspieler Hugh Grant, der die Zeitung des Abhörens beschuldigt. Und selbst die "Times" ist schon ins Visier geraten.
Auch die renommierte Medienwissenschaftlerin Claire Enders geht davon aus, dass die Murdoch-Medien nicht allein sind. "Es erscheint mir unwahrscheinlich, dass die "Sun" die einzige ist." Gleichwohl glaubt auch sie: "Die "Sun" wird in den nächsten Jahren immer noch bei uns sein." Die Situation sei mit der der "News of the World" nicht vergleichbar. Die Sonntagszeitung sei nicht mehr rentabel gewesen, Anzeigenkunden seien in großem Stil abgesprungen. All das sei hier nicht der Fall.
Teil 2: Die "Sun" und der gute Draht zur Politik
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dpa, 12.02.2012
© 2012 Financial Times Deutschland,
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