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Merken   Drucken   14.09.2007, 14:00 Schriftgröße: AAA

Schöne neue Technikwelt: Mein Leben mit den Datenrettern

Datenrettungsfirmen retten Daten - und verlieren nicht etwa auch noch den Datenträger. Dachte ich. Bis ich es mit der Firma Datenphoenix/Pro Datenrettung zu tun bekam. von David Böcking
Als ich am 10. Mai 2007 die letzte E-Mail bekomme, bin ich einen Moment lang fassungslos. "Da Sie Ihr Gerät leider immer noch nicht haben, muss davon ausgegangen werden, dass dieses auf dem Postweg verloren gegangen ist!!!", schreibt mir Kevin N. (Name von der Redaktion geändert), den ich schon von einem halben Dutzend Telefonaten kenne. "Wir bedauern dieses, können aber da nichts machen!"
Festplatte kaputt - kein Problem, sagen Datenrettungsfirmen   Festplatte kaputt - kein Problem, sagen Datenrettungsfirmen
Das bedauerlicherweise verschwundene Gerät, das mir zu diesem Zeitpunkt seit exakt vier Monaten fehlt, ist ein PDA von Hewlett-Packard. Ich hatte mir den Mini-Computer für eine längere Reise gekauft, als digitales Tagebuch. Am Tag meines Rückflugs machte ich noch ein paar letzte Notizen, wollte speichern, bekam eine Fehlermeldung - und war auf einmal die Aufzeichnungen von sechs Wochen los, rund 44.000 Zeichen, etwa 15 DIN-A4-Seiten.
Ärgerlich, sehr ärgerlich sogar, doch ich habe Hoffnung. Schließlich liest man heute ständig, dass auch verschwundene Daten eigentlich gar nicht weg seien. Man brauche nur die richtigen Programme und Spezialisten, um sie wiederzuholen. Im Internet preisen Dutzende von Dattenrettungsunternehmen ihre Dienste an. Eines davon ist die Firma Datenphoenix, die auf ihrer Homepage prominente Kunden wie IBM, Airbus und BMW nennt und eine kostenlose Analyse anbietet. Trotz einer Adresse in der repräsentativen Berliner Friedrichstraße habe ich ein etwas mulmiges Gefühl dabei, das Gerät per Post durch die Republik zu schicken. Deshalb sende ich den PDA am 10. Januar 2007 per Einschreiben an die Firmenzentrale.
Mehrere Wochen vergehen, bis mich schließlich ein Mitarbeiter anruft. Man bedauere sehr, aber leider sei nichts mehr zu retten gewesen. Schade, da man ja immerhin die "führende Erfolgsrate von 97 Prozent" für sich beansprucht, aber da war ich wohl unter den glücklosen drei Prozent. Zumal mein PDA, wie ich weiter erfahre, zur Analyse bis in die Zentrale des Mutterunternehmens in Großbritannien geschickt wurde. Nun soll er von dort an mich zurückgesandt werden. Wir klären noch einmal meine Adresse, Danke trotzdem, auf Wiederhören.
Wieder vergehen Wochen, vom PDA keine Spur. Ich warte ab, schließlich kann internationale Post ein bisschen länger unterwegs sein. Schließlich rufe ich die Telefonnummer der Hotline an. Bei Datenphoenix ist man sehr überrascht, dass das Gerät noch nicht da ist, verspricht nachzuhaken und sich zu melden.
Dieses Versprechen bekomme ich etwa ein halbes Dutzend Mal, meist vom "Account Manager" Kevin N. Er ist durchaus bemüht, doch es passiert rein gar nichts, kein einziger Rückruf. Nachdem ich meinen Ärger erstmals deutlicher Luft gemacht habe, bringt man immerhin in Erfahrung, dass mein Gerät "mit der englischen Post rausgegangen ist" und deshalb einfach angekommen sein muss. Mit dieser Rückmeldung scheint das Problem für Datenphoenix erledigt.

Teil 2: Lesen Sie hier, welch seltsamen Ersatz Datenphoenix für den verlorenen PDA anbot

  • FTD.de, 14.09.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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