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Merken   Drucken   19.06.2008, 19:33 Schriftgröße: AAA

Schleppende Frequenzvergabe: Mobile 3.0 läuft die Zeit davon

Dossier Keine Frequenzen, kein Vertrieb und kein Geschäftsmodell - auch der zweite Versuch, Handy-TV in Deutschland einzuführen, steht vor dem Scheitern. In vier Bundesländern fehlen weiterhin Sendefrequenzen.
von Volker Müller (Düsseldorf)

Der Lizenznehmer Mobile 3.0 kommt in den Verhandlungen mit TV-Stationen nicht voran. Zudem wurde bislang kein Vertriebskanal gefunden. Die Wahrscheinlichkeit eines kommerziellen Sendestarts bis Frühjahr 2009 läge bereits unter 50 Prozent, berichten Insider.

Ursprünglich sollte das mobile TV auf Basis der DVB-H-Technik bereits zur Europameisterschaft zu sehen sein. Dazu hatten sich die Landesmedienanstalten zwar bereits im Januar auf das Konsortium Mobile 3.0 als Betreiber verständigt. Hinter ihm stehen die Medienkonzerne Burda, Holtzbrinck und Naspers  aus Südafrika. Die Vergabe von Frequenzen in allen Bundesländern verzögert sich aber bis heute - so in Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Angesichts der anhaltenden Probleme sei die Rückgabe der Lizenzen möglich.

Noch kommt kein Bild an. Wann die DVB-H-Technik startet, ist unsicher   Noch kommt kein Bild an. Wann die DVB-H-Technik startet, ist unsicher

Mit jeder weiteren Verspätung sinken die Chancen eines kommerziellen Erfolgs, urteilen Experten. Insbesondere der kostenlose Empfang des regulären Fernsehsignals (DVB-T) durch immer leistungsfähigere Telefone berge für Mobile 3.0 ernste Gefahren. Angesichts der rasant steigenden Rechenleistung von Handychips bei abnehmendem Stromverbrauch könnte TV auf Basis von DVB-H hinfällig werden. Schon vertreiben einzelne Anbieter erste Telefone, die das DVB-T-Signal empfangen können.

"Es gibt für fast alle technischen Verfahren ein Zeitfenster von drei bis sieben Jahren, in denen ein Markterfolg möglich ist", sagte Philipp Humm, Deutschlandchef des Netzbetreibers T-Mobile , auf einer Fachtagung. Tatsächlich liegt der erste Feldversuch in Deutschland bereits zwei Jahre zurück. Damit ist die kritische Grenze fast erreicht.

In der Bundesregierung wächst daher nach Angaben von Lobbyisten der Unmut über den unverminderten Kriechgang in den Ländern. Insbesondere Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sei enttäuscht. Er hatte im März 2007 das mobile Fernsehen als "neuen Markt und Wachstumsmotor" ausgerufen und an die Unternehmen appelliert, die Chancen zu nutzen. Noch im Januar dieses Jahres war er zuversichtlich, dass die Landesmedienanstalten bis zur laufenden Europameisterschaft alle notwendigen Lizenzen und Frequenzen vergeben.

Unklar blieben bislang auch das Geschäftsmodell von Mobile 3.0, der Vertriebsweg und die Zusatzdienste. "Wir entwickeln derzeit noch unsere Produkt- und Vertriebsstrategie", teilte eine Firmensprecherin auf Anfrage mit. Die Suche nach einem passenden Konzept erweist sich jedoch als vertrackt: "Alle Studien zeigen: Die Zahlungsbereitschaft der Kunden ist gering - vor allem für die bloße Wiedergabe des normalen Fernsehens. "5 Euro sind wohl die Obergrenze", sagte Arndt Rautenberg von der Unternehmensberatung OC&C Strategy. Nur mit kostenpflichtigen Zusätzen sei Gewinn zu erzielen.

Teil 2: In Großbritannien schon vom Markt verschwunden

  • Aus der FTD vom 20.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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