Fünf der größten Hersteller elektronischer Schaltungen - Samsung , IBM , Texas Instruments , Freescale und ST-Ericsson - sowie der weltweit erfolgreichste Chipdesigner ARM haben das Gemeinschaftsunternehmen Linaro gegründet, um der lizenzkostenfreien Software zu einem späten Durchbruch auf dem Massenmarkt zu verhelfen.
Die nicht gewinnorientierte neue Firma solle Linux-Basisprogrammierung für Chips in mobilen Endgeräten wie Smartphones, Netbooks und Tablet-PC übernehmen, die mit dem Internet verbunden sind. Das gaben Topmanager aller sechs beteiligten Unternehmen am Donnerstag auf der IT-Schau Computex in Taipeh bekannt. "Wir wollen so eine schnelle Verbreitung von Linux-Systemen fördern", sagte Linaro-Chef Tom Lantzsch.
Zuvor hatte schon die Nummer eins der Branche, Intel, klar gemacht, bei mobilen Endgeräten auf Linux-Software wie die von Nokia und Google unterstützten Betriebssysteme Meego und Android zu setzen. "Die Welt läuft zu Linux über", sagte Jim Zemlin, Chef der Linux-Stiftung, in Taipeh der FTD. "Die Computex war früher eine von Microsoft dominierte Veranstaltung. Dies ist nun vorbei."
Die Chipindustrieallianz ist eine der größten Herausforderungen, vor der Microsoft je gestanden hat. Die Firmen hinter Linaro produzieren jährlich Milliarden von Chips, die auf ARM-Technik basieren. Die Schaltkreise zeichnen sich durch extrem geringe Stromaufnahme aus und finden daher Verwendung in allen Geräten, in denen Energie eine knappe Ressource ist: in Handys und Netbooks, in Navigationsgeräten, zunehmend aber auch in der Autoelektronik sowie in Fernsehern mit Internetzugang.
Zwar werden Linux-Systeme nicht binnen kurzer Zeit Microsofts dominierende Marktposition im klassischen PC-Geschäft brechen. Jedoch zeigen die überraschend hohen Verkaufszahlen des neuen Apple-Tablet-Computers iPad sowie der stetig steigende Absatz von Handys mit Internetzugang, dass das Gros der elektronischen Kommunikation künftig ohne PC abgewickelt werden wird.
Hinzu kommt, dass die mobilen Geräte und die sie antreibenden Prozessoren und Programme immer leistungsfähiger werden. Schon bald dürften sie Funktionsumfang und Geschwindigkeit heutiger Tischcomputer erreichen.
Da nun die wichtigsten Hersteller der Chipindustrie auf Linux setzen, um den Wachstumsmarkt zu bedienen, läuft Microsoft Gefahr, in einem schrumpfenden Markt gefangen zu sein, während im dynamischen Mobilbereich auf Linux fußende Betriebssysteme punkten.
Teil 2: Microsoft will dagegenhalten