Die Deutsche Telekom plant für das kommende Jahr eines der größten Ausbauprogramme für sein Festnetz, um der wachsenden Konkurrenz von Kabelanbietern etwas entgegen setzen zu können. Der DAX -Konzern setzt dabei auf eine neue Technik, die die Übertragungsleistung der bislang genutzten Kupferkabel vervielfacht - das sogenannte Vectoring. "Wenn es nach uns geht, möchten wir nächstes Jahr massiv anfangen", sagte Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme am Mittwochabend vor Journalisten in Köln. Der Konzern könne 24 Millionen Haushalte mit schnelleren Leitungen versorgen, so der Manager. Möglich seien Downloadgeschwindigkeiten zwischen 50 Megabit je Sekunde (Mbit/s) und 100 Mbit/s. In der Spitze wäre dies eine Verdopplung des aktuellen Angebots über die Kupferkabel. Die Konkurrenz läuft jedoch Sturm gegen die Pläne.
Für die Telekom ist der Ausbau von großer Bedeutung. Die Technik bietet die Chance, zu überschaubaren Kosten eigene Leitungen konkurrenzfähig zu den Kabelangeboten zu machen. Denn der flächendeckende Ausbau extrem schneller Glasfaserleitungen dauert. "Ende 2013 werden wir bis zu 29 Städte versorgt haben", sagte van Damme in Bezug auf den Glasfaserausbau. "Wir brauchen einen Zwischenschritt", so der Manager weiter.
Die Kabelanbieter locken Kunden dagegen mit deutlich günstigeren Preisen für Internetzugänge, die auch mindestens doppelt so schnell sind wie das VDSL-Angebot der Bonner. So haben sie ihren Marktanteil bei schnellen Internetzugängen laut dem Verband VATM binnen fünf Jahren verdreifacht, auf knapp 15 Prozent 2012.
Allerdings laufen konkurrierende Telekomunternehmen und ihre Verbände wie VATM und Breko Sturm gegen die Pläne der Telekom. Denn die Vectoring-Technik hat einen Haken. Auf den letzten Metern der Verbindung in die einzelnen Haushalte, meist Kupferkabel der Telekom, kann immer nur ein Anbieter die Technik erfolgreich einsetzen. Konkurrenten sind darauf angewiesen, von dem jeweiligen Anbieter ein Vorleistungsprodukt mieten zu können.
"Die Planung der Telekom Deutschland steigert kaum die Flächendeckung der Breitbandversorgung, sondern verhindert Investitionen und führt ausschließlich zu eigenen wettbewerbsstrategischen Vorteilen", wettert der VATM in seinem Strategiepapier. "Die Netzausbaustrategien der Konkurrenten werden über den Haufen geworfen", fügte Stephan Albers, Geschäftsführer des Verbands Breko, hinzu. Nicht zuletzt benötigt der DAX-Konzern für die Pläne zum Einsatz des Vectoring eine Gesetzänderung und damit die Unterstützung der Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur.
Die Telekom habe bereits zahlreiche Gespräche mit Konkurrenten geführt. In den kommenden Tagen stehe eine neue Runde an. "Die Telekom hat kein Interesse an der Remonopolisierung des Netzes", so van Damme. Die Telekom sei vielmehr darauf angewiesen, ihre Netze gut auszulasten.
Ob die Ankündigungen der Telekom-Führung die Bedenken der Konkurrenten zumindest in Teilen ausräumen können, wird sich zeigen. Am 10. Dezember kommen die führenden Manager der Telekombranche im Rahmen eines regelmäßigen Treffens der Bundesnetzagentur zusammen, um über den künftigen Ausbau der Netze zu sprechen.
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| Vectoring ist eine Technik, um den Datenfluss der meist paarweise verlegten Kupferleitungen zu steigern, die von den grauen Schaltkästen am Straßenrand in die Wohnung führen. Computerchips und Software senden Signale, die entgegengesetzt zu den stets vorhandenen Störgeräuschen in den Kabeln liegen und sie so eliminieren. Vectoring liefert Downloadgeschwindigkeiten, die auf dem Niveau der Anschlüsse von Kabelnetzbetreibern liegen. |