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Merken   Drucken   24.02.2012, 12:40 Schriftgröße: AAA

Smartphones: Die Erfolgsfaktoren der Handyunternehmen

Die Mobiltelefonbranche ist stark in Bewegung. Wer sich gegen die Konkurrenz durchsetzen will, muss fünf Punkte berücksichtigen. von Nora Schlüter, Arndt Ohler  und Annika Graf
Die Handybranche ist eine der dynamischsten der IT-Industrie. In schneller Folge kommen neue Produkte auf den Markt, die Wachstumschancen sind dank Smartphones enorm, ganze Märkte öffnen sich mit dem mobilen Internet. Um an der Spitze mitmischen zu können, muss ein Unternehmen vor allem fünf Erfolgsfaktoren beherrschen und aufeinander abstimmen können. FTD.de gibt einen Überblick.
Es gibt Patentstreitereien in der Welt der Smartphones, die wirken putzig: Da geht es um Schutzrechte an Smileys oder die Art und Weise, durch eine Fotogalerie zu blättern. Bereits im vergangenen Jahr hielten Samsung, Apple, HTC und andere Heere von Richtern und Anwälten mit solchen Verfahren in Atem. Auch im laufenden Jahr gilt: Alles, womit die Konkurrenz am Verkauf ihrer Produkte gehindert werden könnte, wird vor Gericht eingesetzt.
Doch dieses Jahr geht es auch um Grundsätzliches: darum, wie viel Geld Firmen für die Nutzung von Patenten zahlen müssen, die Teil eines Technologiestandards sind. Solche Patente beschreiben beispielsweise Funktionsweisen des Mobilfunknetzes - und im Gegensatz zu Smileys ist ein Handy ohne sie nicht zu gebrauchen.
Motorola und Samsung setzen solche Schutzrechte derzeit ein, um Apples Produkte aus den Ladenregalen zu klagen. Zwar haben sie den Standardisierungsgremien versprochen, die Patente zu fairen und vernünftigen Bedingungen zu lizenzieren. Dieses Abkommen ist die Grundlage dafür, dass sich Standards bilden und nicht jeder an einer proprietären Lösung bastelt.
Doch was Samsung und Motorola für vernünftig halten, hält Apple für absurd: eine Umsatzbeteiligung von mehr als zwei Prozent an jedem Gerät, das die Technologien der beiden Kläger nutzt. In Apples Fall hätte Motorola 2011 rund 1 Mrd. Dollar kassiert.
Nun meutern Branchengrößen wie der Softwarekonzern Microsoft, der wegen Standards für Webvideos und drahtloses Internet selbst Ärger mit Motorola hat. Dass Google den Handyhersteller übernimmt, schürt die Furcht zusätzlich. Microsofts stellvertretender Chefjustiziar Dave Heiner jammert in einem Blogeintrag: "Google, bitte töte Videos im Web nicht!"
Google hat ausreichende Ressourcen, um zermürbende Prozesse über mehrere Instanzen zu führen. Und da sowohl Apple als auch Microsoft Googles Betriebssystem Android angreifen, dürfen sie nicht auf Gnade hoffen.
Die beiden Konzerne haben bei der EU-Kommission mittlerweile Beschwerde gegen Motorola eingelegt, eine kartellrechtliche Untersuchung gegen Samsung läuft bereits. "Wir sind uns des zunehmend strategischen Einsatzes von Patenten bewusst und sind wachsam", sagt Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Mancher in der Branche hofft, dass es bald klare Regeln gibt, die den schwammigen Ausdruck "fair und vernünftig" mit Inhalt füllen. Nora Schlüter
Gerade ein Jahr ist es her, da waren Handyprozessoren mit zwei Rechenkernen das neueste und schnellste, was die Smartphone-Welt zu bieten hatte. Alles Schnee von gestern: Zum diesjährigen Mobile World Congress werden die ersten Modelle vorgestellt, deren Rechenchips mit vier Kernen ausgestattet sind. Als heiße Kandidaten für das erste Quadcore-Smartphone gelten HTC und LG .
Die Anforderungen an die Geschwindigkeit des Prozessors steigen stetig. Hochauflösende Videos, Spiele, Fotobearbeitung - nichts soll noch ruckeln. Trotzdem darf die Akkuleistung nicht darunter leiden. Ein kniffeliges Problem, das die Hersteller gemeinsam mit Chipbauern wie Qualcomm , Texas Instruments  oder Nvidia  lösen müssen.
Galerie CES 2012 - Smartphones auf vier Rädern
Die einfachste Möglichkeit, einen Chip schneller zu machen, ist, die Taktrate zu erhöhen. Noch in diesem Jahr könnten Smartphone-Prozessoren die Marke von zwei Gigahertz knacken. Das entspricht zwei Milliarden Berechnungen pro Sekunde. Doch höhere Taktraten gehen in der Regel mit höherem Stromverbrauch einher.
