Seinen Laptop nimmt Joachim Schreiner schon längst nicht mehr auf Dienstreisen mit. Ins Businessgepäck kommen dem Deutschland-Chef des Softwareanbieters Salesforce heute meist nur iPhone und iPad. Eine ähnliche Entwicklung beobachtet er auch bei vielen seiner Kunden. "Steve Jobs' Innovationen haben viel Bewegung in das Thema mobiles Arbeiten gebracht", sagt Schreiner. Auch Daniel Niesler, CEO der auf Immobilienverwaltungssoftware spezialisierten Nemetschek Crem Solutions ist oft mit dem iPad unterwegs, um Kunden unter anderem zu zeigen, wie das Ticketsystem bei Supportanfragen funktioniert. "Die Kunden konnten direkt bei uns in das System schauen und sehen, wie wir arbeiten - das erzeugt enorm viel Vertrauen", sagt Niesler.
In immer mehr Unternehmen nutzen Mitarbeiter Mobilgeräte wie Tablets und Smartphones für ihre Arbeit. "Die Ära des PC ist vorüber", sagt auch Phil Redman, Research Vice President des amerikanischen IT-Marktforschers Gartner. Ein Grund dafür ist, dass etwa beim Ortstermin eines Versicherungsvertreters der Laptop wegen des hochgeklappten Bildschirms eine physische Barriere zwischen ihm und dem Kunden aufbaut. Schmale Tablet-Computer, die häufig mit Betriebssystemen wie Android, Apples iOS oder Windows 8 arbeiten, haben diesen Nachteil nicht. Zudem bringen viele der neuen Kompaktrechner weniger Gewicht auf die Waage und sind einfacher zu bedienen. Aber auch die Software, die inzwischen zur mobilen Anbindung der Außendienstler genutzt wird, verändert sich massiv. Die Technologien unter der Oberfläche, mit denen sich Außendienstler mit ihren Unternehmen vernetzen, sind aber weitgehend gleich geblieben: Meist sichert eine Verschlüsselungssoftware die sichere VPN-Tunnelverbindung zu den Unternehmensrechnern ab.
Doch auf der Ebene der Dateneingabe und -erfassung ist eine Entwicklung zu beobachten, wie man sie bereits aus der Welt der Endverbrauchersoftware kennt: Die Kombination von mobilen Apps und Ressourcen aus der Rechnercloud. Angetrieben von den Erfolgen der App-Stores, die sich an Endkunden wenden, beginnen immer mehr IT-Anbieter, das Modell für den Vertrieb von Geschäftsapplikationen zu kopieren.
Mobile Apps und DatencloudApps zum Zugriff auf Microsoft-Services wie Exchange, Sharepoint, Yammer oder Lync sind dabei ebenso gefragt wie Apps, die eine Nutzung von SAP -Programmen wie CRM Sales oder Businessobjects ermöglichen oder den mobilen Zugriff auf die CRM- oder Social-Business-Tools von Salesforce erlauben. Anbieter wie Fujitsu , Atos, HP und TA haben eigene App-Stores mit Businessanwendungen gestartet oder stellen ihre Anwendungen in den App-Marktplätzen von Apple und Google bereit.
Und sogar solche Anbieter wie Citrix, die selbst keine Businessanwendungen entwickeln, sondern die sichere Anbindung von Geräten an Firmennetze ermöglichen, haben die Apps für sich entdeckt. "Wir rechnen damit, dass Mitte 2014 rund 83 Prozent aller Organisationen mobiles Arbeiten unterstützen, während dies heute nur 24 Prozent tun", sagt Jesse Lipson, Vizepräsidentin von Citrix und für das Thema Datenaustausch verantwortlich. Dieser Entwicklung trägt das Unternehmen mit seiner Sharefile-App Rechnung, die es erlaubt, von Android-Geräten aus sicher Daten auszutauschen.
Selbst Sharepoint von Microsoft , eine Plattform, die in vielen Unternehmen Grundlage das Intranets ist, bekommt durch die Innovationen neuen Antrieb und ist für den Zugriff aus der Ferne offen. Software wie Harmon.ie Connect ermöglicht ein durchgängiges Arbeiten auf Desktop und Mobilgeräten, das Sharepoint von Hause aus nicht in diesem Maße unterstützt.
Je mehr dieser Apps jedoch verfügbar sind, desto mehr Unternehmensinhalte müssen auch von unterwegs sicher abgelegt werden. Für die Unternehmen ist es eine große Herausforderung, Firmendaten sicher für den Zugriff unterschiedlichster Mobilgeräte bereitzustellen. Eine Antwort auf diese Problematik liefert die Datencloud: Die Businessapps sind nicht nur für den mobilen Zugriff auf ihre Funktionen optimiert, sondern auch in der Regel extrem klein. Bei vielen steckt die eigentliche Funktion nicht auf dem Mobilgerät, sondern im Rechnerpark, der über eine sichere Verbindung angesteuert wird. "Die Daten werden also nicht mehr auf dem Laptop zwischengespeichert, sondern über die Cloud direkt in ein sicheres Rechenzentrum übertragen", erklärt Salesforce-Chef Schreiner. Den alten Geschäftsanwendungen auf diese Weise Beine zu machen, zahlt sich für die Unternehmen aus, denn der einfache Mobilzugriff steigert die Akzeptanz der neuen Technik.
Und mussten früher genervte Außendienstler nach den Terminen mühevoll ihre Kundendaten aktualisieren, geschieht das heute fast spielerisch: "Wir beobachten, dass auch Businessanwendungen in der Mobilversion zu einer höheren Nutzungsintensität führen", sagt Schreiner. "Anders als in den alten Applikationen muss man nicht mehr mühsam von Feld zu Feld springen, um Informationen einzugeben." Vielmehr ermöglichen die mobilen Anwendungen oft umstandslose Freitexteingaben - wie etwa bei Facebook .
Und jüngere Mitarbeiter begeistere ohnehin die Perspektive, einen Teil der Arbeit ganz entspannt über mobile Apps und die Cloud am iPhone zu erledigen, so Softwareexperte Niesler. "Diese Werkzeuge helfen uns, für Bewerber und Mitarbeiter noch attraktiver zu werden."