FTD.de » IT + Medien » IT+Telekommunikation » Economyclass ins All
Merken   Drucken   26.04.2012, 12:04 Schriftgröße: AAA

Raumfahrtbranche: Economyclass ins All

Auf Asteroiden nach Rohstoffen schürfen, Raketen von Flugzeugen starten lassen, Touristen zu den Sternen fliegen - die Heroen der amerikanischen IT-Industrie haben ein neues Hobby: die kommerzielle Weltraumforschung.
© Bild: 2012 FTD/Quelle: Keck
Auf Asteroiden nach Rohstoffen schürfen, Raketen von Flugzeugen starten lassen, Touristen zu den Sternen fliegen - die Heroen der amerikanischen IT-Industrie haben ein neues Hobby: die kommerzielle Weltraumforschung.
von München

Sie lassen etablierte Raumfahrtkonzerne wie einfallslose Stümper aussehen. Eine Gruppe reicher Amerikaner, die ihr Geld bei Google , Microsoft  oder Paypal verdient haben, sorgen mit spektakulären Vorhaben für einen Umbruch in den bislang zementierten Strukturen der Raumfahrtbranche. Jüngstes Beispiel ist ein jetzt im Detail vorgestellter Plan der US-Firma Planetary Resources. Sie will Rohstoffe gewinnen aus durchs Weltall rasenden Gesteinsbrocken. Binnen zwei Jahren sollen erste Sonden starten, die mit Spezialsensoren zunächst auskundschaften, welche Asteroiden überhaupt für eine Ausbeutung infrage kommen. An dem Vorhaben könnten sich Energiekonzerne beteiligen, heißt aus dem Unternehmen.

Das Asteroiden-Unternehmen Planetary Resources wird von Multimilliardären wie dem Co-Gründer des Internetkonzerns Google, Larry Page, und Googles Ex-Chef Eric Schmidt gefördert. Beteiligt ist auch der ehemalige Microsoft-Software-Architekt Charles Simonyi sowie der durch die Filme Titanic und Avatar weltweit bekannt gewordene Hollywood-Regisseur James Cameron.

Die diversen Vorhaben verdeutlichen eine immer stärkere Kommerzialisierung der Raumfahrt. Dabei mischt die Nasa wohlwollend und kräftig mit. Über die Vergabe von Fördermitteln, Aufträgen und Starterlaubnissen beherrscht die US-Weltraumbehörde den Markt. Es hat den Anschein, als sei sie heilfroh, dass einige Internetmilliardäre ihre Leidenschaft für den Weltraum entdeckt haben. Diese sorgen mit frischen Ideen dafür, dass etablierte Raumfahrtkonzerne wie Boeing  oder Lockheed Martin  durch die neue Konkurrenz unter Druck geraten und nicht mehr allein und unbedrängt Nasa-Gelder abgreifen.

Die Geschäftsmodelle der Neulinge unterscheiden sich dabei stark: Virgin Galactic treibt etwa im Verbund mit dem Flugzeugbauunternehmen Scaled Composites den kommerziellen Weltraumtourismus voran. Ende 2012 soll es einen ersten Raketentestflug geben. SpaceX will am kommenden Montag mit der Billig-Lastenrakete Falcon 9 erstmals eine unbemannte Versorgungskapsel eines Privatunternehmens zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Hinter der vor gerade einmal zehn Jahren gegründeten Firma steht der Multiunternehmer Elon Musk, der unter anderem am Internet-Bezahldienst Paypal beteiligt war. Kritiker behaupten, dass allein Nasa-Aufträge SpaceX am Leben erhalten.

Bereits im Dezember stellte das Unternehmen Stratolaunch Systems einen Plan zum Bau des weltgrößten Flugzeugs als fliegende Raketenabschussplattform für Billigtransporte ins All vor. Aus zwei Boeing-747-Jumbojets soll ein Doppelrumpfflieger entstehen. Hinter Stratolaunch Systems steht Milliardär und Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Zu dem Netzwerk der Firma gehört wiederum Scaled Composites.

Zwar ist es nicht völlig unrealistisch, Rohstoffe im All aus Asteroiden zu fördern. Doch nach Untersuchungen von Nasa-Wissenschaftlern dürfte es noch Jahrzehnte dauern und Milliarden kosten, bis diese Technik tatsächlich nutzbar ist. Das kalifornische Keck Institute legte jüngst eine Studie vor, die ein Einfangen und Ausbeuten eines Asteroiden bis etwa 2025 technisch als grundsätzlich machbar einstuft. Die Kosten lägen bei etwa 2,6 Mrd. Dollar. Die Nasa wäre schon froh, wenn sie bei einer ab 2016 geplanten Mission bis 2023 ein paar Gramm Asteroiden-Gestein auf die Erde bekommen könnte.

Branchenkenner vermuten daher, dass die neue Firma abseits der spektakulären Ankündigungen zunächst auf Nasa-Zuschüsse hofft, um Spähteleskope für die Rohstoffsuche im All zu entwickeln. Bei Aufklärungssatelliten zur Analyse der Bodenbeschaffenheit von Planeten haben bislang die Europäer die Nase vorn.

Die Asteroiden-Spähsatelliten könnten ihre Sensoren allerdings auch auf die Erde richten, heißt es bei Insidern, um hier nach seltenen Erden und anderen wichtigen Metallen für die Elektronikbranche zu suchen. Daher ist zumindest vorstellbar, dass Nasa und US-Regierung nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein strategisches Interesse an den ungewöhnlichen Ideen von Unternehmen wie Planetary Resources haben.


Asteroidenfang

Vorkommen Im Sonnensystem der Erde gibt es Milliarden von Asteroiden, allein geschätzte 20.500 mit einem Durchmesser größer als 100 Meter.

Vision eins Nasa-Wissenschaftler schlagen vor, einen etwa 500 Tonnen schweren Asteroiden mit einem solarbetriebenen Raumschiff einzufangen und in eine Mondumlaufbahn zu steuern. Dort könnten Metalle abgebaut und zur Erde transportiert werden.

Vision zwei Das Wasser von Asteroiden könnte im All als eine Art fliegende Tankstelle für lange Raumfahrtmissionen genutzt werden.

22:07:06 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
  • Aus der FTD vom 26.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler