Wie die Fraktionssprecherin der SPD im Stadtrat der Financial Times Deutschland (Mittwochausgabe) bestätigte, empfiehlt die Verwaltung jetzt überraschend das Microsoft-Angebot. Zuvor soll der Softwarekonzern einen Rabatt von 15 Prozent eingeräumt haben.
Die Entscheidung hat Symbolcharakter für die deutschlandweit anstehende Ausrüstung von kommunalen Verwaltungen mit moderner Computertechnik. München wäre die erste deutsche Großstadt gewesen, die auf das konkurrierende Linux-Betriebssystem umsteigt. Microsoft-Chef Steve Ballmer selbst hatte Anfang April seinen Skiurlaub in der Schweiz unterbrochen, um Oberbürgermeister Christian Ude vom Wechsel abzuhalten. Ude soll Ballmer mehrfach mit dem Satz "What else can you offer" weitere Zugeständnisse abgerungen haben.
Vergangene Woche wurde dann bekannt, dass Microsoft Kommunen hohe Rabatte gewähren soll, wenn sie an Linux verloren zu gehen drohe.
In München reduzieren angeblich Nachbesserungen beim Support und ein neuer Rahmenvertrag, den Microsoft vor kurzem mit dem Bund geschlossen hat, die Kosten gegenüber dem ersten Angebot um rund 15 Prozent. Dadurch wurde die Microsoft-Lösung billiger als das Linux-Angebot.
Noch hat Linux die Schlacht aber nicht verloren. Angeblich bereitet der Linux-Dienstleister ein neues Angebot vor. Auch auf politischer Seite regt sich Widerstand. "Die Fraktion hat sich noch keine Meinung gebildet", sagte Christine Strobl aus der SPD-Stadtratsfraktion der FTD. Die Microsoft-Aktivitäten müssten auch politisch bewertet werden.
Der Auftrag, die rund 16.000 PC der Münchner Stadtverwaltung auszurüsten, hat ein Volumen im zweistelligen Millionenbereich. Die abschließende Entscheidung will der Stadtrat in seiner Sitzung am 28. Mai treffen.