Herr Nies, Ihrem Posting kann ich nur zustimmen.
Ich hätte nicht erwartet auf der FTD einen Artikel mit solch generell dürftiger Faktenlage zu finden.
Gegen Apple spricht:
- Die noch nicht final absehbare Entwicklung der Inhaltskontrolle für Apps (Stern ist ein gut gewähltes Beispiel, die Bild lässt m.W. einfach die leicht bekleideten Damen weg)
- Der oftmals schwer nachvollziehbare Genehmigungsprozess im AppStore
Nicht optimal bzw elgegant von Apple, aber auch kein zwanghaft großes Drama:
- Der Ausschluss der Adobe CS5 als Erstellungswerkzeug für Apps (Flash 2 App, könnte von Adobe behoben werden, indem das Programm Quellcode generiert anstatt eine compilierte Anwendung)
- "Apps" können m.W. nur unter MacOS programmiert werden
Für Apple spricht:
- Feste Hardware Spezifikationen mit deutlich reduzierten Kompatibilitätsproblemen
- Gut aufbereitete SDK für MAC/iPhone/Touch/Pad
- Stringente Unterstützung offener Standards (CSS, H.264,W3C...)
- ein IMac darf auch mal im Wohnzimmer stehen
Generell hat es Apple gut verstanden, Inhalte und Hardware miteinander zu verknüpfen. Zweifler an der Börsenbewertung (nach oben wie unten) wird es immer geben, aber Wachstumsraten und Innovationskraft sind noch intakt. Die volle Marktkapitalisierung ist kein guter Anhaltspunkt, weder um über Produkte noch um über das zukünftige Schicksal ein Urteil fällen zu können.
Es gibt nur einen Markt in dem Apple eine beherrschende Stellung hat - MP3 Player.
Die Anteile an Laptops, Telefonen und Desktop Computern lässt durchaus noch Wachstum zu, für Tablets wird man erst sehen müssen, ob sich ein neues Segment nachhaltig herausbilden kann (obwohl es den Anschein hat). AppleTV fristet zu Recht ein Schattendasein, aber auch das kann sich ändern (nur zum Positiven, noch weniger zum Betriebserfolg kann es derzeit wohl kaum beitragen).
Des weiteren sei die Feststellung erlaubt, dass über 50Mio iPhone Nutzer kaum Klagen über das Fehlen von Flash oder die Abwesenheit von Frontalerotik ins Felde führen.
Der finanzielle Erfolg von Apple wurde übrigens durch freiwillig zahlende Kunden ermöglicht, nicht durch Zwangskäufe. Bei meinem letzten Besuch in einem Applestore fielen mir zumindest keine iPeitschen auf mit denen Kunden zur Kasse getrieben wurden.
Auch muss sich Apple nicht über fehlenden Wettbewerb beklagen, in keinem seiner Geschäftsfelder.
Dementsprechend wäre die Zeit der FTD Redaktion im Sinne der Leser mit einer fundierten Analyse der Erfolgsfaktoren derzeit wohl besser investiert. Den AOL Vergleich kann ich bedauerlicherweise nicht verstehen, noch weniger jedoch die Verbindung von "Freier Standard" und "Flash".