Zumindest die Erfahrung der jüngeren Vergangenheit lehrt, dass das Unternehmen auch ohne Jobs läuft. Denn er war in den vergangenen Jahren immer wieder für längere Zeit krank und zog sich Monate vor seinem Tod völlig aus dem operativen Geschäft zurück.
Als der 56-Jährige Ende August diesen Schritt ging, flammte sofort eine Diskussion darüber auf, was wohl seine wichtigste Erfindung gewesen sei. Das iPhone, das die Mobilfunk-Branche umkrempelte und Apples Geldmaschine ist? Das iPad-Tablet, das gerade die Art verändert, wie wir mit Computern umgehen? Nein, sagten damals einige Experten: Jobs' größte Erfindung ist Apple selbst, die einzigartige Firma, die all diese Geräte entworfen, gebaut und zum Erfolg gebracht hat.
Mit seinem Nachfolger Tim Cook scheint Jobs eine Führungspersönlichkeit gefunden zu haben, mit der Apple weiter erfolgreich bleiben kann. Das Unternehmen laufe, so heißt es, wie eine effiziente Maschine, die scheinbar mühelos großartige Geräte hervorbringen kann.
Beileidsworte
Promis huldigen Steve Jobs
Allerdings: Cook bewies zwar in den vergangenen Jahren, dass er als Manager einen phänomenal effizienten Betrieb aufbauen kann. Als Visionär vom Kaliber eines Steve Jobs trat er aber nie in Erscheinung. Die Zukunft muss also zeigen, ob "effizient" ausreicht, um weiter legendäre Erfolge zu feiern wie unter Jobs.
Aktuell - also lange nachdem der Unternehmenslenker an Krebs erkrankte -, ist der Konzern aus Cupertino so erfolgreich wie nie zuvor. Zum kompletten Bild gehört aber auch, dass das Jobs-Imperium immer wieder Anlass zur Kritik gab, wenn beispielsweise die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Apple-Geräte bei chinesischen Unternehmen in die Schlagzeilen gerieten.
Bei allem geschäftlichen Erfolg bleiben Zweifel. Schließlich war es immer Steve Jobs, der das letzte Wort hatte. Bei großen strategischen Entscheidungen, aber auch bei solchen, die in einer anderen Firma vielleicht gar nicht erst beim Konzernchef angekommen wären, etwa ob ein Schalter beim iPad die Lautlos-Taste sein oder die Bildschirm-Ausrichtung fixieren soll. Google-Manager Vic Gundotra etwa erzählte einmal, wie Jobs ihn einmal an einem Sonntag anrief, weil ihm der Gelb-Ton in einem Programm-Icon nicht gefiel.
Über Machtfragen wurde nie gestritten
Auch dank der dominierenden Rolle des manchmal als diktatorisch kritisierten Jobs kam Apple ohne die üblichen Grabenkämpfe aus, die andere Unternehmen erleben. Gut möglich, dass solche Scharmützel nun ausbrechen.
Jobs war der Mann für alles - vom Design bis zum kleinsten technischen Detail. Seine Nachfolger an der Apple-Spitze hingegen sind eher Spezialisten für ihre eigenen Bereiche. Auch wenn Apple ein erfolgreiches Unternehmen bleiben werde, "die Wahrheit ist, dass Steve Jobs unersetzlich ist", resümierte das Apple-Blog "Cult of Mac".