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Merken   Drucken   13.12.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

Social Media: So wehren Sie sich gegen Spam bei Facebook

Immer mehr Nutzer sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter und Google+ werden mit unerwünschten Nebeneffekten von Social Media konfrontiert. Doch vor Spam, böswilligen Usern und gefälschten Profilen kann man sich schützen.
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Immer mehr Nutzer sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter und Google+ werden mit unerwünschten Nebeneffekten von Social Media konfrontiert. Doch vor Spam, böswilligen Usern und gefälschten Profilen kann man sich schützen.
von Benjamin Bockholdt

Im Internet und auf Social Media-Webseiten wimmelt es nur so von Störenfrieden. Wer bei Facebook, Twitter, Google+ oder in Blogs unterwegs ist, ist ihnen meist schon begegnet. Die meisten nerven lediglich, viele stehlen Zeit, manche können auch konkreten Schaden anrichten.

Wie kann man solche Störenfriede erkennen und wie schützen sich Betreiber vor ihnen? Der Großteil der User hat ein Interesse daran, dass die anderen Nutzer sich vernünftig verhalten, sie ihnen nichts Böses wollen und keine vergiftete Atmosphäre schaffen. Auch die Betreiber haben ein Interesse daran, Störenfriede aus ihrer Gemeinschaft auszusperren: Denn in Deutschland sind Betreiber von Homepages, Blogs und Foren haftbar für die Inhalte auf ihren Seiten.

Als Trolle bezeichnet man in der Netzkultur User, die immer wieder gezielt Diskussionen stören, andere Leute provozieren oder belanglose Sachen schreiben. So treiben sie die übrigen zur Weißglut und rufen Reaktionen hervor.

Auf diese Vorgehensweise wird häufig der Ursprung des Troll-Begriffs zurückgeführt: Im Englischen bezeichnet das Verb "to troll" eine Angeltechnik, bei der eine Schleppangel aus einem fahrenden Boot ausgeworfen wird - im übertragenen Sinne ködern Trolle also andere User mit ihren Provokationen.

Ihre Motivation ist vielseitig: Langeweile, die Gier nach Aufmerksamkeit, die Lust am Unruhe stiften oder simple Rache. Weil sie Reaktionen provozieren wollen, gilt im Umgang mit ihnen der Leitspruch: "Nicht die Trolle füttern." Andere User sollen sie also nicht beachten oder auf sie eingehen. In moderierten Foren besteht für die Betreiber zudem die Möglichkeit, Trolle technisch zumindest temporär zu sperren.

Eine ganz besondere Form gibt es bei Social Media-Seiten wie Twitter. Der Twitter-Troll folgt wahllos anderen Nutzern - aber nicht aus Interesse an deren Mitteilungen. Ihm geht es nur um eine große Zahl an Followern. Indem er anderen Usern folgt, erhofft er sich, dass sie auch ihm - quasi als Dankeschön - folgen. Folgt man nicht, "entfolgen" sie rasch wieder. Dreiste Twitter-Trolle tun das sogar, obwohl man ihnen folgt. Ein Indiz für einen Twitter-Troll ist, wenn bei einem User die "Follower"-Zahl und die "Following"-Zahl nahezu identisch und beide recht groß sind, also mindestens vierstellig.

Die vermeintliche Anonymität im Internet verführt dazu, sich auf Social Media- oder anderen Webseiten eine falsche Identität anzueignen. Zwei junge Männer beispielsweise hatten den Twitter-Account @ZDFonline registriert und berichteten vermeintlich aus der Redaktion. Erst zwei Jahre später kam heraus, dass sie gar nichts mit dem Sender zu tun hatten. Immerhin: Das ZDF belohnte ihren Fleiß und stellte das Duo ein. Gerade internationale Stars haben mit Doppelgängern zu kämpfen und während der Bundestagswahlen tauchen regelmäßig neue Angela Merkels und Frank-Walter Steinmeiers auf.

Um sich der Echtheit von Profilen zu vergewissern, helfen gesunder Menschenverstand und einige Symbole. Google+ und Twitter kennzeichnen die Profile internationaler Stars mit einem Häkchen in einem grauen oder blauen Kästchen, das neben dem Benutzernamen erscheint. Im Falle Twitters betrifft dies jedoch nur Promis, mit denen der Onlinedienst schon einmal Kontakt aufnahm. Allerdings bietet nicht jedes Social Media-Netzwerk die Möglichkeit, die Echtheit von Personen zu bestätigen - abgesehen davon, dass einige Promis nicht als solche ausgewiesen werden. In diesen Fällen ist es hilfreich, auf der offiziellen Homepage der Person, Agentur, Partei oder Band nachzuschauen, ob dort auf offizielle Profile in Sachen Social Media verwiesen wird.

