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Merken   Drucken   21.12.2009, 12:04 Schriftgröße: AAA

Neuer Standard: Wie das mobile Internet viel schneller wird

UMTS war gestern. Im neuen Jahrzehnt kommt LTE als vierte Generation des Mobilfunks. "Long Term Evolution" verspricht schnellere Verbindungen, flächendeckend stabile Netze - und die Rettung für Deutschlands Dörfer

In Stockholm und in Oslo ist LTE schon Wirklichkeit. Der skandinavische Telekommunikationsriese TeliaSonera  startete Mitte Dezember das superschnelle mobile Internet zunächst in den Innenstädten. Auch in Deutschland arbeiten Konzerne wie die Telekom  und Vodafone  schon am 4G-Netz, wie es im Branchenjargon genannt wird. Termine werden aber noch nicht genannt.

Was mit LTE geht, hat die Telekom schon praktisch vorgeführt: Im September 2008 ließ sie einen Kleinbus zwischen der Zentrale in Bonn und dem T-Mobile-Hauptquartier auf der anderen Rheinseite über die Brücke fahren, während im Bus die schnelle Datenübertragung unterbrechungsfrei lief. Auf der Cebit in Hannover konnten Besucher im März 2009 eine Videokonferenz in hochauflösendem Fernsehen im fahrenden Bus auf dem Gelände verfolgen und zugleich Onlinegames mit dem Standpersonal spielen. Und in Innsbruck betreibt T-Mobile Austria zusammen mit dem chinesischen Gerätehersteller Huawei seit Juli ein Testnetz mit 60 Funkzellen, in dem der LTE-Betrieb unter realen Bedingungen mit einer größeren Zahl von Nutzern erprobt wird.

LTE steht für Long Term Evolution, langfristige Entwicklung. Die neue Technik soll nach Auskunft von Fachleuten neben mindestens zehnfacher Geschwindigkeit gegenüber UMTS weitere entscheidende Vorteile bieten. So sollen vergleichbare Funkzellen das Doppelte bis Vierfache an Verkehr verkraften können, und die auf dem Internetprotokoll beruhende Netzstruktur ist einfacher und damit auch günstiger zu warten.

Zudem soll LTE aufgrund der verwendeten Übertragungstechnik weniger störanfällig sein als das UMTS-Netz. Nach Aussage von Experten dürfte der Aufbau von LTE auf jeden Fall billiger sein als die Wimax-Technik, die noch vor wenigen Jahren als Zukunftslösung gehandelt wurde, von einigen regional begrenzten Anläufen abgesehen aber nie ernsthaft in Fahrt kam.

Weniger störanfällig als UMTS

Hauptziel von LTE ist die schnelle Datenübertragung, das mobile Internet, in dem alle großen Telekommunikationskonzerne den Wachstumsmarkt der Zukunft sehen. UMTS überträgt in der höchsten aktuellen Ausbaustufe, HSDPA, Daten mit günstigstenfalls bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde zum Nutzer. In der Praxis liegt die Übertragungsrate realistisch bei maximal etwa 3 Megabit. Außerdem ist HSDPA nur in einem relativ kleinen Teil des Mobilfunknetzes hauptsächlich in den Ballungsgebieten verfügbar. Für LTE gibt TeliaSonera 100 Megabit pro Sekunde als Spitzenwert unter optimalen Bedingungen an. Die Telekom erreichte im Versuch nach eigenen Angaben schon 170 Megabit. Die meisten heute üblichen Festnetz-Internetanschlüsse über DSL sind erheblich langsamer. Selbst das hochauflösende Internetfernsehen beispielsweise der Telekom über VDSL kommt mit 25 bis 50 Megabit pro Sekunde aus. Dafür müssen allerdings für Milliardenbeträge Glasfaserkabel verlegt und riesige Anschlusskästen an die Straßen gestellt werden.

Hoffnung für breitbandlose Ortschaften

Der Anschluss an den Computer erfolgt bei TeliaSonera über einen kleinen USB-Stick, wie sie auch schon für UMTS verwendet werden. Normalerweise sollen nach den Aussagen des Unternehmens Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 20 und 80 Megabit pro Sekunde erreicht werden. Und schon im Laufe des Jahres 2010 sollen neue Endgeräte Spitzenwerte von sogar 150 Megabit pro Sekunde ermöglichen. In Deutschland ist der neue Übertragungsstandard noch aus einem anderen Grund von Interesse. Im zweiten Quartal steht die Versteigerung der sogenannten digitalen Dividende, der früher für den Fernsehempfang per Antenne genutzten Frequenzen, sowie weiterer Mobilfunkbänder an. LTE könnte die Technik sein, mit der die Abdeckung der "weißen Flecken", der nicht mit schnellen Internet-Festnetzzugängen versorgten ländlichen Gebiete vorangetrieben wird.

Allerdings könnten die Zugangsgeschwindigkeiten zunächst unter den Möglichkeiten der Technik bleiben. Schließlich verlangt die Bundesregierung in der ersten Stufe nur eine flächendeckende Breitbandversorgung mit einem Megabit pro Sekunde.

  • AP, 21.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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