Chinas Mobilfunkindustrie ist bei ihrem Versuch, eine eigene Handytechnologie weltweit zu etablieren, einen deutlichen Schritt vorangekommen. Als erster westlicher Netzbetreiber wird E-Plus die chinesische Variante des künftigen Mobilfunkstandards, TDD-LTE, testen.
von Thomas WendelBarcelona
Unterstützt wird Deutschlands drittgrößter Netzbetreiber dabei von China Mobile, dem weltgrößten Mobilfunkanbieter, sowie dem chinesischen Netzausrüster ZTE. Dies gaben die drei Unternehmen auf der Branchenmesse Mobile World Congress in Barcelona bekannt.
"Zeitnah im Jahr 2011" sollen dazu erste Testnetze den Betrieb aufnehmen, hieß es weiter. Für ihren Aufbau sind Frequenzen im 2,6-Gigahertz-Bereich eingeplant, die E-Plus bei der jüngsten Mobilfunklizenzauktion im Frühjahr vergangenen Jahres ersteigert hatte.
Die Ankündigung dürfte Europas Netzwerkindustrie weiter unter Druck setzen. Der schwedische Weltmarktführer Ericsson, Alcatel-Lucent aus Frankreich sowie das finnisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) leiden seit Jahren unter der Konkurrenz ihrer chinesischen Herausforderer ZTE und Huawei, die die Preise der Europäer um 40 Prozent und mehr unterbieten und dank Unterstützung durch Chinas Staatsbanken auch zinsgünstige Finanzierungen anbieten können.
Nun schicken sich die Chinesen überdies an, erstmals eine eigene Mobilfunktechnologie in Europa zu etablieren - was ihnen einen deutlichen Technologievorsprung gegenüber ihrer westlichen Konkurrenz verschaffen würde.
Chinas Regierung fördert seit Jahren die Entwicklung einer eigenen Mobilfunktechnologie, die ohne Knowhow aus Europa und Nordamerika auskommt. Der Erfolg ist bisher gering. Als einziger nennenswerter Anbieter setzt bisher China Mobile eine TDD-LTE-Vorläufertechnik in seinem modernsten Netz ein, auf Geheiß Pekings.
Sollte nun mit E-Plus ein großer westlicher Anbieter sein künftiges Hochgeschwindigkeitsdatennetz auf Basis eines chinesischen Mobilfunkstandards aufbauen, dürfte das einen Dominoeffekt in der Branche auslösen. Schließlich wären auch große Handyhersteller wie Nokia und Samsung dann gezwungen, ihre Mobiltelefone nach dem chinesischen Standard zu bauen, wollen sie mit E-Plus weiterhin Geschäfte machen.
Zudem würde eine Entscheidung der deutschen Tochter des niederländischen Telekomkonzerns KPN für TDD-LTE auch Signalwirkung für andere Netzbetreiber in Europa und Nordamerika haben. Sie können dann damit rechnen, dass neben chinesischen Handyherstellern wie ZTE, Huawei oder BYD auch die großen europäischen Marken passende Endgeräte anbieten.
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