So kommen Chips mit mehreren Kernen ins Spiel. Sie teilen die Arbeit untereinander auf und rechnen deshalb schneller. Wird ein Kern nicht gebraucht, schaltet er sich ab. So bleibt der Stromverbrauch im Rahmen. Allerdings muss die Software darauf ausgerichtet sein, mehrere Rechenkerne in Anspruch zu nehmen. Hier gibt es bei vielen Anwendungen Nachholbedarf.
Nvidia ist der erste Hersteller, der Quadcore-Prozessoren anbietet. Qualcomm wird folgen. Der Marktführer hat einen Vorteil gegenüber vielen Rivalen: Er stellt nicht nur Prozessoren her, sondern auch Funkchips, die für Mobilfunkverbindungen zuständig sind. Beim Smartphone-Prozessor Snapdragon vereint Qualcomm beide Technologien auf einem Stück Silizium. Das senkt den Stromverbrauch, da die Daten kürzere Wege zurücklegen. Branchenkenner sehen solche integrierten Chips als Modell der Zukunft.
Wem die Produkte auf dem Markt nicht gut genug sind, der kann eigene Prozessoren entwerfen - wie es Apple oder Samsung bereits machen. Oder er kann die Entwicklung von Intel testen, das dieses Jahr erstmals auf dem Markt für Smartphone-Chips mitmischt und beweisen muss, dass seine Prozessoren keine Stromfresser sind.
Bei Funkchips, wo Intel seit dem Kauf der Infineon -Sparte 2011 aktiv ist, ist LTE das große Thema. Die neue, schnelle Technologie zur Datenübertragung wird in teuren Smartphones zur Pflicht. Nora Schlüter
Das Betriebssystem ist zum entscheidenden Erfolgsfaktor für mobile Geräte geworden. Mit ihm und der dazugehörigen Erweiterung durch Apps steht und fällt die Bedienbarkeit der Smartphones und Tablets. Und es zeichnet sich mehr und mehr ein Duopol ab. Außer Google s Android und Apples iOS schaffte es zuletzt kein Anbieter, nennenswert zu wachsen.
Android setzte 2011 mithilfe seiner Hardwarepartner wie Samsung , HTC und Motorola  seinen Siegeszug fort und lief laut Daten des Marktforschers Gartner im vierten Quartal 2011 auf 50,9 Prozent aller verkauften Smartphones. Apples iOS beherrschte 23,8 Prozent des Marktes.
Die größten Verlierer sind Blackberry, das seinen Marktanteil von 8,8 Prozent nur noch wegen seiner Beliebtheit bei Unternehmen hält, und Nokias Betriebssystem Symbian, das die Finnen zugunsten von Microsoft s Windows Phone 7 gerade sang- und klanglos untergehen lassen.
Doch auch der Erfolg der Nokia-Microsoft-Allianz lässt immer noch auf sich warten. Erst zum Jahreswechsel kamen die ersten gemeinsamen Geräte in den Handel - und so ist es kein Wunder, dass sich der Marktanteil von Microsoft verringert hat. Marktforscher wie Gartner und IDC halten derzeit noch an ihren Prognosen fest, wonach Microsoft mithilfe von Nokia bis 2015 das dritte große Ökosystem stellen wird.
Lumia 800 Das ist Nokias Comeback-Smartphone
Die Chancen sinken allerdings, je länger nennenswerte Erfolge ausbleiben. Das liegt nicht nur an den neuen Versionen von Android und iOS, die 2011 auf den Markt kamen. App-Entwickler konzentrieren sich nach wie vor auf die App-Stores von Google und Apple, und je länger beide den Markt beherrschen, desto mehr zementieren sie ihre Position. Das Problem: Je weniger Kunden ein Betriebssystem anzieht, desto uninteressanter wird es für App-Entwickler und damit wieder für die Kunden. Ein Teufelskreis. Denn je mehr kostenpflichtige Angebote sich ein Nutzer für ein System zieht, desto treuer bleibt er ihm.
Insofern werden sich auch die anderen Systeme weiter unter dem Radar bewegen. Nur große Hersteller wie Samsung können es sich leisten, mehrgleisig zu fahren. Samsung hält an Bada fest und unterstützt neuerdings die Überbleibsel von Meego - das vor zwei Jahren aus der Allianz von Intel  und Nokia  entstanden ist. Mozilla will auf dem Mobile World Congress einen Android-Konkurrenten namens Boot to Gecko vorstellen. Dass der allerdings Bewegung in den Markt bringt, ist fraglich. Annika Graf
Auf Apples Website läuft seit einigen Tagen wieder der Zähler. In rasender Geschwindigkeit geht es auf den nächsten Meilenstein zu: 25.000.000.000. So viele Zusatzprogramme haben Besitzer von iPhones und iPads bald online heruntergeladen, seit der App Store 2008 gestartet ist. Bei Googles Android Market sind es über elf Milliarden Apps.
