Markenwechsel: Bald steht BenQ statt Siemens auf den Handys des deutsch-taiwanischen Herstellers
"Es gibt Tarif-Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern, aber keine Verhandlungen und auch keine Entscheidung", sagte ein Konzernsprecher. Laut IG Metall aber soll eine Einigung nur noch eine Frage von Details sein.
Siemens hatte sich mit BenQ Anfang Juni auf einen Verkauf der defizitären Münchener Mobilfunksparte geeinigt, die bis zum 1. Oktober vollzogen sein soll. BenQ-Chef Lee Kuen-yao hatte nach der Einigung heftige Kostensenkungen angekündigt, um die Verluste der Handytochter abzubauen. Dazu gehört auch die Verlagerung eines Teils der Produktion nach Asien.
Insgesamt beschäftigt die Handy-Sparte rund 6000 Mitarbeiter. Für die 2000 Beschäftigten des Handywerks in Kamp-Lintfort gilt noch eine Beschäftigungsgarantie bis 2006, im Gegenzug hatten die Arbeitnehmer hier längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zugestimmt.
Siemens schlägt zwei Modelle vor
Über Details der jetzigen Abmachung für eine Auffanglösung werde zurzeit noch verhandelt, sagte der Leiter der Tarifpolitik der IG Metall, Oliver Burkhard, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ein Siemens-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. IG-Metall-Vertreter Burkhard zufolge soll Siemens nun zwei verschiedene Modelle angeboten haben, um die sozialen Folgen des Handy-Deals abzufedern.
Eines davon sehe eine neue Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft vor, die bei dem neuen Eigentümer BenQ angesiedelt wäre. Dabei wäre Siemens für Finanzierung und Organisation dieser Gesellschaft zuständig. Eine zweite Option sehe vor, dass Siemens-Beschäftigten aus Kamp-Lintfort ein neuer Arbeitsplatz in der Region Niederrhein angeboten werde. Ab Mitte August soll die Zukunft der Tarifverträge auch Gegenstand von Gesprächen mit BenQ sein.
Erst in der vergangenen Woche hatte Siemenschef Klaus Kleinfeld neue Sanierungsschritte für den Konzern angekündigt. Die IG Metall warnt daher vor weiteren großen Einschnitten. So sollen allein bei der IT-Tochter SBS 4000 der 16.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen.