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Merken   Drucken   21.09.2012, 11:23 Schriftgröße: AAA

Smartphone: Ärger über Kartendienst überschattet Start des iPhone 5

Apples neues Betriebssystem iOS 6 bringt die Nutzer in Rage: Anstelle von Google Maps will der IT-Konzern einen eigenen Kartendienst vermarkten - doch der steckt voller Probleme. Ortsnamen sind falsch, Bahnhöfe fehlen. Nutzer sprechen von Apples schlechtester Software, der Konzern bittet um Geduld.
© Bild: 2012 AFP/JUSTIN SULLIVAN
Apples neues Betriebssystem iOS 6 bringt die Nutzer in Rage: Anstelle von Google Maps will der IT-Konzern einen eigenen Kartendienst vermarkten - doch der steckt voller Probleme. Ortsnamen sind falsch, Bahnhöfe fehlen. Nutzer sprechen von Apples schlechtester Software, der Konzern bittet um Geduld.

Probleme mit der neuen Landkarten-App von Apple  drohen den Verkaufsstart des neuen iPhones zu überschatten. Apple-Kunden haben sich in Foren und sozialen Netzwerken scharenweise über falsche Ortsnamen, fehlende Bahnhöfe und schlechte Suchergebnisse beschwert.

Diese Art von Ärger ist ein seltenes Problem für Apple. Das teuerste börsennotierte Unternehmen der Welt steht sonst im Ruf, IT-Produkte benutzerfreundlicher zu machen.

Apple-Flaggschiff Das ist das neue iPhone 5

Apple wird von den Nutzern vorgeworfen, unternehmerische und wettbewerbsbezogene Strategien über das Interesse der Nutzer zu stellen, weil das Unternehmen Google Maps nicht mehr anbietet. Auf Apple-Mobilfunkgeräten, die unter dem aktuellen Betriebssystem iOS6 laufen, ist der Kartendienst von Google  nicht mehr verfügbar. Dieser Dienst ist seit Einführung des iPhones im Jahr 2007 eine der Standardfunktionen. Inzwischen sind Smartphones, die Googles Android-Betriebssystem benutzen, wie das Samsung  Galaxy S3, zum Hauptkonkurrenten des iPhone geworden. Die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen hat sich verschlechtert. Apple und Samsung überziehen einander mit Patentklagen.

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Auf dem neuen iPhone 5, das weltweit am Freitag in die Läden kommen soll, ist das Betriebssystem iOS6 bereits vorinstalliert. So viele Vorbestellungen wie für die aktuelle Generation hatte Apple noch nie.

Groß angekündigt hatte Apple vor allem den neuen 3-D-Kartendienst "Flyover" und die neu verfügbare Audionavigation, die es bei der Google-Maps-App für das iPhone bisher nicht gab. Doch viele iPhone- und iPad-Nutzer, die das seit Mittwoch kostenlos zur Verfügung gestellte iOS6 installierten, machten ihrem Frust im Internet Luft.

Kartendienste gelten als zentrale Funktion eines Smartphones, nachdem die Einführung von GPS-Satellitentechnologie bei modernen Handys dazu geführt hat, dass Navigations- und Karten-Apps wie Pilze aus dem Boden schossen. Es ist außerdem ein Gebiet, auf dem Apples Konkurrenten bislang die Nase vorn haben.

Der Technologieunternehmer Anil Dash schrieb in seinem Blog, Apple habe die strategischen Prioritäten des Unternehmens über das Interesse der Nutzer gestellt.

Apple bittet um Geduld

"Sie haben ihre Plattformdominanz ausgenutzt, um der eigenen App gegenüber einem Konkurrenzprodukt einen Vorteil zu verschaffen, auch wenn die Nutzer damit schlechter gestellt sind", schrieb er. "Grundlegende Kartenfunktionen wie das Suchen eines bestimmten Ortes oder Wegbeschreibungen sind erheblich schlechter als bei den Versionen von Google."

Apple verspricht den Kunden Verbesserungen und bittet um Geduld. Der Konzern arbeite permanent an Korrekturen, und "je mehr Menschen den Dienst nutzen, desto besser wird er", teilte eine Sprecherin dem US-Blog "All Things D" am späten Donnerstag mit.

Auch viele Nutzer bisheriger iPhone- und iPad-Modelle hatten seit Mittwochabend das Betriebssystem iOS 6 mit den neuen Karten installiert und zeigten sich erstaunt über den Fehltritt des sonst so auf Benutzerfreundlichkeit bedachten Konzerns. Die vielen Fehler wurden in Blogs wie "The Amazing iOS 6 Maps" gesammelt. Darunter waren gewellte 3D-Ansichten, falsch platzierte Ortschaften, Bahnstationen oder Restaurants sowie Fehler in Städtenamen.

Apple sei bewusst, dass die Karten ein großes Projekt seien, bei dem man erst am Anfang stehe, hieß es von Konzernseite. "Wir sind für alle Hinweise der Nutzer dankbar und arbeiten hart daran, das Nutzererlebnis noch besser zu machen" sagte eine Sprecherin. Apple hatte an dem Kartendienst mehrere Jahre gearbeitet und auch einige Spezialanbieter gekauft. Sie liefern unter anderem die groß angekündigten 3D-Ansichten von Städten in den neuen Karten - die beeindruckend aussehen, wenn sie nicht Anzeigefehlern zum Opfer fallen. Eine Kooperation mit dem Navi-Spezialisten TomTom  soll zudem für die Wegbeschreibungen sorgen.

Der Navigationsgerätehersteller sagte dem britischen Sender BBC, man habe lediglich die Grundlage für das Produkt gestellt. "Das Nutzererlebnis hängt von zusätzlichen Funktionen der Karten-App ab, zum Beispiel von der visuellen Darstellung", teilte Tomtom mit. Google Maps kann immer noch über den Internetbrowser aufgerufen werden. Der Internetriese hat aber noch keine App herausgebracht, um die von Apple ausgemusterte zu ersetzen.

"Steve Jobs hätte das nicht erlaubt"

"Die Maps-App ist die schlechteste Software, die Apple je auf den Markt gebracht hat", schrieb ein Nutzer in einem Apple-Supportforum. "Ich denke ernsthaft darüber nach, das iPhone 5 nicht zu kaufen, nur wegen dieser einen App - so leid es mir auch tut, das sagen zu müssen."

Ein anderer schrieb: "Meine Adresse gibt es noch in einer anderen Stadt, und der Kartendienst verortet sie in der falschen Stadt, ganz egal, welche Stadt oder welche Postleitzahl ich eingebe. Die Navigation ist nicht viel besser. Apple sollte sich schämen."

Ein Nutzer, der sich als langjähriger Apple-Kunde bezeichnete, sagte mit Blick auf den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs: "Ich glaube nicht, dass Euer früherer CEO erlaubt hätte, dass diese App in der jetzigen Form auf den Markt kommt."

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  • dpa, 21.09.2012
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