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Merken   Drucken   19.01.2007, 15:00 Schriftgröße: AAA

Schöne neue Technikwelt: Mein Leben mit einem USB-Raketenwerfer

Ich bin ein friedliebender Mensch. Wenn zwei sich streiten, halte ich mich am liebsten raus. Dass ich dennoch meinen Büroschreibtisch mit einem Raketenwerfer aufgerüstet habe, widerspricht zwar meiner pazifistischen Grundeinstellung, aber dadurch habe ich gelernt, dass Konflikte auch durch Gewalt gelöst werden können. von Andreas Albert (Hamburg)
Mein Arbeitskollege hat ein Faible für mehr oder weniger nützliche USB-Erweiterungen wie Toaster, Ventilatoren, Weihnachtsbäume, Händwärmer, Zahnbürsten oder kopulierende Hunde. Als ich in einem Bericht des BBC-Magazins "Click" den USB-Raketenwerfer sah wusste ich - damit schinde ich Eindruck.
Mit Laptop wird die Abschussrampe mobil   Mit Laptop wird die Abschussrampe mobil
Doch woher bekam ich die Abschussvorrichtung für meinen Schreibtisch? Zum Glück hat mein treuer Lieferant für absurdes Technikspielzeug, Pearl, die Stalinorgel auf dem Katalogtitel. "Bekämpfen Sie Büro-Ärger mit echt fliegenden Raketen", wird das Mordinstrument beworben. Nun ist Büro-Ärger zum Glück selten, aber der Preis von 19,90 Euro für eine Abschussrampe mit drei Flugkörpern klang verlockend. Zudem ersparte ich mir umfangreiche Recherchen im illegalen Waffenmilieu.
Kein Abschuss ohne Admin-Rechte
Als das Paket ankam hielt ich es trotz der Neugier meines Kollegen ("Von Pearl - was ist da drin?") zunächst versteckt. Ich wollte ihm am nächsten Morgen eine volle Breitseite mit den Schaumstoffraketen verpassen. Deshalb bin ich extra früher zur Arbeit, um den Missile-Launcher (Originaltitel) zu installieren.
Leider führt keine Software an unserer hauseigenen IT-Abteilung vorbei. Die Installation schlug fehl, weil ich keine Administratoren-Rechte besitze. Eigentlich löblich, dass die Hersteller verhindern wollen, dass derartiges Spielzeug auf Firmenrechnern installiert wird. Nur hatte ich ein Problem - der Kollege kam bald und ich stand ohne einsatzbereiten Raketenwerfer da. Zum Glück fiel es mir leicht, den IT-Mitarbeiter von der Notwendigkeit der Installation zu überzeugen: Ich murmelte etwas von Testgerät und der freundliche Kollege wünschte mir zum Abschluss viel Spaß.
Nach dem obligatorischen Neustart (ich verstehe ja, dass Raketenwerfer komplizierte technische Geräte sind, aber warum immer ein Neustart?) war die Abschussrampe einsatzbereit. Mit dem beeindruckenden Programm lässt sich der Werfer leichtgängig manövrieren.
Der USB-Raketenwerfer feuert drei Flugkörper ab - Ersatzraketen ...   Der USB-Raketenwerfer feuert drei Flugkörper ab - Ersatzraketen kosten 3,90 Euro die Batterie
Rakete mit der Maus
Die Abschussrampe ist um 180 Grad drehbar und der Winkel lässt sich um 45 Grad verstellen. Laut Beschreibung sollten die Flugkörper eine Reichweite bis zu vier Metern haben, so wäre mein Kollege, der mir in einer Entfernung von 2,50 Metern gegenübersitzt, ein leichtes Ziel.
Mit der Maus manövrierte ich also die Raketen in Zielposition, wobei der grüne Radarschirm keine wirkliche Hilfe war. Leider hatte der Hersteller zu viel versprochen: Beim Abschuss flogen die Raketen nur rund drei Meter weit und verfehlten ihr Ziel. Leider macht die Rampe auch ziemlich laute Geräusche, so dass die potenziellen Opfer vorgewarnt werden. Andererseits lässt der Sound des Geräts echtes Militärgefühl aufkommen. Ich kam mir vor wie ein General am Drücker.
Gewalt ist eine Lösung
Und ich spielte meine Machtposition aus. Die anderen Kollegen in meinem Büro bekamen meine Durchschlagskraft bei jedem falschen Wort zu spüren, zum Glück habe ich eine strategisch günstige Position in unserem Arbeitszimmer. Und tatsächlich waren die Mitarbeiter auf einmal alle freundlich zu mir. Selbst die Kollegin mit der schlechten Laune konnte ein gezielter Schuss mit anschließendem Wortgefecht aufheitern.
Seitdem hat sich meine Einstellung zur Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung etwas gewandelt. Tatsächlich kann Büro-Ärger auch ohne Mediation gelöst werden. Nach Hause nehme ich das Gerät aber nicht mit. Ich will nicht, dass mein Sohn mit Killerspielen konfrontiert wird.
P.S.: Nur fürs Protokoll: Ja, ich habe an diesem Tag auch noch gearbeitet...
  • FTD.de, 19.01.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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