Vodafones Deutschlandchef Friedrich Joussen drohte am Mittwoch der Telekom, die Regulierungsbehörde einzuschalten, falls es keine Fortschritte bei den Verhandlungen um einen gemeinsamen Ausbau der schnellen Internetleitungen gebe.
"Wir würden gerne in eine eigene Netzinfrastruktur investieren, aber das können wir derzeit nicht", sagte Joussen in Düsseldorf.
Es sei zwar grundsätzlich längst geklärt, dass die
Telekom den Konkurrenten diesen Zugang eröffnen müsse. "Dafür fehlen aber immer noch die Preise", kritisierte Joussen. Wenn es nicht bald zu einer Vereinbarung über die Mitnutzung von Verteilerkästen und Kabelkanälen komme, werde
Vodafone dies "über die Regulierungsschiene vorantreiben", sagte der Manager.
Für die Telekom ist der Ausbau des VDSL-Netzes, das Geschwindigkeiten von maximal 50 Megabit je Sekunde erlaubt, eines der wichtigsten Projekte der kommenden Monate. Gleichzeitig aber wohl auch das teuerste. Experten schätzen, dass der bundesweite Ausbau etwa 50 Mrd. Euro kosten dürfte. Diese Investitionen möchte die Telekom nicht allein schultern und verhandelt daher mit einigen Unternehmen, über Konditionen für einen gemeinsamen Ausbau. Mit den Partnern Vodafone, Ewe Tel, M-Net und Netcologne laufen bereits Testprojekte.
Erst am Mittwoch hatten sich Vodafone und Deutsche Telekom zumindest auf die Zugangsbedingungen für die bestehenden Glasfaserleitungen der Telekom in 50 deutschen Städten geeinigt. Vodafone muss künftig je Kunde etwas weniger als 30 Euro zahlen, um Zugang zu den superschnellen Netzen zu erhalten. Wie es aus Kreisen der Deutschen Telekom hieß, verhandelt der Dax-Konzern darüber hinaus mit weiteren Interessenten wie United Internet. Joussen machte jedoch deutlich, dass er sich nicht mit dem VDSL-Großhandelsangebot der Telekom zufriedengeben will.
Für den weiteren Ausbau des Glasfasernetzes befindet sich die Telekom nach Angaben aus dem Management mit einem der vier Pilotpartner in engen Verhandlungen, um bis zum Herbst ein Modellprojekt zu entwickeln. Auf Grundlage dieses Modells sollen künftig weitere Kooperationen geschlossen werden. "Wir benötigen Standardlösungen", betonte Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme in München. Der Niederländer verantwortet bei dem Bonner Konzern das gesamte Deutschlandgeschäft.
Van Damme zeigte sich optimistisch, im hart umkämpften Markt für DSL-Internetanschlüsse den Marktanteil hoch halten zu können. So habe die Telekom in den vergangenen zehn Monaten jeweils einen Anteil von über 40 Prozent bei Neukunden erzielt, zuletzt sogar 48 Prozent. "Wir erwarten, für das ganze Jahr 2009 diese Zahlen zu erreichen", so van Damme in Bezug auf die 40 Prozent.
Die Telekom hatte sich lang schwergetan, gegen preisaggressive Konkurrenten wie etwa United Internet zu bestehen. Zudem erwartet der Manager, dass sich der Kundenschwund im Festnetzgeschäft verlangsamt. "Die Anschlussverluste gehen dieses Jahr langsam herunter. Das merken wir deutlich" , sagte er. Zahlen nannte er aber nicht.