Mobile World Congress:Die Chinesen, die Apple das Fürchten lehren
Das Unternehmen heißt ZTE. Der Name ist das einzig Unspektakuläre an dem Überflieger aus China. Der Handyhersteller ist an Apple vorbeigezogen und kommt mit einer Kampfansage zur Branchenmesse nach Barcelona.
von Björn Maatz
Die Chinesen mögen Publicity - und laden auf der Branchenmesse Mobile World Congress in Barcelona eifrig gleich zu mehreren Terminen. Am Montag gibt es Informationen zur Handy-Strategie. Am Dienstag folgt die Ankündigung eines europäischen Netzwerkes mit dem Mobilfunkstandard der neuesten Generation, LTE (Long Term Evolution). Und am Mittwoch schließlich: Präsentation einer Kooperation mit einem europäischen Mobilfunkbetreiber.
Ein Handy von ZTE. Die Chinesen setzen auf das Betriebssystem Android
Drei Pressekonferenzen an drei aufeinander folgenden Tagen sind ungewöhnlich. Der chinesische Handyhersteller ZTE strotzt vor Selbstbewusstsein und rechnet fest damit, dass der überhitzte Raum im Medienzentrum der Messe aus allen Nähten platzt. Das gelingt zumindest am ersten Tag: Das Interesse an den Chinesen ist überwältigend.
Bislang wurde ZTE außerhalb des Heimatmarktes kaum wahrgenommen. Das hat sich grundlegend geändert. Kein Wunder: Ende Januar hatte das US-Marktforschungsunternehmen IDC gemeldet, ZTE habe 2010 mit 51,8 Millionen weltweit ausgelieferten Mobiltelefonen Platz vier unter den größten Handyherstellern der Welt erobert und damit sogar Apple auf Rang fünf verdrängt.
Die zugleich vorgelegten Bilanzzahlen von ZTE für das abgelaufene Geschäftsjahr spiegeln das Wachstum wider: Laut vorläufigen Angaben stieg der Umsatz des Herstellers von Handys und Netzwerkausrüstungen im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 10,62 Mrd. Dollar. Der Gewinn sprang um 32,4 Prozent auf 491 Mio. Dollar.
Der in Shenzhen nahe Hongkong ansässige Konzern wächst so rasant wie seine Heimatstadt, die 1979 noch 30.000 Einwohner zählte - und heute mehr als zwölf Millionen. Die Chinesen nehmen längst auch in Nordamerika, Europa und Japan der Konkurrenz Kunden ab.
So vertreiben die Netzbetreiber Vodafone und Deutsche Telekom Smartphones unter Namen wie Vairy Touch, Blade oder Vibe. Für dieses Jahr erwartet ZTE laut Manager He Shiyou ein Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent. Neben den Oberklassetelefonen sollen auch Tablets und Settopboxen das Wachstum beflügeln.
ZTE rollte erst mit preisgünstigen Einfachsthandys den Markt auf. Nun wollen die Chinesen auch zunehmend den Verkaufspreis für Smartphones auf unter 200 Dollar drücken - eine Kampfansage vor allem an die südkoreanischen Konkurrenten Samsung und LG Electronics, die ebenfalls in diesem Preissegment auf Kundenfang gehen. Rund zehn Millionen Smartphones wollen die Chinesen in diesem Jahr ausliefern - fast fünfmal so viel wie 2010.
ZTE setzt auf das derzeit populärste Betriebssystem, Android von Google. "Windows Phone 7 ist für uns nur eine Back-up-Lösung", sagt He Shiyou. Microsoft dürfte das nicht gefallen - und wird vermutlich froh darüber sein, erst am Freitag eine enge Kooperation mit Weltmarktführer Nokia angekündigt zu haben. Denn das verschafft den Amerikanern mehr Macht auf dem Mobilfunkmarkt.
Denn, wie das Beispiel ZTE zeigt, setzt derzeit nur der Branchenprimus auf Windows Phone 7 als erste Wahl. Rivalen wie Samsung, LG Electronics, Motorola, Sony Ericsson und eben auch die Chinesen bevorzugen Googles Betriebssystem Android.
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