Die Videoankündigung zu Samsungs kommendem Spitzen-Smartphone lässt sich so zusammenfassen: Eine wilde Kamerafahrt durch Sternennebel, pompöse Musik und - Schafe. Blöde blöken die Viecher dem Betrachter in der letzten Einstellung entgegen. "Jetzt kannst du dich abheben ... von allen anderen", verspricht Samsung. Ein gehässiger Seitenhieb auf treue Apple -Anhänger, die gern als "iSheep" verspottet werden.
So gespannt wie das angekündigte Gerät wird sonst tatsächlich nur die nächste iPhone-Generation erwartet. Am 3. Mai stellt Samsung sein neues Vorzeigeprodukt der Weltöffentlichkeit vor. Vom Vorgänger, dem Galaxy S II, verkauften die Koreaner innerhalb von zehn Monaten 20 Millionen Stück. Das machte das S II zum mächtigsten Herausforderer des iPhones - und Samsung zu jenem Konzern, der gemeinsam mit Apple die Schlagzahl in Sachen Technologie und Produktzyklen vorgibt. 2011 teilten die beiden nach Schätzungen des Marktforschers Strategy Analytics rund 40 Prozent des Smartphone-Marktes untereinander auf. Altmeister wie Nokia und Research In Motion wurden ebenso abgehängt wie Shootingstar HTC .
Doch die Launen der Verbraucher wandeln sich schnell. Anders als das iPhone setzt sich Samsungs Spitzengerät nicht durch ein eigenes Betriebssystem samt Anwendungskosmos von der Masse ab, sondern vertraut auf Googles offene Plattform Android. Und so lauert in der zweiten Reihe eine ganze Armada von Android-Herstellern darauf, dem Konzern Marktanteile abzujagen. Darunter sind finanzstarke Neulinge wie Huawei und ZTE aus China, die Samsung in Sachen Entwicklungsgeschwindigkeit in nichts nachstehen.
"Das nächste Galaxy kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem es schwieriger wird, sich in Sachen Hardware zu differenzieren", sagt Carolina Milanesi, Analystin beim Marktforscher Gartner. Nahezu jeder Hersteller wartet mit schärferem Bildschirm, besserer Kamera, schnellerem Prozessor auf. So einen Durchmarsch wie von vielen erwartet werde das neue Galaxy nicht hinlegen, prophezeit Milanesi.
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Samsung wiederum tut alles, um den Hype um jenes Produkt zu schüren, das im kommenden Jahr das Image des Konzerns prägen soll. In Sachen Geheimniskrämerei schließt der Konzern zu Apple auf: Durchs Netz schwirren vage Gerüchte zu den technischen Eckdaten, die Videoankündigung zeigt außer Sternen und Schafen - nichts. Erhielten Netzbetreiber meist Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart Vorseriengeräte, um sie in den eigenen Netzen zu testen, ist bei den Mobilfunkern in Deutschland laut informierten Kreisen noch kein Galaxy-Nachfolger aufgeschlagen. Überhaupt, maulen die Anbieter, habe der Konzern Starallüren entwickelt. "Man merkt ihnen den Erfolg an. Sie sind noch nicht so wie Apple, aber es geht schon los", sagte eine Person, die mit Vertretern des Konzerns zu tun hat. Apple gilt wegen der teils absurden Kontrollversessenheit und hohen Preisforderungen als unangenehmer Partner im Vertrieb.
Samsung rüstet sich derweil für die Werbeschlacht. Wie mächtig die Marketingmaschinerie des Konzerns ist, zeigt der Erfolg des Galaxy Note. Das Gerät vereint zwei Dinge, die bisher Flops garantierten: einen Stift zur Bedienung und einen Bildschirm, dessen Größe zwischen Tablet und Smartphone liegt. "Sie haben gezeigt, dass man mit ausreichend hohen Marketingausgaben eine Nachfrage schaffen kann, die es vorher nicht gab", sagt Pete Cunningham von Canalys.
Die Ausgaben rentieren sich. Am morgigen Freitag legt Samsung Zahlen für das erste Quartal vor. Der Konzern rechnet mit einem Gewinn von bis zu 4 Mrd. Euro - das würde den Rekordgewinn des Weihnachtsquartals erneut übertreffen.