Spiele, Lernprogramme, Kalender oder Fitnessprogramme sind der Schmierstoff für die Handybetriebssysteme. Je mehr Auswahl unterschiedlicher Programme, desto größer die Attraktivität der jeweiligen Plattform. Die regelmäßige Prahlerei von Google, Apple oder Microsoft, wer im eigenen Onlineshop mehr Apps bereitstellt und wessen Angebot am schnellsten wächst, hat nur einen Sinn: Es soll Kunden und Entwicklern signalisieren, wer attraktiver ist.
Darüber hinaus geht es um Geld, viel Geld. Rund 4 Mrd. Dollar hat Apple mittlerweile an App-Entwickler ausgezahlt. Um die Handybetriebssysteme Android, iOS und Windows Phone 7 ist eine Industrie kleiner Entwicklungsstudios entstanden, und auch Videospielehersteller verdienen kräftig über die Handyplattformen. Zahlreiche Anbieter wie Rovio, die Macher des Spiels "Angrybird" sind zu Stars der Szene aufgestiegen und selbst Hunderte Millionen wert.
Der Siegeszug der Smartphones und Tablet-Rechner sorgt dafür, dass Unternehmen zunehmend professionelle Anwendungen zum Beispiel für ihren Außendienst einsetzen. Geschäftskunden sind damit ein Wachstumsbereich in dem bislang von Unterhaltungs-Apps geprägten Markt.
Die Zersplitterung auf die verschiedenen Betriebssysteme sorgt jedoch für Probleme. Jedes Programm muss mindestens in drei verschiedenen Versionen programmiert werden. Die Anbieter müssen zudem beachten, dass zahlreiche verschiedene Android-Versionen im Markt sind, was zusätzliche Anpassungen erfordert.
Um diese Mühe künftig zu sparen und um die Abgaben an App-Store-Betreiber zu umgehen, beginnen Anbieter, ihre Apps in der Sprache HTML5 zu erstellen. Der Code erlaubt relativ komplexe Anwendungen, die jedoch in jedem modernen Internetbrowser laufen und damit plattformunabhängig sind. Arndt Ohler
Apple  hat mit Foxconn  das große Los gezogen. Der taiwanische Auftragsfertiger ermöglicht es, iPhones und iPads in großen Mengen und schwindelerregendem Tempo auf den Markt zu bringen. Zügig und servil setzt er jeden Wunsch des wichtigsten Kunden um. Apple verzichtet im Gegenzug vollständig auf eigene Fabriken, auf die damit verbundenen Kosten und den Mangel an Flexibilität.
Ein Erfolgsmodell. Dennoch ist Apple der einzige Konzern, der ganz auf Auftragsfertigung setzt. Dass andere dies noch nicht machen, hat nichts mit den Imageproblemen zu tun, die Arbeitsunfälle und Selbsttötungen bei Foxconn Apple eingebracht haben. Fast alle großen Techkonzerne sind Kunden Foxconns. Der Grund ist, dass viele Handyhersteller das Geschäft mit hochpreisigen Smartphones in eigener Hand behalten wollen.
Kursinformationen und Charts
  Apple 447,135 EUR  [-4.811 -1,06%
  Foxconn 3,2 HKD  [-0.08 -2,44%
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Auftragsfertigung ist überall dort auf dem Vormarsch, wo Produkte zur Massenware werden - etwa bei PC und Fernsehern. Bei Smartphones ist dieser Punkt noch nicht erreicht. Konzerne wie der Blackberry-Hersteller Research In Motion  oder Nokia  wägen daher ab, wann sich die Kostenersparnis durch Auftragsfertigung lohnt - und wann eigene Produktion vorteilhafter ist.
Außerdem verfügt nicht jeder Auftragsfertiger über die Expertise, die Apples ergebenen Helfer Foxconn auszeichnet. Bisher sind es vor allem simple Handys, die in chinesischen Fabriken gebaut werden. Wer Ahnung von der Technologie hat, will oft ein größeres Stück vom Kuchen.
Frühestes Beispiel hierfür ist HTC , dem der Sprung vom anonymen Schrauber zum Markenhersteller gelungen ist. Jüngst schicken sich Huawei und ZTE  an, in Europa und den Vereinigten Staaten das Gleiche zu erreichen. Was die drei Konzerne eint: Sie haben bereits als Auftragsfertiger das gesamte Entwicklung des Telefons für ihre Kunden übernommen.
Der koreanische Konzern Samsung, Apples schärfster Konkurrent, hat mit Auftragsfertigung übrigens nichts am Hut. Selbst Notebooks baut er in eigenen Fabriken zusammen - eine Ausnahmeerscheinung. Die unterschiedlichen Erfolgsmodelle zeigen: Noch ist Innovation in der Welt der Smartphones wichtiger als die billigste Herstellung. Nora Schlüter
  • FTD.de, 24.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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16:18:47 Aktuelle Börsewerte
Name aktuell   
Microsoft 23,223 EUR   +0,72% 
Apple 447,135 EUR   -1,06% 
Google 471,554 EUR   -1,48% 
Intel 20,481 EUR   +0,19% 
Advanced Micro Devices 6,22 USD   +3,32% 
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