"Börsenfähig, denke ich, sind wir", sagte KDG-Chef Adrian von Hammerstein am Mittwoch auf der ersten Jahrespressekonferenz des größten deutschen Kabelnetzbetreibers. Wann ein Börsengang jedoch kommen könnte, dazu hielt sich Hammerstein bedeckt. "Das hängt von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab."
Allerdings ist der Markt für Neuemissionen derzeit verschlossen, und die Bewertungen vergleichbarer notierter Kabelfirmen in den USA ist aus Sicht des KDG-Eigners Providence Equity Partners nicht attraktiv. So bleibt der Börsengang für KDG zunächst ein Mittelfristprojekt. Man habe noch keine Vorbereitungen begonnen und auch keine Bank mandatiert, sagte Investor-Relations-Chefin Insa Calsow.
KDG war bei der Kabelnetzprivatisierung 2003 an drei Investoren gegangen. 2006 zahlte Providence seine zwei Partner aus. Die Transaktion bewertete KDG damals mit 3,2 Mrd. Euro, einer der größten deutschen Private-Equity-Deals.
Operativ scheinen die Münchner vorbereitet: Im Geschäftsjahr bis März 2009 sei mit Investitionen von 373 Mio. Euro die "Hochwassermarke" erreicht worden, sagte Hammerstein. "Jetzt sind wir mit der Aufrüstung der Netze weitgehend durch." So ist das KDG-Netz inzwischen voll digitalisiert und 80 Prozent davon rückkanalfähig. Die Übertragungskapazität des Breitbandinternet-Angebots soll ab 2010 nochmals deutlich erhöht werden.
Somit prognostiziert KDG für die kommenden Jahre steigende Gewinne. Schon 2009/10 solle der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 11 bis 13 Prozent auf 635 bis 645 Mio. Euro zunehmen. Zugleich erwartet KDG, dass der Umsatz gegenüber dem Vorjahreswert von 1,37 Mrd. Euro um fünf bis sieben Prozent wächst. Unter anderem dadurch, dass man die Zahl der Kunden für die Angebote Internet und/oder Telefon über Kabel erstmals auf mehr als eine Million steigern will. Im vergangenen Geschäftsjahr gelang schon eine annähernde Verdopplung dieser lukrativen Kundschaft auf 806.000.
2008/09 hatte KDG trotz eines
Ebitda von 571 Mio. Euro mit einem Nettoverlust von 72 Mio. Euro abgeschlossen. Ohne einige Sonderkosten - vor allem infolge der Übernahme von Netzen von Orion Cable und Restrukturierungsaufwand - wäre unter dem Strich ein kleiner Gewinn geblieben, so Calsow.
KDG ist wie alle großen deutschen Kabelnetzbetreiber in Private-Equity-Hand hoch verschuldet: mit 3,1 Mrd. Euro. Dass KDGs Anleihe über ihrem Nennwert notiert, belegt jedoch, dass sich die Kreditgeber komfortabel fühlen - anders als bei Orion. Bezogen auf den operativen Gewinn ist der Verschuldungsgrad bis Ende März bei KDG sogar gesunken: auf das 5,4-fache Ebitda.