Smartphone-Markt:Google ruft mobiles Zeitalter aus
Bisher konzentrieren sich die Amerikaner auf Anwendungen für Personalcomputer. Die Zeiten sind vorbei, kündigt Google-Chef Schmidt jetzt an. Das ist nicht die einzige Neuerung.
von Arndt OhlerBarcelona
Google legt alle Kraft in die Entwicklung mobiler Anwendungen. "Die neue Richtlinie heißt: mobil an erster Stelle", sagte Eric Schmidt, der Chef des Suchmaschinenkonzerns, am Dienstagabend auf der Mobilfunkmesse in Barcelona.
"Unsere besten Programmierer arbeiten nun an mobilen Produkten" so der Manager weiter. Grund für den neuen Schwerpunkt sei das enorme Wachstumstempo bei Smartphones, also Telefonen mit Multimediafunktionen.
Das Wachstum beim Einsatz des Internets sei bei Handys mehrfach schneller, als dies bei Desktop-Computern in der Vergangenheit der Fall war. "Google profitiert von einer stärkeren Nutzung von breitbandigen Internetverbindungen sowohl über den Computer als auch über das Handy", sagte Schmidt.
Google-Chef Eric Schmidt setzt bei Android auf Flash
Um Googles Handy-Betriebssystem Android weiter voran zu bringen, stellte das Unternehmen drei Neuerungen vor. Die wichtigste ist dabei die Integration der Flash-Software von Adobe in Android.
Flash ist einer der dominierenden Standards zum Beispiel für Videos auf Webseiten. Durch die Integration können Android-Nutzer nun ohne Probleme Videos anschauen.
Konkurrent Apple lehnt den Einsatz von Flash in seinem eigenen Betriebssystem bislang ab. Die Software verursache häufig Fehler, heißt es bei Apple. Nutzer des iPhones stolpern beim Surfen im Internet daher immer wieder über kleine blaue Rechtecke, in den eigentlich auf Flash basierende Videos laufen.
Der Google-Chef mühte sich bei seinem Auftritt, Sorgen der Industrievertreter zu zerstreuen. Der Konzern wolle nicht in das Infrastrukturgeschäft einsteigen, sagte Schmidt.
Der Webkonzern hatte vor kurzem mit einer Ankündigung zu einem Glasfaserprojekt in Amerika für Aufruhr in der Branche gesorgt. Telekomfirmen fürchten, dass Google den Unternehmen beim Verkauf von Internetzugängen Geschäft streitig machen könnte.
Mobile World Congress
Die Handy-Highlights 2010
Auch in dem vollgepackten Saal in Barcelona mit mehreren Hundert Vertretern aus der Telekombranche gab es zahlreiche Fragen zu Googles Glasfaserprojekt. "Es geht darum, dass wir alle die Nutzung des Internet voranbringen", sagte der Manager. Allerdings sei es meist so, dass die Interessen nicht immer in die selbe Richtung liefen.
Dem Vorstoß von Telefónica-Chef César Alierta, wonach Google Gebühren für die Nutzung der Internet-Infrastruktur zahlen solle, erteilte Schmidt eine Abfuhr. Er verstehe die Idee hinter dieser Forderung überhaupt nicht, sagte Schmidt. "Applikationen, von denen einige auch von uns stammen, sorgen für ein steigendes Datenvolumen bei den Betreibern. Warum sollten wir sie dann bezahlen, wenn Sie dafür Geld von ihren Kunden verlangen?"
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