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Merken   Drucken   13.07.2009, 20:40 Schriftgröße: AAA

Streit um E-Books: US-Verlage sperren sich gegen Amazon

In den USA geht der Streit um preisgünstige elektronische Bücher in die nächste Runde. Sourcebooks, ein führender unabhängiger Verlag, hat angekündigt, Neuerscheinung vorerst nicht mehr sofort als E-Book beim weltgrößten Onlinehändler Amazon anzubieten.
von Andrea Rungg (Hamburg)

Der Verlag will ein populäres Jugendbuch erst nach einem halben Jahr als E-Book verkaufen, nachdem es bereits als gebundene Ausgabe auf dem Markt erschienen ist. "Es hat einfach keinen Sinn, ein neues Buch für nur 9,99 $ zu verkaufen", sagte Sourcebooks-Chefin Dominique Raccah. Der Verlag plant mit einer vergleichsweise hohen Auflage von 75.000 Stück.

Amerikanische Buchverlage beklagen bereits seit Langem den niedrigen E-Book-Preis von 9,99 $ bei Amazon . Anders als in Deutschland gibt es in den USA keine Buchpreisbindung, sodass Verlage die Verkaufspreise nicht festsetzen können. In Buchfilialen kostet eine gebundene Ausgabe eines Titels in der Regel zwischen 25 $ und 27 $. Die Verlage fürchten nun erhebliche Einbußen, wenn Verbraucher sofort das günstigere E-Book herunterladen, anstatt zur teuer produzierten gebundenen Ausgabe greifen.

E-Book-Umsatz in den USA   E-Book-Umsatz in den USA

Zudem beunruhigt die Verlage, dass sie durch Amazons Marktbeherrschung zusätzlich unter Druck geraten könnten, E-Books noch günstiger zu verkaufen. Denn Amazon verkauft neben E-Books auch das in Deutschland noch nicht erhältliche Lesegerät Kindle und bietet seit März dieses Jahres eine entsprechend genannte Software für das Apple -Handy iPhone an, das Kindle-Inhalte darstellen kann.

Wie viele Lesegeräte Amazon bisher verkauft hat, gibt der Konzern nicht bekannt. Branchenkenner schätzen allerdings, dass der Onlinehändler bis 2012 rund 2 Mrd. $ jährlich durch Kindle erlösen wird. Allerdings dürfte der Konzern zumindest mit den E-Books Verluste machen. Denn während der Konzern etwa Verlagen pro Buch der "New York-Times"-Bestsellerliste 12 $ bis 13 $ zahlt, verkauft er sie online für nur 9,99 $.

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Analysten vermuten daher, dass Amazon der niedrige Preis selbst zum Verhängnis werden und dadurch erst der Druck auf die Verlage zunehmen könnte. "Amazons E-Book-Preis ist unhaltbar niedrig für den Konzern und die Verlage", schreiben Claudio Aspesi und Jeffrey Lindsay, Analysten bei Sanford C. Bernstein, in ihrer jüngsten Studie. Sie prognostizieren einen Preisanstieg auf 12,50 $ pro E-Book. "Amazon wird die Strategie verfolgen, die Buchpreise künftig anzuheben und gleichzeitig die Verlage zu drängen, ihrerseits ihr Preismodell anzupassen", so die Analysten. Beide Parteien könnten so ihre Gewinnmargen erhöhen.

Die jüngsten Beschwerden der Verlage dürften auch nicht zuletzt von den negativen Erfahrungen der Musikindustrie befeuert werden. Die Plattenkonzerne mussten in der Vergangenheit einen ähnlichen Preiskampf mit dem Computer- hersteller Apple ausfechten. Apple hat für Jahre den Preis für Musiktitel bei 0,99 $ festgesetzt. Die Buchverlage wollen nun nicht das gleiche Schicksal hinnehmen.

Amazon verweigert einen Kommentar zum Streit mit den Verlagen. Seit Start des Kindles im November 2007 erleben digitale Bücher in den USA einen spürbaren Aufschwung. Nach Angaben der Vereinigung amerikanischer Verlage (APP) ist 2008 der Umsatz mit E-Books um 68 Prozent auf mehr als 113 Mio. $ angestiegen. Kein anderer Distributionskanal hat diese Zuwachsraten erzielt. Dennoch ist der Anteil am Gesamtumsatz von knapp 24,3 Mrd. $ relativ gering.

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  • Aus der FTD vom 14.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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