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  FTD-Serie: Tod eines Visionärs

Steve Jobs erlag seinem Krebsleiden. Weltweit wird er als Genie, großer Erfinder, innovativer Geist und außergewöhnlicher Mensch gewürdigt. FTD.de berichtet in einer Serie über das Leben und Werk des Unternehmers - und wie es mit Apple weitergehen könnte.

Merken   Drucken   06.10.2011, 16:11 Schriftgröße: AAA

Strategien, Manager, Produkte: Ein Blick auf Apples Zukunft nach der Ära Jobs

In den vergangenen Jahren war Apple immer etwas Besonderes - Geräte und Geschäftsmodelle setzten Standards. Nach dem Tod von Steve Jobs muss das Unternehmen einige Schwierigkeiten  meistern. Eine Bestandsaufnahme.
© Bild: 2011 AFP/KEVORK DJANSEZIAN
In den vergangenen Jahren war Apple immer etwas Besonderes - Geräte und Geschäftsmodelle setzten Standards. Nach dem Tod von Steve Jobs muss das Unternehmen einige Schwierigkeiten meistern. Eine Bestandsaufnahme. von Annette Berger 
Der Tod des seit langem schwerkranken Steve Jobs kam nicht überraschend. Der Erfinder und Manager tat vieles dafür, Apple  auf die Zeit ohne ihn vorzubereiten. Deshalb meinen Beobachter: Der Konzern wird weiterlaufen. Die Frage ist nur: Reicht "weiterlaufen" aus? Wird Apple einer von vielen Anbietern der Branche und rutscht ins Mittelmaß ab? Oder hat Jobs es geschafft, dem Konzern seinen Geist einzuhauchen und damit, "das Genie in der Unternehmens-DNA festzuschreiben"?
FTD.de wagt einen Blick in die Zukunft.
Zumindest die Erfahrung der jüngeren Vergangenheit lehrt, dass das Unternehmen auch ohne Jobs läuft. Denn er war in den vergangenen Jahren immer wieder für längere Zeit krank und zog sich Monate vor seinem Tod völlig aus dem operativen Geschäft zurück.
Als der 56-Jährige Ende August diesen Schritt ging, flammte sofort eine Diskussion darüber auf, was wohl seine wichtigste Erfindung gewesen sei. Das iPhone, das die Mobilfunk-Branche umkrempelte und Apples Geldmaschine ist? Das iPad-Tablet, das gerade die Art verändert, wie wir mit Computern umgehen? Nein, sagten damals einige Experten: Jobs' größte Erfindung ist Apple selbst, die einzigartige Firma, die all diese Geräte entworfen, gebaut und zum Erfolg gebracht hat.
Mit seinem Nachfolger Tim Cook scheint Jobs eine Führungspersönlichkeit gefunden zu haben, mit der Apple weiter erfolgreich bleiben kann. Das Unternehmen laufe, so heißt es, wie eine effiziente Maschine, die scheinbar mühelos großartige Geräte hervorbringen kann.
Beileidsworte Promis huldigen Steve Jobs
Allerdings: Cook bewies zwar in den vergangenen Jahren, dass er als Manager einen phänomenal effizienten Betrieb aufbauen kann. Als Visionär vom Kaliber eines Steve Jobs trat er aber nie in Erscheinung. Die Zukunft muss also zeigen, ob "effizient" ausreicht, um weiter legendäre Erfolge zu feiern wie unter Jobs.
Aktuell - also lange nachdem der Unternehmenslenker an Krebs erkrankte -, ist der Konzern aus Cupertino so erfolgreich wie nie zuvor. Zum kompletten Bild gehört aber auch, dass das Jobs-Imperium immer wieder Anlass zur Kritik gab, wenn beispielsweise die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Apple-Geräte bei chinesischen Unternehmen in die Schlagzeilen gerieten.
Bei allem geschäftlichen Erfolg bleiben Zweifel. Schließlich war es immer Steve Jobs, der das letzte Wort hatte. Bei großen strategischen Entscheidungen, aber auch bei solchen, die in einer anderen Firma vielleicht gar nicht erst beim Konzernchef angekommen wären, etwa ob ein Schalter beim iPad die Lautlos-Taste sein oder die Bildschirm-Ausrichtung fixieren soll. Google-Manager Vic Gundotra etwa erzählte einmal, wie Jobs ihn einmal an einem Sonntag anrief, weil ihm der Gelb-Ton in einem Programm-Icon nicht gefiel.
Über Machtfragen wurde nie gestritten
Auch dank der dominierenden Rolle des manchmal als diktatorisch kritisierten Jobs kam Apple ohne die üblichen Grabenkämpfe aus, die andere Unternehmen erleben. Gut möglich, dass solche Scharmützel nun ausbrechen.
Jobs war der Mann für alles - vom Design bis zum kleinsten technischen Detail. Seine Nachfolger an der Apple-Spitze hingegen sind eher Spezialisten für ihre eigenen Bereiche. Auch wenn Apple ein erfolgreiches Unternehmen bleiben werde, "die Wahrheit ist, dass Steve Jobs unersetzlich ist", resümierte das Apple-Blog "Cult of Mac".
Die Branche wandelt sich schnell. Das ist vor allem bei Handys der Fall. Bei den Smartphone-Plattformen hat das Google -Betriebssystem fest die Spitzenposition übernommen. Ausgerechnet in den USA - also in Apples Heimatland - wird Android immer beliebter.
Zur Premiere im Jahr 2007 konnte Jobs mit Recht behaupten, mit dem iPhone der Handy-Konkurrenz um Jahre voraus zu sein. Heute aber gibt es zahlreiche Geräte wie Samsungs Galaxy S II, die technisch, beim Design und auch bei der Software mindestens mithalten können.
Dass sich Apple bedrängt fühlt, lässt sich daran ablesen, dass der Konzern offenkundig erstmals ein preiswerteres Telefon plant, um das Geschäft in Ländern wie China oder Indien anzukurbeln. Konzernchef Cook muss verhindern, dass Apple zu einem Nischenanbieter teurer Smartphones wird.
Steve Jobs war ....

