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Merken   Drucken   29.06.2007, 11:49 Schriftgröße: AAA

Mobilfunker streichen 10-Cent-Tarife mangels Nachfrage

Den erst seit Frühjahr erhältlichen 10-Cent-Tarifen im Mobilfunk droht das Ende: Mit Klarmobil, Callmobile und Simply stoppen gleich drei Mobilfunk-Discounter die Vermarktung ihres jeweiligen Billigtarifs zum Monatsende - er verkauft sich einfach zu schlecht.
von Volker Müller (Hamburg)

Damit bleibt in der Preisklasse allein der Tarif Zehnsation von E-Plus  übrig. Doch auch er ist, nach FTD-Informationen, kein Verkaufsschlager.

Der Verkaufsstopp zeigt, dass Kunden immer häufig ablehnend auf einschränkende Konditionen reagieren, obwohl der Minutenpreis weit unterdurchschnittlich ist. Sowohl bei den Discountern als auch E-Plus müssen sich die Kunden des 10-Cent-Tarifs für 24 Monate binden und mindestens 10 Euro umsetzen.

Die Branche hatte ein Erdbeben durch den im Februar eingeführten Tarif Zehnsation erwartet. Zumindest T-Mobile wollte gegenhalten - aber nicht unter dem eigenen Namen. Der Bonner Konzern schickte deshalb die drei im Telekom-Netz funkenden Discounter vor: Ihnen gewährte T-Mobile besondere Einkaufskonditionen, um einen Minutenpreis von 10 Cent überhaupt zu ermöglichen - zunächst befristet bis zum 30. Juni.

Zehnsation trifft auf wenig Interesse

Die einst geplante Verlängerung wurde jetzt abgeblasen. "Wir haben andere Prioritäten", heißt es nun bei der Deutschen Telekom  intern. Zu Deutsch: Der Tarif findet keine Abnehmer. Das räumen sogar die Discounter ein. Und eine Gefahr für das eigene Geschäft durch Zehnsation mag längst kein T-Mobile-Manager mehr erkennen. "Im Gegensatz zum Pauschaltarif Base trifft Zehnsation auf wenig Interesse der Kunden", sagt auch ein großer Mobilfunk-Händler.

Das Verhalten der Kunden verwirrt Manager der Branche. "Die Kunden sind längst nicht so preissensibel wie gedacht", sagt Hartmut Herrmann, Chef von Klarmobil: "Sie zahlen lieber 4 bis 5 Cent mehr pro Minute, als sich für zwei Jahre zu binden oder auf einen Mindestumsatz festlegen zu lassen." Darin liegt der Pferdefuß der Billigtarife: "Ihre Begleitumstände sind den Kunden nicht zu vermitteln", urteilt Martin Gutberlet, Branchenexperte des Marktforschers Gartner. "Mittelfristig geht die Reise zu Pauschaltarifen und ganz einfach gestrickten Minutentarifen. Alles andere wollen Kunden nicht - und verstehen es auch nicht."

Nur E-Plus lässt sich nicht beeindrucken. "Wir sind mit Zehnsation im Plan und zufrieden", sagt ein Firmensprecher. Der Tarif bleibe. Seit Donnerstag läuft zudem wieder eine unterstützende TV-Kampagne. Einen Ausrutscher könnte sich der Mobilfunker, zu dem auch Simyo, Base und Ay Yildiz gehören, kaum leisten: Schon der Vorgängertarif Clever One war fulminant gescheitert. Misslingt auch Zehnsation, dürfte die seit Jahren spürbar kränkelnde Kernmarke E-Plus nur noch schwer zu kurieren sein.

  • Aus der FTD vom 29.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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