Es gibt da dieses Schaubild aus der Gründungsphase von Nokia Siemens Networks (NSN) 2007: Darauf werden die Telefonnetzsparten der beiden Konzerne vor der Fusion bildlich dargestellt - auf der einen Seite die jungen, dynamischen, etwas chaotischen Fische von Nokia, auf der anderen der schwere, aber Kurs haltende Siemens-Tanker. Vielleicht hätte den Verantwortlichen, als sie das sahen, schon damals aufgehen müssen: Auch kräftige Fische können einen Tanker nicht so einfach aus schwerem Fahrwasser ziehen.
Dass NSN nun 2900 Stellen - von weltweit 17.000 - in Deutschland abbauen muss, ist das traurige Resultat dieser Fehlplanung. Die Angestellten in München sind die Opfer grundsätzlicher strategischer Fehler von Siemens , aber mehr noch von Nokia .
Mit dem Joint Venture wollte Siemens geräuschlos einen weiteren Teil seiner schwächelnden Telekomsparte loswerden und war über die Vereinigung mit den Finnen sicher froh. Aber wenn zwei Konzerntöchter lahmen, heißt das noch lange nicht, dass sie gemeinsam rennen können. Beide Seiten haben es schon damals versäumt, die Teile nicht nur zusammenzulegen, sondern komplett neu aufzubauen. So entstanden ineffektive Doppel- und Dreifachstrukturen, weltweit verstreute Abteilungen, Entscheidungs- und Verwaltungschaos.
Nun mag man den Finnen zugestehen, dass sie anderes im Kopf hatten als NSN. Schließlich wankt das Kerngeschäft des einstigen Marktführers und bedarf aller Managementressourcen. Dennoch hätte Nokia bei NSN durchgreifen müssen - oder konsequenter nach Käufern suchen.
Siemenschef Peter Löscher kann man die Lage von NSN nur bedingt vorwerfen. Er hat das Joint Venture von seinen Vorgängern geerbt. Und zumindest in den letzten Monaten hat sein Finanzvorstand Joe Kaeser bei NSN erst den Infineon-Sanierer Marco Schröter installiert und dann den finnischen Aufsichtsratschef hinausgedrängt. So kommt es erst jetzt zu jenen Strukturreformen, die schon vor Jahren angestanden hätten - als man noch weniger gegen Dumpingkonkurrenz aus China oder eine Konjunkturkrise ankämpfen musste.
NSN fängt endlich an, sich bereit für den Wettbewerb zu machen, spät, aber immerhin. Die Mitarbeiter in Deutschland, die mitansehen müssen, wie 2900 Stellen wegfallen, wird das kaum trösten.