 

Steve Jobs war ....

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Kurz vor Jobs' Tod präsentierte Cook die neue Version seines Verkaufsschlagers - die hohen Erwartungen blieben unerfüllt. Das Modell 4S ist nahezu identisch mit dem mehr als ein Jahr alten Vorgänger, maulten Beobachter. Fans und Anleger hatten beim neuen iPhone auf umfassendere Neuerungen wie ein neues Design, ein dünneres Gerät und einen größeren Bildschirm gehofft.
Konkurrenten wittern seit eingiger Zeit Morgenluft. Sie malen sich Chancen aus, im wichtigen Weihnachtsgeschäft Apple Marktanteile abzujagen. Daher legte die Aktien von Konkurrenten wie Samsung , Nokia  und Google mit seinem Android-Betriebssystem am Mittwoch zu, während das Apple-Papier nach der Präsentation deutlich nachgab. Mit dem iPhone macht der Konzern mehr als 40 Prozent seines Umsatzes.
Die größte Herausforderung für den neuen Chef sind jedoch die Cloud-Dienste. Bislang betreibt Apple Mobile Me. Dieses Angebot sorgt dafür, dass Daten wie Kontakte oder Kalendereinträge zentral auf Apples Servern gespeichert sind und auf allen Geräten eines Kunden wie iPhone, Mac oder iPad über das Web synchronisiert werden. 2008 mit enormen Schwierigkeiten gestartet, stottert der Dienst immer wieder.
Angesichts der steigenden Zahl mobiler Endgeräte sind Cloud-Angebote für Nutzer ein Argument, sich für oder gegen ein System zu entscheiden. Google und Microsoft  bieten ähnliche Angebote kostenfrei an. Apple kontert ab diesem Herbst mit dem kostenlosen Service iCloud.
Manches Projekt läuft schwach
Abseits der Handy- und Computerproduktion wird Cook sich um zwei schwächelnde Projekte kümmern müssen: iAd und Ping. Während das Onlinemusiknetzwerk Ping wirtschaftlich kaum Gewicht hat, ist die Handywerbeplattform iAd bedeutsam. Immer mehr Menschen surfen per Handy im Web und nutzen Zusatzprogramme (Apps). Über iAd kann Apple Werbung in Apps einspielen. Analysten sehen einen Milliardenmarkt. Apple kommt hier, im Gegensatz zu Google, kaum voran.
Nach dem Tod von Steve Jobs müssen die von ihm zusammengestellten Top-Manager die Verantwortung für Apple übernehmen. Im Gegensatz zum Alleskönner Jobs sind sie vor allem Spezialisten für ihre Fachbereiche:
Da ist zunächst Konzernchef Cook: Jobs holte den Computermanager 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs' kühne Visionen umsetzen kann. Im August übernahm der 50-jährige Cook permanent die Konzernführung. Dass die Branche zumindest Cook nicht misstraut, belegte die Reaktion der Apple-Aktie auf Steve Jobs' Tod. Zwar rutschte das Papier am Donnerstag kurz um 1,5 Prozent ab, notierte später aber nur noch mit einem Abschlag von 0,3 Prozent.
Ive soll wie Jobs ticken
Eine weitere Schlüsselfigur ist auch der britische Designer Jonathan "Jony" Ive. Er stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf.
Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsichheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac.
Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht, weil er ähnlich ticke wie der Apple-Gründer. Allerdings wurde zuletzt auch berichtet, der 44-Jährige habe aus privaten Gründen eine Rückkehr nach Großbritannien erwogen.
Der Manager Eddy Cue war lange für die iTunes-Plattform zuständig und bekam vor kurzem die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Online-Dienste übertragen. Damit ist der Chef über den iTunes Store, den App-Store, den Büchershop iBooks und auch den neuen Online-Speicherdienst iCloud. Das ist ein Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple - schließlich hat das Unternehmen selbst dafür gesorgt, dass Software wichtiger als die Geräte selbst wahrgenommen wird.
