Der angeschlagene Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) führt offenbar Gespräche, mit Finanzberatern um seine strategischen Optionen auszuleuchten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf vier mit den Vorgängen vertrauten Personen, die anonym bleiben wollten.
Eine Entscheidung über eine Zusammenarbeit mit mindestens einer Bank könnte schon in den kommenden Tagen fallen, sagte eine der Personen. Im Gespräch seien eine kanadische und eine internationale Bank. RIM würde als strategische Option eine Lizenzvereinbarung für seine Handysoftware bevorzugen, sagte eine Person. Die zweite Wahl wäre ein strategisches Investment, ein Verkauf wäre demnach keine Option.
RIM steht vor einem ähnlichen Dilemma wie der Mobilfunkkonzern Motorola. Das rückläufige Handygeschäft zwang den Konzern zur Aufspaltung in eine Netzwerk- und eine Mobilfunksparte, die unter dem Namen Motorola Mobility an die Börse gebracht wurde. Aufgrund des großen Patentportfolios übernahm Google im August vergangenen Jahres das Handygeschäft.
RIM hatte bereits im vergangenen Monat angekündigt, verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen. Der Blackberry-Hersteller verpasste den Trend zu reinen Touchscreen-Smartphones und verlor Marktanteile an Apple und die Hersteller von Android-Handys.
Auch im Unternehmensmarkt, in dem RIM traditionell stark war, musste das Unternehmen Einbußen hinnehmen. Das iPhone und Android-Geräte wurden bei Managern immer beliebter. Hinzu kommt der Trend, dass viele Angestellte zunehmend ihre eigenen Geräte auch im Unternehmenseinsatz nutzen. Auch eine Patentklage des Chipherstellers NXP lastet auf dem Blackberry-Hersteller. Die Aktie des Unternehmens ist in den vergangenen zwölf Monaten um 75 Prozent eingebrochen.
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Mehrfach kamen daher in den vergangenen Monaten Gerüchte auf, dass RIM seine Patente lizenzieren würde und das Hardwaregeschäft ganz einstellen könnte. Auch andere strategische Möglichkeiten inklusive Partnerschaften und Gemeinschaftsunternehmen wurden diskutiert.
Die beste Lösung für RIM wäre es, seine Software beispielsweise an Samsung zu lizenzieren, sagte Avian-Securities-Analyst Matt Thornton der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Ein strategisches Investment macht keinen Sinn."
Der neue deutsche RIM-Chef Thorsten Heins hofft weiterhin auf das nächste Betriebssystem Blackberry 10, das nach mehreren Verzögerungen bis Ende des Jahres erscheinen soll. Im Mai sollen erste Prototypen präsentiert werden. Heins will die Stärke im Unternehmensgeschäft wiedergewinnen und verwies bei der Vorstellung der Quartalszahlen Ende März auf eine weiterhin wachsende Basis von 77 Millionen Blackberry-Kunden.