Das Handy läuft dem Auto als wichtigstes Statussymbol den Rang ab. Kaum eine dienstliche Mahlzeit, bei der nicht jeder das Smartphone gut sichtbar neben dem Teller platziert - und abschätzend zum Nachbarn herüberschielt. Das Galaxy S3 muss man dabei (im Gegensatz zu anderen weit verbreiteten Modellen) nicht verschämt in der Schutzhülle verstecken. Damit es sich nicht immer mit der Krawatte sticht, hat man die Wahl zwischen einer weißen und einer graublauer Schale. Die ist allerdings aus schnödem Plastik. Das passt weder zum Tafelsilber noch zu den Kristallgläsern.
Am Flughafen eine Serie gucken und nebenbei E-Mails beantworten? Kein Problem. Das Galaxy S3 hat eine Funktion namens Pop Up Video, mit der sich ein Film in einem kleinen Fenster weiterschauen lässt, während man nebenbei andere Dinge erledigt. Das funktioniert dank des Vierkern-Prozessors aus Samsungs eigener Entwicklungsabteilung absolut flüssig. Der 4,8 Zoll große Display mit Samsungs Amoled-Technologie in HD-Auflösung sorgt dafür, dass man nicht die Nase in den Bildschirm stecken muss, um etwas zu erkennen.
Den Chef mal so richtig gut aussehen lassen? Sollte möglich sein. Ebenso wie beim S II liegt die Auflösung bei acht Megapixel, dazu aber gibt es eine Menge Gimmicks. So nimmt die Kamera innerhalb von Sekunden acht Bilder auf und wählt das beste aus. Im schummrigen Licht des Earls Court Exhibition Centre, wo das Smartphone vorgestellt wurde, sieht leider keiner so richtig gut aus - aber immerhin war das ausgewählte Bild stets das, auf dem alle die Augen offen hatten. Per Gesichtserkennung lassen sich Fotos von Bekannten direkt mit deren Facebook-Profil verbinden oder in Gruppen ordnen - so sieht man auf einen Blick, welche Kollegen auf dem Sommerfest zusammenglucken.
Das Galaxy 3 hört aufs Wort: Wenn man "Hi, Galaxy" sagt, schaltet es die Spracherkennung ein. Bei der Vorstellung des Gerätes war es recht laut - wohl auch deswegen musste man laut, langsam und sehr deutlich sprechen, um verstanden zu werden. Dann funktionierten Dinge wie die Wetterauskunft, das Aufrufen einer Textnachricht oder das Öffnen der Kamera problemlos und - genau wie bei Apples Siri - ohne festgelegte Befehle. Sogar ein bisschen Konversation ("Danke, Galaxy" - "Gern geschehen") ist möglich. Einen Assistenten aus Fleisch und Blut ersetzt es trotzdem nicht - der antwortet hoffentlich auch nicht jedes zweite Mal mit "Ich habe deine Frage nicht verstanden".
Samsung müht sich nach Kräften, ein Universum an Diensten aufzubauen, so wie es Apple getan hat. Auf dem Galaxy gibt es Zugang zu Musik, Videos und Spielen, und zwar nicht nur über Google Play, sondern über Samsungs eigene Plattformen. Für Speicher im Netz greift es auf den Cloud-Dienst Dropbox zurück. Richtig lustig wird es allerdings erst, wenn man auf einen weiteren Besitzer des S3 trifft: Dann muss man die Handys nur aneinanderhalten, und durch eine Kombination aus NFC-Technologie und WiDi (eine Art WLAN-Verbindung, die direkt zwischen zwei Geräten aufgebaut wird) werden Powerpoint-Präsentationen ebenso schnell übertragen wie Videos von der Weihnachtsfeier.
Steckdosen sind schwer zu finden, vor allem dann, wenn der Akku in den letzten Zügen liegt und der Chef am Telefon zu einer eben so wichtigen wie langatmigen Ausführung ansetzt. Das Galaxy S3 hat einen Akku mit einer Kapazität von 2100 mAH. Das ist guter Durchschnitt. Allerdings ist der Bildschirm, einer der prominentesten Stromfresser im Smartphone, mit 4,8 Zoll sehr groß. Zwei Dinge spenden Trost: Erstens lässt sich der Akku austauschen, wenn erratische Ladezyklen oder zu hohe Temperaturen in der Hosentasche ihm den Garaus gemacht haben. Zweitens gibt es für das S3 eine extrem schicke Ladestation. Sie funktioniert ohne Stecker. Man muss das Smartphone nur in eine - an die Steckdose angeschlossene - Schale legen.
Vermutlich ja. Auch wenn das Android-Lager bemüht ist, Managementlösungen für die Plattform zu entwickeln, bereiten die Geräte mit Googles Betriebssystem der IT-Abteilung noch immer mehr Sorge als Apple-Produkte. Sie fürchtet Sicherheitslücken. Akzeptieren Sie im Zweifelsfall, dass Ihr Arbeitsgerät fürs Erste ein Blackberry bleibt. Legen Sie ihm beim Geschäftsessen aber nicht auf den Tisch.
Das Samsung Galaxy S3 hat alle Voraussetzungen, ein gutes Spaß- und Arbeitsgerät zu sein. Es hat leistungsstarke Hardware und eine Vielzahl von Softwarefunktionen, von denen manche sinnvoll und manche hauptsächlich unterhaltsam sind. Außerdem bietet es die Möglichkeit, sich von der iPhone-fixierten Masse abzuheben. Prima für alle, die heimliche Freude dabei empfinden, zum Anzug Ringelsocken zu tragen.