Der "Senior Vice President" Phil Schiller für Marketing durfte schon manche wichtige Produktpräsentation übernehmen - und zuletzt war er mit dabei, als das neue iPhone 4S vergestellt wurde. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Der quirlige Marketingchef musste bisher aber nur die Dinge verkaufen, die Jobs mit seinen Vertrauten entwickelte.
Und schließlich ist da Scott Forstall. Jobs brachte den Stanford-Absolventen 1997 von Next zu Apple mit. Der 42-jährige zählte zu den führenden Architekten des Computer-Betriebssystems Mac OS X. Heute verantwortet Forstall mit der iPhone-Softwareplattform iOS einen der wichtigsten Bereiche von Apple.
Auch nach Jobs' Tod wird die von ihm gegründete und zum Weltkonzern gewachsene Firma weiter wachsen - davon gehen zumindest viele Beobachter aus.
Jobs war zwar vielleicht derjenige, der die visionären Ideen hatte, der die Konzepte für neue Produkte vorantrieb, aber der Erfolg von Apple war nicht allein sein Werk. Und deshalb waren sich Analysten schon nach seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender Ende August sicher, dass Apple ohne Jobs nicht nur weiter bestehen, sondern in den nächsten Jahren sogar noch wachsen wird. "Die Leute von der Bank bei Apple sind extrem stark", sagte die Analystin Shannon Cross von Cross Research vor wenigen Wochen.
Kursinformationen und Charts
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Zudem seien das Streben nach Innovation und der Wille, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein, bei Apple zum Programm geworden. "Steve Jobs hat bei Apple eine Kultur der Innovation installiert", sagt Cross. Und auch Terry Connelly, Dekan an der Ageno School of Business in San Francisco, sieht alle Anzeichen dafür, dass es dem Konzern gelungen sei, "das Genie in der Unternehmens-DNA festzuschreiben". Wie lange das anhält und wie der neue Apple-Chef Cook mit dem Wettbewerbsdruck umgeht, wird man sehen. Denn der Konkurrenzkampf wird härter - vor allem durch Google mit seinem eigenen Betriebssystem für Smartphones und Tablet-PCs.
Geld beiseite legen kann Cook
Unter Cook konnte Apple schon in den vergangenen Jahren deutlich zulegen. Als er Jobs 2009 krankheitsbedingt vertrat, stieg der Aktienkurs von Apple um 62 Prozent. Und im vergangenen Quartal verkaufte Apple - ebenfalls unter Cook - 9,25 Millionen iPads und 20,3 Millionen iPhones - bei den iPhones lag die Zahl deutlich höher als von Analysten erwartet.
Durch Cooks Management häufte Apple zudem 72,6 Mrd. Dollar an flüssigen Mitteln und börsenfähigen Wertpapieren an - Geld, mit dem es seine Vormachtstellung bei tragbaren Elektronikgeräten festigen könnte. Und die dürften mit oder ohne Jobs beliebt bleiben, meint Michael Gartenberg, Analyst bei Gartner Research. Die Kunden kauften Apple-Produkte, weil sie von Apple seien - nicht wegen Steve Jobs.
Es gebe jetzt sicher eine Zeit des Übergangs, sagt Gartenberg. Das bedeute aber nicht, dass Apple sich grundlegend ändern werde oder müsse. Und Connelly verweist darauf, dass auch Firmen wie IBM , McDonald's  oder Ford  irgendwann ihren visionären Chef verloren haben. Und so sei auch Apple nicht notwendigerweise auf die Unsterblichkeit des Gründers angewiesen.
  • FTD.de, 06.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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