Während US-Rüstungskonzerne das Thema Datensicherheit längst als großes Geschäft entdeckt haben, spielte es beim EADS -Konzern bislang eine untergeordnete Rolle. Doch das soll sich ändern: Auf 50 bis 70 Mio. bezifferte die EADS-Rüstungssparte Cassidian am Freitag den aktuellen Umsatz mit so genannter Cybersecurity, also Datensicherheitsanwendungen. Bis 2017 soll sich das Volumen auf über 500 Mio. Euro verzehnfachen. Dazu sollen auch Firmenzukäufe beitragen.
Der EADS-Vorstandsvorsitzende, Louis Gallois, und Cassidian-Chef Stefan Zoller gaben in Paris die Bündelung, Neustrukturierung und den Ausbau der bislang im Konzern verteilten Aktivitäten zu einem Gesamtbereich mit Sitz in Frankreich bekannt.
Zudem werden in Frankreich, Großbritannien und Deutschland eigene Firmen gegründet. Im Herbst 2011 hatte Cassidian erstmals auch die hochkomplexe Verschlüsselungstechnik Ectocryp an die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate und damit außerhalb der Nato geliefert.
Cybersecurity gilt weltweit als Milliardenschwerer Wachstumsmarkt. Die Anwendungen reichen von Verschlüsselungstechnologie, damit Hacker die Daten nicht lesen können, bis hin zur sicheren Datenübertragung.
Weil Militärs, Behörden und Regierungsstellen auch ein Interesse an geschützten, nationalen Lösungen haben, gründet Cassidian zunächst drei Anti-Hacker-Gesellschaften in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In Ottobrunn bei München wurde jüngst die Cassidian Cybersecurity GmbH im Handelsregister eingetragen, an deren Spitze der frühere IBM -Manager Jörg Eschweiler steht.
Cassidian-Chef Zoller hatte den Ausbau des Cybersecurity-Geschäfts bereits Mitte vergangenen Jahres im Vorfeld der Luftfahrtmesse in Le Bourget und die Gründung einer eigenen Tochterfirma groß angekündigt. Aber die konkrete Umsetzung verzögerte sich, offenbar weil sich derzeit die gesamte Rüstungs- und Sicherheitssparte Cassidian mit 5,8 Mrd. Euro Umsatz im Umbau befindet.