Ungleich schwerer wird es, wenn etwa Männer sich als aufreizende Frauen ausgeben. Häufig erkennt man über die Kommentarfunktion, dass andere User hier ein Fake-Profil erkennen - beispielsweise aufgrund eines verdächtigen Fotos oder von obszönen Angaben im Profil. Oft hilft auch ein wenig Verstand und die Frage: Warum wendet sich die unbekannte Schöne so vertrauensvoll an mich?

Lügengeschichten gibt es seit Menschengedenken. Auch im Internet finden sich entsprechend fiktive Nachrichten, die als "Hoax" bezeichnet werden. Ursprünglich wurden sie per E-Mail verschickt, doch finden sie mittlerweile in Social Media-Netzwerken einen fruchtbaren Nährboden .

Die Geschichten können dramatisch und beunruhigend sein, damit niemand guten Gewissens die Nachricht in den Papierkorb verschiebt. Zu den bekanntesten gehört die Geschichte um eine angeblich an Leukämie erkrankte junge Frau, die unbedingt eine Knochenmarkspende benötigt. Die Adressaten sollen diese Nachricht weiterleiten und sich melden, wenn sie passende Blutgruppen besitzen. Diese Nachricht ist ebenso ausgedacht wie die Warnung vor einem neuen Betäubungsmittel: Diese Droge werde von Vergewaltigern eingesetzt, die damit Visitenkarten bestreichen und diese jungen Frauen geben - das Mittel werde sofort durch die Haut aufgenommen.

Es ist leicht, Geschichten dem Reich der Mythen zuordnen: Meistens reicht es, einzelne Sätze eines Hoaxes in die Maske einer Suchmaschine zu kopieren und die Ergebnisse zu sichten. Häufig diskutieren User vielerorts über die Echtheit der verschiedenen Meldungen - nicht zuletzt deshalb, weil einige Hoaxes seit längerem durch das Internet geistern.

Viagra aus Asien, eine Rolex zum Spottpreis oder Onlinepoker-Guthaben: Tag für Tag landet solch unerwünschter Spam in den E-Mailpostfächern. Doch auch in Social Media-Netzwerken finden sich mittlerweile vermehrt solche aufdringlichen Werbebotschaften.

So gibt es bei Facebook eine besondere Art von Spam, die sich selbst reproduzieren kann: In den Statusmeldungen tauchen dubiose Links zu vermeintlich spektakulären Videos auf, häufig mit dem Zusatz "OMG" (Internetslang für "Oh mein Gott"). Wenn man den Link anklickt, wird ein Programm gestartet, das auf das eigene Facebook-Profil zugreifen und beispielsweise neue Statusmeldungen verfassen kann.

Gerade Diskussionsforen, Blogs oder Gästebücher haben mit Spambeiträgen zu kämpfen - oft werden die Texte nicht von Menschen, sondern von Programmen verschickt, sogenannten Spambots (Spam: unerwünschte Nachricht, Bot: Roboter). Um dem Spam Einhalt zu gebieten, haben viele Foren eine Zeitsperre: Beispielsweise kann ein User nur alle 40 Sekunden einen Beitrag verfassen.

Auch eine Abfrage soll gewährleisten, dass vor dem Monitor tatsächlich ein Mensch sitzt. Bevor ein Text abgeschickt oder eine Aktion ausgeführt wird, muss eine Zahlen-, Buchstaben- und Wortkombination eingegeben werden, die in einer Bilddatei versteckt ist. Vereinzelt muss der User sogar Rechenaufgaben lösen. Diese "Captchas" können von Bots schwer ausgelesen werden, doch tun sich bisweilen auch menschliche Nutzer schwer damit. Findige Unternehmer haben einen Weg gefunden, dennoch ihre Botschaften zu verteilen: In China und Indien beschäftigen manche von ihnen Mitarbeiter, die den ganzen Tag über nichts anderes tun, als Captchas zu lösen und Meldungen zu versenden.

  • FTD.de, 13.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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