Der Medienkonzern Bertelsmann fusioniert sein Buchgeschäft mit dem des britischen Konkurrenten Pearson. Bertelsmann halte 53 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen namens Penguin Random House, Pearson 47 Prozent, teilte Bertelsmann am Montag mit. Beide Seiten gehen davon aus, die Transaktion in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 nach Erteilung der notwendigen behördlichen Freigaben abschließen zu können. Chef des neuen Unternehmens soll der bisherige Random House-Chef Markus Dohle werden.
"Mit dem geplanten Zusammenschluss schaffen Bertelsmann und Pearson die bestmöglichen Voraussetzungen für die Zukunft ihrer weltweit anerkannten Verlagshäuser Random House und Penguin", sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. Es könnten effektiver Bücher verlegt werden, und das in traditionellen wie in digitalen Formaten. Rabe sprach von einem "Meilenstein" für Bertelsmann.
Seit Monaten sprachen die Random-House-Mutter Bertelsmann mit der Penguin-Mutter Pearson über das Geschäft, hatte die Financial Times vergangene Woche aus informierter Quelle erfahren. Bertelsmann ist Mehrheitseigner von Gruner + Jahr, dem Herausgeber der FTD, Pearson ist Eigentümer der Financial Times und hat die Verhandlungen mittlerweile bestätigt. Aus dem Umfeld des Unternehmens hatte es geheißen, Manager arbeiteten "Tag und Nacht" daran, die Hürden aus dem Weg zu räumen, die blockieren, was die größte Fusion in der Geschichte der Buchindustrie wäre.
Random House kam vergangenes Jahr bei 1,75 Mrd. Euro Umsatz auf 185 Mio. Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), Penguin meldete 1,05 Mrd. Pfund (1,3 Mrd. Euro) und einen Ebit von 111 Mio. Pfund. Der Zusammenschluss könne den Gewinn noch einmal um zehn bis 20 Prozent steigern, sagte der Analyst Claudio Aspesi von Bernstein Research.
Auslöser für die Pläne ist laut Analysten und Managern der Wunsch, in einer zersplitterten und angeschlagenen Branche Größenvorteile zu erzielen und auch gegenüber Amazon ein besseres Standing aufzubauen. Der Onlinehändler ist zum weltgrößten Verkäufer von gedruckten und digitalen Büchern aufgestiegen.
"Vor zehn Jahren hätte man diese Fusion als Katastrophe angesehen", sagte John Mitchinson vom unabhängigen Verleger Unbound. "Aber Amazon hat das Spiel dermaßen verändert, dass diese Art von Nachhutgefecht unvermeidlich geworden ist."
Schon bevor Random House dieses Jahr mit der "Fifty Shades"-Buchreihe Erfolge feierte, war der Verlag Marktführer. In den USA kommt Random House dem Marktforscher Bookscan zufolge im laufenden Jahr auf 19 Prozent Marktanteil, Penguin liegt bei elf Prozent. In Großbritannien sind es für Random House 16,2 Prozent und für Penguin 10,9 Prozent Marktanteil.
Baut der Marktführer Random House seine Position aus, dürfte das eine gründliche Prüfung durch die Kartellbehörden nach sich ziehen. Ob dabei der Einfluss berücksichtigt wird, den Amazon oder große Technologiefirmen wie Google und Apple haben, sei schwer abzuschätzen, sagten Verleger.
"In den USA jedenfalls war ihnen Amazon piepegal", sagte ein anderer Verleger mit Blick auf Vorwürfe des amerikanischen Justizministeriums, denen zufolge Apple und fünf Verlage - darunter auch Penguin - Preisabsprachen betrieben haben sollen. Penguin ficht die Klage an. Auch als Universal Music kürzlich das Tonträgergeschäft von EMI kaufte, blieben die Verweise der Musikunternehmen auf den enormen Einfluss von Apple unbeachtet.
"Sie können bessere Konditionen von Amazon bekommen oder Amazon in die Wüste schicken", sagte der einflussreiche Literaturagent Andrew Wylie.
Laut dem Marktforscher Codex Group entfallen in den USA rund zwei Drittel der Buch- und E-Book-Verkäufe auf Amazon, insofern sind die Pläne für den Zusammenschluss von Penguin und Random House bei Buchhändlern und Konkurrenzverlagen vergleichsweise entspannt aufgenommen worden.
mit dpa, Reuters