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Merken   Drucken   04.06.2008, 09:11 Schriftgröße: AAA

Nebelkerzen aus der Halbwelt  

In der Telekom-Affäre werden brisante Informationen gestreut - teils wahr, teils frei erfunden, häufig in die Irre führend. Inzwischen geraten besonders Journalisten in den Fokus der Gerüchteschleuderer. von Jens Brambusch und Matthias Lambrecht
Am 26. Oktober 2004 sind es 4199,20 Euro, einen Monat später nochmals 1044,00 Euro, die auf dem Konto des Wirtschaftsjournalisten eingehen. So geht es das ganze Jahr über. Mal sind die Beträge höher, mal nur im Bereich von 200 Euro. Angewiesen werden die Zahlungen immer von der gleichen Firma: Control Risks Deutschland GmbH, jener Wirtschaftsdetektei, die vielen deutschen Firmen bei Sicherheitslücken und Informationslecks hilft.
Der Journalist räumte gestern gegenüber der FTD sein Engagement für Control Risks ein. "Es gibt verschiedene Unternehmensberatungen, für die ich arbeite - und ich wüsste nicht, warum ich nicht für Control Risks arbeiten sollte." Bis 2002 war er Ressortleiter beim Wirtschaftsmagazin "Telebörse" und nach dessen Einstellung 2002 freier Textchef bei "DMEuro". Als freier Journalist hat er für viele große Tageszeitungen geschrieben - darunter auch die FTD. Mit dem Fall Telekom habe seine Arbeit für Control Risks nichts zu tun, beteuert er. "Ich habe gegen kein Gesetz verstoßen", sagte der Journalist, der auf seiner Internetseite als freier Publizist und Unternehmensberater auftritt.
Zwar ist ein Doppelengagement als Journalist und gleichzeitig für ein Unternehmen wie Control Risks möglicherweise keine juristische Frage. Eine ethische ist es aber sehr wohl. Denn anders als die meisten Journalisten will Control Risks brisante Fakten nicht der Öffentlichkeit präsentieren, sondern nur den eigenen Kunden.
Die Frage nach der Ethik müssen sich gleich mehrere Journalisten stellen. Wie ein Insider der FTD bestätigt, hat nicht nur ein Journalist auf der Lohnliste des Berliner Investigationsbüros gestanden - allerdings seien es nur freie Mitarbeiter gewesen, ohne Festanstellung bei einer Redaktion. Ihre Aufgabe: Recherche über Management, Märkte und Unternehmen. Der Fall ist heikel, hat aber mit der Telekom-Affäre wenig zu tun. Und doch wurden die brisanten Bankdaten in deren Dunstkreis gestreut.
Die einzige Klammer ist die Wirtschaftsdetektei Control Risks. Dass gerade jetzt die Hinweise an die Presse gespielt werden, zeigt den Versuch, von der eigentlichen Affäre abzulenken. Die Daten liegen nach Erkenntnissen der FTD seit langer Zeit vor. Fraglich ist, wer sie erstellt hat und in wessen Auftrag. Und: warum sie gerade jetzt aus dem Giftschrank geholt wurden.
Inzwischen machen zahlreiche Informationen, Halbwahrheiten und Gerüchte die Runde. Besonders gefährlich: Der ehemalige FTD-Reporter Tasso Enzweiler, so wird im Umfeld der von den Konzernen so oft beauftragten Detekteien und Schnüffler erzählt, soll bestechlich sein. Ein Vorwurf, der bereits im Jahr 2000 im kleinen Kreis kursierte - aber erst jetzt gestreut wird, nachdem Enzweilers Bespitzelung durch einen Telekom-Dienstleister bekannt wurde.
Die in die Redaktionen getragene Legende besagt, dass Enzweiler 1999 vom BND zweimal eine große Summe bekommen habe, um seine Berichterstattung über den Verkauf des Eurofighters einzustellen. Enz-weiler arbeitete damals für die "Welt". Angeblich soll sogar die Steuerkarte Enzweilers einen Sperrvermerk tragen - damit die Überweisung vom BND nicht nachgewiesen werden kann.
Enzweiler reagiert auf die Vorwürfe entsetzt: "Das ist bizarrster Schwachsinn. Ich bin jederzeit bereit, mein Konto und sämtliche Steuererklärungen offenzulegen, wenn es notwendig sein sollte. Sollte irgendjemand es wagen, mich auch nur ansatzweise zu verleumden, werde ich ihn mit dem größten Vergnügen verklagen. Ich lasse mich nicht mit Dreck beschmeißen."
Knut Thielsen, Steuerberater von Enzweiler seit mehr als zehn Jahren, bestätigte: "Es gibt keinerlei Sperrvermerk für eine Steuererklärung von Herrn Enzweiler."
Bereits vergangene Woche wurden Gerüchte gestreut, man habe auf den "Capital"-Redakteur Reinhard Kowalewsky einen Maulwurf angesetzt, um dessen Informanten bei der Telekom zu enttarnen. Wenig später wurde aus dem Maulwurf ein Kollege. Von Dominabesuchen war die Rede, von Bordellrechnungen, von eidesstattlichen Erklärungen. "Mir scheint es, als würde hier ganz klar versucht, mit Nebelkerzen zu werfen, um etwas Großes zu vertuschen", beurteilt ein Manager aus der Sicherheitsszene. Bislang hat sich keines der Gerüchte als wahr erwiesen.
  • Aus der FTD vom 04.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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