"Die Katerstimmung nach dem Boom war gestern", sagt Torsten Schellscheidt, "inzwischen sehen wir wieder moderates Wachstum." Der Aktienstratege der WestLB hat sich auf Werte von IT-Unternehmen spezialisiert und sieht im Jahr 2005 eine Trendwende im Markt: "Ein guter Indikator für den IT-Dienstleistermarkt sind die Tagessätze für Fachleute, und die haben bereits wieder leicht zugelegt."
Dementsprechend entwickelt sich der Arbeitsmarkt für IT-Kräfte: "Die Entlassungswellen sind lange vorbei, inzwischen haben die kleinen Unternehmen schon wieder Probleme, Leute mit Fachkompetenz zu finden", sagt Schellscheidt. Das bestätigt auch der Personaldienstleister Adecco. Die Firma fand im September 18.467 offene Stellen - gegenüber gut 14.000 im gleichen Monat des Vorjahres.
Der Trend, der dem deutschen Markt zu neuem Wachstum verhilft, heißt Outsourcing. Nach einer im April veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben gut 87 Prozent aller deutschen Unternehmen Aufgaben wie Systembetreuung und Anwenderunterstützung an Dienstleister abgegeben. Die Mannheimer Forscher befragten repräsentativ 4400 Unternehmen aller Größen in Deutschland und bekamen eine eindeutige Antwort: "Nicht allein die niedrigeren Kosten bringen die Unternehmen zum Outsourcing. 86 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bei externen Anbietern höhere Qualität einkaufen", sagt Julia Häring, Autorin der Studie.
Größere Unternehmen gehen oft ins Ausland
Dabei nutzen besonders größere Unternehmen die Möglichkeit, IT-Aufgaben auch ins Ausland zu vergeben: Gut 18 Prozent der Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern setzen auf Offshoring. IT-Dienstleister außerhalb Europas bekamen von diesem Kuchen allerdings fast nichts ab: Weniger als ein Prozent der befragten Unternehmen betrauten IT-Firmen außerhalb der EU.
Externe übernehmen außer der Systembetreuung längst auch Schulungen oder die IT-Sicherheit oder gestalten den Internetauftritt. "Neu ist, dass branchenabhängig inzwischen auch Rechenkapazität nur noch angemietet wird." Pionier ist hier der IT-intensive Bank- und Versicherungssektor. 41 Prozent der Finanzdienstleister stellen sich die PC nicht mehr in die Firma, sondern geben ganze Prozessstrukturen ab.
"Nur IT-Firmen mit tiefem Branchen-Know-how können diesen Schritt mitgehen", sagt Schellscheidt. "Wer sich nicht auf eine Branche spezialisiert, wird es in Zukunft schwerer haben." SAP, Marktführer für Business-Software, forciert die Entwicklung. Kenner des Konzerns sagen: In Zukunft werden besonders diejenigen Weiterverkäufer Rabatte auf SAP-Software erhalten, die sich auf den Einsatz in einer Branche festlegen - der Rest wird mit schlechteren Konditionen bedient.