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Merken   Drucken   19.01.2009, 16:12 Schriftgröße: AAA

Neue Dienste: Musikbranche hofft auf Handy-Abos  

Mit einer Vielzahl neuer Geschäftsideen versucht die Musikindustrie, den Abwärtstrend der vergangenen Jahre zu stoppen. Themen sind: werbefinanzierte Musikstreams, unbegrenzte Downloads gegen einmalige Zahlung und neuartige Abodienste. von Arndt Ohler (Cannes)
Nahezu im Wochentakt lizenzieren die Unternehmen derzeit die Rechte an den Liedern ihrer Künstler an junge Vertriebsunternehmen. Auf der Musikmesse Midem, die noch bis Mittwoch im französischen Cannes stattfindet, sind einige von ihnen auf der Suche nach weiteren Partnern. Als eine der größten Hoffnungen gelten dabei Musikabos auf dem Handy wie "Comes with Music" von Nokia und "Play" von TDC. "Die großen Musikunternehmen haben das Ruder herumgerissen", sagte Mark Mulligan, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen Forrester.
Ursache für die Krise sind unter anderem die einbrechenden Umsätze mit CDs. Das digitale Musikgeschäft per Internet oder Handy wächst jedoch nicht schnell genug, um die Kluft zu schließen. So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland über das Internet zwar 22 Prozent mehr Lieder gekauft als 2007. Insgesamt vereinten Web- und Handyverkäufe jedoch lediglich neun Prozent des Gesamtmarkts auf sich. Zum Vergleich: In den USA liegt dieser Anteil bei 39 Prozent. Zudem machen Raubkopierer der Industrie zu schaffen.
Die Musikmanager hoffen, mit den neuen Angeboten einen Teil der Piraten zu zahlenden Kunden zu wandeln. Denn die Abos erwecken den Eindruck, dass die Musik nahezu kostenlos ist. Bei "Comes with Music" etwa ist der Zugriff auf Millionen von Titeln für ein Jahr kostenfrei; Kunden zahlen lediglich für die Datenübertragung sowie das Handy. Von dem Kaufpreis reicht Nokia etwa 80 $ an die Musikindustrie weiter. Die Kunden können Lieder über das Mobilfunknetz auf ihr Handy laden und sie dort oder auf ihrem Computer speichern.
Neben TDC und Nokia  arbeiten Universal Music und Sony Music Entertainment an dem Abomodell "Total Music". Auch der Computerhersteller Apple hat mit den Musikkonzernen über ein ähnliches Angebot verhandelt, konnte sich aber bislang nicht mit ihnen einigen. Da der Umsatz je Titel im Vergleich zum herkömmlichen 99-Cent-Modell enorm schrumpft, wird sich die Wende zu einem Markt mit Dutzenden Geschäftsmodellen für die Anbieter jedoch nur dann auszahlen, wenn Hunderttausende zu legalen Diensten wechseln.
Wie erfolgreich "Comes with Music" bislang ist, ist unklar. Nokia-Managerin Liz Schimel sagte vergangene Woche lediglich, dass Nokia mit der Entwicklung zufrieden sei. Bis Ende März werde der Dienst auch in Australien und Singapur starten. Allerdings hat die Handelskette, die die speziellen Nokia-Handys in Großbritannien vertreibt, den Preis erst kürzlich gesenkt. "Solange Nokia keinen Mobilfunkbetreiber mit an Bord hat, werden sie es nicht schaffen", sagte Analyst Mulligan. Konzerne wie T-Mobile und Vodafone wollen die Geräte nicht verkaufen, da der Dienst mit ihren eigenen Musikangeboten konkurriert.
Um im Wettbewerb mit der illegalen Konkurrenz punkten zu können, haben die Musikkonzerne ihre Lieder sogar an Internetangebote lizenziert, die den Nutzer überhaupt nichts kosten. So lassen sich bei Roccatune.com unbegrenzt viele Musikstreams anhören. Die Plattform aus Deutschland will sich nur über Werbung finanzieren. "Der Umsatz je Titel ist klein, aber die Alternative ist, gar keinen Umsatz zu haben", sagte Mulligan.

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