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Merken   Drucken   20.03.2008, 14:00 Schriftgröße: AAA

Schöne neue Technikwelt: Mein Leben mit einer Universalfernbedienung

Es gibt Testobjekte, die haben einen direkten Bezug zum eigenen Leben. Eine Universalfernbedienung gehört in meinem Fall eindeutig dazu. Schließlich habe ich in den vergangenen Jahren allzu häufig von meiner Frau gehört: "Mit welcher Deiner tausend Fernbedienungen kann ich jetzt nun fernsehen?" von Sven Schirmer (Hamburg)
Nun gut, meine Frau hat es nicht leicht in einem Haushalt, in dem zum Fernsehen nicht nur der Fernseher angeschaltet werden muss, sondern gleichzeitig die Settopbox für digitales Kabelfernsehen (DVB-C) und der AV-Receiver für den Sound.
Natürlich könnte sie nur den Fernseher nutzen, aber das Bild unseres Panasonic Plasma-Flachbildschirms sieht einfach besser aus, wenn es von einer digitalen Quelle und nicht direkt aus der Analog-Box in der Wand gespeist wird. Und warum auf Dolby 5.1 verzichten, wenn man es doch rauskitzeln kann? Hinzu kommt ein weiteres Gerät im elektronischen Sofaverbund: der DVD-Player. Die Playstation 3 lasse ich mal aus, da hier der Einsatz einer Universalfernbedienung keinen Sinn macht.
Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass auch mich die Batterie an Fernbedienungen zunehmend nervt und ich schon häufig mit dem Gedanken gespielt habe, eine dieser Universal-Lösungen anzuschaffen. Doch da ich vor sehr vielen Jahren mal einen Versuch mit einer All-in-one-Fernbedienung des Elektronikversands Conrad gestartet habe, der mehr als unbefriedigend war, hielt sich die Bereitschaft in Grenzen. Da passt es, dass dieser Tage die Harmony 1000 Advanced Universal Remote als Testgerät in der Redaktion eingetroffen ist.
Edle Optik
Die Harmony 1000 ist das Flaggschiff unter den universalen Fernbedienungen aus dem Hause Logitech und fällt sofort durch die ungewöhnliche Form auf. Sie ist nicht – wie bei Fernbedienungen üblich – langgezogen und mit einer Vielzahl von Tasten versehen, sondern ist quadratisch, mit wenig Tasten, hat aber einen 9 cm großen Touchscreen. Zusätzlich zu der gebürsteten Edelstahloberfläche und den knackigen Metallknöpfen macht das Gerät so einen sehr edlen Eindruck.
Doch nicht die schöne Optik macht eine gute Universalfernbedienung aus. Sie soll in erster Linie leicht zu programmieren sein und hohen Komfort beim anschließenden Einsatz bieten. Ohne zuviel vorweg zu nehmen: die Harmony 1000 weiß in beiden Kategorien zu punkten.
Die Programmierung läuft über den heimischen Computer. Die mitgelieferte Harmony Remote Software hilft in einzelnen Schritten bei der Einrichtung des via USB angeschlossenen Gerätes. Vorher allerdings alle Typenbezeichnungen der Geräte besorgen, die es mit der Harmony zu bedienen gilt. Das waren bei mir ein Panasonic Fernseher, ein Sony-AV-Receiver, eine Humax-HD-Settopbox zum Empfang von DVB-C, bzw. Premiere und ein DVD-Player von Pioneer. Sowohl Receiver als auch DVD-Player haben schon einige Jahre auf dem Buckel, so dass ich erfreut war, sie wirklich unter den beworbenen "über 200.000 kompatiblen IR-Geräten" zu finden.
Schritt-für-Schritt-Einrichtung
Nachdem die Geräte einmal erfasst sind, wird festgelegt, was für Aktivitäten mit der Harmony gesteuert werden sollen. Fernsehen, Filme sehen, Radio hören, aber auch so spezielle Anforderungen wie Bildschirmtext aufrufen, lassen sich als Shortcuts anlegen. Das System fragt den Nutzer bei der jeweiligen Einrichtung gezielt nach den gewünschten Geräten zum Ausführen der Aktion. So lege ich fest, dass zum Beispiel ein Druck auf "Fernsehen" meinen Flachbildschirm anschaltet und dort automatisch den HDMI-1-Kanal einstellt, der nötig zur Anzeige des Bildes der parallel startenden Settopbox ist. Zudem möchte ich das Programm nicht über die TV-Lautsprecher hören, sondern über den AB-Receiver (natürlich gleich mit dem passenden Kanal "Premiere").
Eine sie alle zu beherrschen: Harmony 1000   Eine sie alle zu beherrschen: Harmony 1000
Nach der Einrichtung und beim anstehenden ersten Test stellt sich für den Universalfernbedienungsneuling schnell ein Aha-Effekt ein. Es funktioniert wirklich! Ein Klick und wie von Geisterhand reagieren alle Geräte wie gewünscht. Auch der Wechsel von einer laufenden Aktion zur anderen, zum Beispiel von Fernsehen zu Radio, zaubert ein Schmunzeln ins Gesicht. TV und Settopbox schalten sich aus und der Receiver wechselt wie gewünscht zum Radioempfang. Klar, so sollte es auch sein - trotzdem klasse.
Nicht alles funktioniert
Was bei aller Begeisterung allerdings bleibt, ist die alte "Kritik" an Universalfernbedienungen, dass sich nicht alle gewünschten Funktionen eines Gerätes immer so ohne weiteres abbilden lassen. Logitech beteuert zwar (zu Recht), dass theoretisch alle Daten einer Ausgangsfernbedienung übertragbar sind, doch nicht immer scheint dies ganz problemlos. Bei mir ist es zum Beispiel der Fall, dass ich zwei Geräte über HDMI an den Fernseher angeschlossen habe, die Harmony in ihrem Setup jedoch nur einen HDMI-Eingang vergibt. So kommt es, dass leider nur der jeweils letzte aktive HDMI-Eingang aufgerufen wird und ich zuweilen nach der TV-Remote greifen muss, um den richtigen einzustellen. Aber mir wurde gesagt, es gäbe eine kostenlose Hotline, die bei kniffligen Problemen behilflich ist. Ich werde das bei Gelegenheit testen.
Unter dem Strich sind Universalfernbedienungen dieser Klasse eine interessante Alternative für alle, die - wie ich - genug vom Fernbedienungs-Chaos haben und mit den Billiglösungen vom Discounter unzufrieden sind. Ob es allerdings gleich die Harmony 1000 für 399 Euro sein muss, bleibt dahin gestellt. Logitech und ihre Mitbewerber bieten auch wesentlich günstigere Modelle an, die eine gleiche bis vergleichbare Funktionsvielfalt mitbringen.
Wem allerdings selbst bei solch leicht zugänglichen Systemen die Hürde der Programmierung zu hoch ist, der sollte von dieser Produktgruppe generell die Finger lassen. Denjenigen sei jedoch versichert, dass eine Universalfernbedienung, die von Haus aus automatisch alle Hunderttausende Endgeräte dieser Welt vorprogrammiert in sich trägt, noch sehr lange auf sich warten lassen wird. Meine Frau jedenfalls hat bereits das Go für den Kauf gegeben.
  • FTD.de, 20.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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