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Merken   Drucken   01.07.2007, 15:24 Schriftgröße: AAA

Schöne neue Technikwelt: Mein Leben mit dem iPhone

Für die Kunden beginnt die Revolution mit Warten: Selbst iPhone-Fans, die es schaffen, auf Anhieb eines der begehrten Telefone zu ergattern, können nicht sofort loslegen. Und wenn das Gerät läuft, patzt es ausgerechnet bei Apples Kernkompetenz. von Nikolas Klein
Bilderserie iPhorie zum Verkaufsstart
Damit sich das Gerät mit dem PC verständigen kann, um Adressen, Musik, Videos und Bilder auszutauschen, benötigt es die neue Version der Apple-Software "iTunes". Die ist zwar kostenlos, muss aber erst aus dem Internet geladen und installiert werden. Macintosh-Nutzern steht obendrein die zeitraubende Prozedur bevor, das Betriebssystem ihres Rechners auf den neuesten Stand zu bringen. Erst dann lässt sich das schon vor dem Verkaufsstart am Freitag umjubelte, ungeduldig erwartete Mobilfunkgerät in Betrieb nehmen.
Das geschieht mit einem Druck auf den einzigen Knopf, den es auf der Vorderseite des Geräts gibt. Er dient zum Aufwecken des iPhones und Aufrufen des Hauptmenüs: Es genügt dann, Symbole leicht anzutippen, um das E-Mail-Programm aufzurufen, eine SMS zu schreiben oder das iPhone in einen iPod zu verwandeln - alles mit dem Finger. Andere Hersteller mögen bei ihren "Smart Phones" auf Plastikstifte setzen, damit vergleichsweise klobige Menschenhände auf den winzigen Bildschirmen winzige Grafiken anklicken können; Apple vertraut stattdessen auf die Macht cleverer Software.
Apple Mitarbeiter in New York holen Nachschub hinter der Kasse   Apple Mitarbeiter in New York holen Nachschub hinter der Kasse
Das Wörterbuch nervt
Ein neues System namens "Multi-Touch" soll Fingertippen treffsicher genug machen, um schnell und schmerzlos Nachrichten zu verfassen. Das funktioniert nach kurzer Eingewöhnung auch recht gut - flinke Daumen dürften allerdings bei SMS auf herkömmlichen Telefontasten schneller sein, und für alle, die nicht nur auf Englisch schreiben, sind die Vorschläge des eingebauten Wörterbuchs, das dem iPhone zur Ergänzung und Kontrolle dient, eher lästig als hilfreich. Sie müssen ständig weggeklickt werden; andernfalls macht die Software etwa aus "ich" die Abkürzung "ICU" oder aus "siehe" das englische Wort "siege" (Belagerung).
Mit internationalem Verständnis hat es das Apple-Handy ohnehin nicht so, obwohl es als "Quadband"-Telefon auf vier Frequenzen funken kann und somit das Zeug zum Globetrotter hat. Doch die Tastatur, die auf dem Bildschirm eingeblendet wird, kennt keine internationalen Sonderzeichen, und auch Apples Partner AT&T  kann wenig mit ihnen anfangen. Von deutschen "Grüßen" bleibt beim Empfänger in den USA nur Buchstabensalat übrig. Das iPhone in Amerika zu kaufen, um es in Deutschland einzusetzen, scheitert schon daran, dass die Aktivierung einen Service-Vertrag mit AT&T  verlangt.
Alle iPhone-Verträge bieten unbegrenztes Surfen auf den Wellen des mobilen AT&T-Datennetzes für einen Aufschlag von 20 $ im Monat - das ist billiger als bei Konkurrenten wie Verizon und Sprint, allerdings strapazieren viele Webseiten beim Laden die Geduld, weil das AT&T-Netz recht behäbig arbeitet. Schneller geht es mit dem eingebauten drahtlosen Internetzugang mittels WLan. Theoretisch soll das iPhone nahtlos zwischen WLAN-Hotspots und AT&T-Netz hin und her wechseln. In der Praxis kann es vorkommen, dass das iPhone Probleme mit WLan-Anschlüssen nicht meldet und stillschweigend ausschließlich das AT&T-Netz nutzt.
Die große Stärke des iPhones ist seine Vielseitigkeit: Im einen Augenblick spielt es als Taschenkino oder MP3-Player Alleinunterhalter, im nächsten dient es als mobiles Büro. E-Mails lassen sich schnell und bequem verfassen und über diverse Anbieter verschicken, darunter Yahoo  und Google . Auch angehängte PDF-Dateien werden angezeigt. Word- und Excel-Dateien sollten sich ebenfalls lesen (aber nicht bearbeiten) lassen - auch das klappt in der Praxis nicht immer. Der Safari-Browser funktioniert weit besser als bei ähnlichen Mobilgeräten gewohnt, weil er die Seiten exakt so anzeigen kann wie auf dem PC.

Teil 2: Der Sound lässt zu wünschen übrig

  • FTD.de, 01.07.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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