Nach Jahren unaufhaltsamen Wachstums ist der Handyabsatz weltweit im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal geschrumpft. Mit 419,1 Millionen Geräten lag das Volumen zwei Prozent unter dem Vorjahreswert, schrieb der Marktforscher Gartner in einer Mitteilung am Mittwoch. Zuletzt hatte der Absatz im zweiten Quartal 2009 in Folge der Wirtschaftskrise nachgegeben.
Die Experten erwarten sogar für das gesamte Jahr 2012 ein sinkendes Niveau. "Das niedrigere Ergebnis im ersten Quartal macht uns vorsichtig, was den Rest des Jahres betrifft", schrieb Analystin Annette Zimmermann. Man werde die Prognose für 2012 wohl um etwa 20 Millionen Geräte nach unten korrigieren müssen. Auf Grundlage der aktuellen Prognose von etwa 1,9 Milliarden verkauften Handys 2012 entspräche dies einem Minus von etwa einem Prozent.
Im Mobilfunkmarkt verschieben sich derzeit massiv die Gewichte hin zu den erfolgreichen Herstellern sogenannter Smartphones. Dominiert wird dieser Markt von Samsung und Apple . Jedoch ist es bislang nur Samsung gelungen, mit seinem eigenen Betriebssystem Bada auch bei Einsteigermodellen eine wichtige Rolle zu spielen.
Apples iPhone ist zu teuer, Nokia hat mit seinen neuen Geräten der Lumia-Serie auf Basis des Betriebssystems Windows Mobile den Durchbruch keineswegs geschafft. Das Smartphonegeschäft wächst ungebremst weiter. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um fast 45 Prozent auf 144,4 Millionen Telefone. Dies reicht jedoch nicht, um den Rückgang bei einfacheren Telefonen abzufedern.
Ursache für den Rückgang ist die Zurückhaltung der Käufer in Asien. Dort sind die ersten drei Monate aufgrund des chinesischen Neujahrfestes stets das stärkste Quartal gewesen. Zu Jahresbeginn hätten jedoch in diesen Märkten Kassenschlager für den Massenmarkt gefehlt, schreiben die Experten. Besonders betroffen davon seien weniger Anbieter wie Samsung, Apple oder ZTE , sondern unbekanntere Anbieter wie Yulong oder Meizu, die preiswerte Telefone herstellen.
Mehr zu: Apple, Handy, Handymarkt, Mobilfunk, Samsung
Samsung baut seine Dominanz aus. Der südkoreanische Konzern hat im ersten Quartal mit 86,6 Millionen verkauften Geräten Nokia als weltgrößten Hersteller abgelöst. Die Finnen waren 14 Jahre an der Spitze. Zugleich überholten die Asiaten im Smartphonegeschäft Konkurrent Apple: Samsung verkaufte 38 Millionen Telefone, Apple 33,1 Millionen.
Der Absatz der Amerikaner dürfte spätestens ab Herbst zulegen. Zum einen wird dann die neueste iPhone-Version erwartet, zum anderen verhandelt der Konzern mit dem weltgrößten Mobilfunknetzbetreiber China Mobile über den Verkauf von iPhones. China Mobile hat derzeit etwa 600 Millionen Kunden.
Zu den größten Verlierern gehören Nokia und HTC . Die Finnen verkauften mit 83,2 Millionen Handys rund 24 Millionen geräte weniger als noch im Jahr zuvor. Besondere Sorgen wird dem neuen Chef Stephen Elop wohl machen, dass mehr als drei Monate nach dem Neustart im Smartphonegeschäft kaum ein Fortschritt zu erkennen ist. "Nokia hat mit seinen Lumia-Telefonen noch nicht die passenden Preise im mittleren und unteren Preissegment", sagt Gartner Analyst Anshul Gupta. Der Marktanteil von Microsofts Handybetriebssystem schrumpfte von 2,6 Prozent auf 1,9 Prozent.
HTC setzte 1,6 Millionen weniger Geräte ab, als in den ersten drei Monaten 2011. Und die Zahlen dürften weiter schrumpfen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, verzögert ein Patentstreit mit Apple den Verkauf zweier neuer HTC-Handys in den USA. Der HTC-Aktienkurs sank als Reaktion am Mittwoch um fünf Prozent.