Kursinformationen und Charts
Seit Jahren arbeitet die Stadt München daran, die Mehrheit ihrer Computerarbeitsplätze auf das offene Betriebssystem umzustellen. Wurde das Projekt nach einigen Startschwierigkeiten noch belächelt, steht es jetzt kurz vor dem Abschluss. 2012 sollen 12.000 Computerarbeitsplätze mit dem Betriebssystem Linux ausgestattet sein. Außerdem verwenden die Münchner inzwischen größtenteils die Bürosoftware Openoffice. Inzwischen hat die Metropole Nachahmer gefunden. Auch andere Gemeinden wie Freiburg oder Jena setzen mittlerweile auf offene Programme, deren Software-Code frei einsehbar ist und für die keine Lizenzgebühren bezahlt werden müssen. Die Nachfrage nach Open Source wächst - nicht nur bei Behörden.
An vielen Stellen steckt Open Source, wo es niemand vermutet. Das
Google -Betriebssystem Android ist inzwischen ein allseits bekanntes Beispiel, Apache-Webserver gehören inzwischen zum Standard. Genaue Schätzungen zum Markt gibt es kaum. Die Lizenzen kosten in der Regel nichts, dafür verdienen einige Firmen an Wartung und Service rund um die Programme. Der Marktforscher IDC schätzte die Umsätze 2011 auf rund 6 Mrd. Dollar, aktuelle Prognosen gibt es nicht. Die Analysten von Gartner erwarten aber, dass bis zum Jahr 2016 über 90 Prozent der 2000 größten Unternehmen weltweit Open Source selbst für unternehmenskritische Anwendungen einsetzen. 2010 waren es dagegen nur 75 Prozent.
Die Ersparnis bei den Lizenzkosten wird häufig als Hauptargument für den Einsatz von Open-Source-Programmen angeführt, auch wenn es von Anwendern und Anbietern gleichermaßen hinterfragt wird. "Die Kostenfrage lässt sich schwer beantworten", räumt IT-Managerin Kreyss ein. In München wurden sieben Entwickler eingestellt, das muss gegen die Lizenzkosten in den einzelnen Fachabteilungen gegengerechnet werden. Hinzu kommen die Gebühren für Wartung, die München an die Firma Canonical zahlt, die die entsprechende Linux-Version betreut.
Für Oliver Altehage, Leiter des Limux genannten Projekts in München, liegt der eigentliche Vorteil in der Offenheit der Programme: Die Verwaltung der Landeshauptstadt kann selbst entscheiden, welche Erweiterungen sie für das Programm benötigt, und sie unter Umständen selbst entwickeln. Dabei geht es um einfache standardisierte Fragen wie den Antrag für einen Jagdschein oder komplexe Strukturen wie das Einwohnermeldewesen. Den größten Mehrwert gäbe es, so Altehage, wenn alle deutschen Kommunen auf offene Plattformen umstellten und sich gegenseitig mit den Eigenentwicklungen versorgten. Münchens Bürgermeister Christian Ude macht sich deshalb auch schon mal in einem offenen Brief an die EU-Kommission für offene Standards stark.