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Merken   Drucken   30.01.2009, 14:00 Schriftgröße: AAA

techWorld: Mein Leben mit dem ersten Google-Handy

Das G1 kommt nach Deutschland. T-Mobile verkauft das erste Handy auf Basis des Google-Betriebssystems ab dem 2. Februar auch hierzulande. Ich konnte das Smartphone bereits unter die Lupe nehmen und war überrascht. von Sven Schirmer (Hamburg)
Ich kann es nicht mehr hören, das geflügelte Wort vom iPhone-Killer. Darum gleich vorweg und ohne Umschweife: das iPhone kann man nicht killen. Nicht weil es das beste Smartphone, Handy, Mobiltelefon der Welt ist, sondern weil es eine eigene Klasse für sich ist.
Es ist egal welches Gerät genauso viel oder mehr leistet, sich berühren lässt oder sich der Entwicklerwelt öffnet, um jede Menge nützlicher oder unnützer Programme zu adaptieren. Mit dem iPhone hat Apple es einfach geschafft, weniger ein perfektes Handy als vielmehr ein perfektes Statussymbol zu erschaffen. Einen Porschefan interessiert schließlich auch nicht, dass ein Lamborghini vielleicht ein wenig schneller fahren kann, ein Jaguar viel bequemer ist.
Aus diesem Grunde will ich anlässlich des Deutschlandstarts des ersten Google-Handys das G1 von T-Mobile auch nicht als möglichen iPhone-Nachfolger unter die Lupe nehmen. Dass sich bei einem Mobiltelefon mit Touchdisplay und sehr starker Online-Ausrichtung hier und da ein vergleichender Blick zum Design-Primus nicht vermeiden lässt, möge mir dennoch verziehen werden.
Im Herzen ein Android
Da das erste vom mächtigen Internetkonzern Google initiierte Mobiltelefon bereits Ende vergangenen Jahres in den USA eingeführt wurde und schon lange Zeit davor in Blogs und Foren ein großes Thema war, wurde schon viel über das G-Phone, wie es auch genannt wird, geschrieben. Daher nur soviel zum Hintergrund: das Herzstück des G1 ist das Android-Betriebssystem, dessen Code (im Gegensatz zu Windows Mobile oder MacOS Mobile) für alle frei zugänglich ist und so jedem Entwickler (aber auch kommerziellen Unternehmen) ermöglicht, eigene Variationen zu kreieren, Software zu programmieren und das alles ohne Lizenzkosten. Handyhersteller und Mobilfunkkonzerne wie in diesem Fall G1-Produzent HTC und T-Mobile können so ihre eigenen G-Phones auf den Markt bringen.
Doch trotz der Informationsfülle der vergangenen Monate hatte ich ein schwammiges Bild vom G1, wie ich feststellen musste. So erschien mir das Gerät seinerzeit auf den Bildern etwas sehr bieder und auch die Screenshots vom Betriebsystem konnten mich nicht wirklich begeisterten. Doch jetzt konnte ich es endlich selbst testen und musste einige meiner ersten Ferneindrücke revidieren – aber nicht alle.
Außen pfui
Rein äußerlich macht das rund 160 Gramm schwere G1 immer noch einen eher neutralen Eindruck. Es schreckt nicht ab, begeistert aber auch nicht. Wozu der leichte Knick am unteren Ende des Geräts dient, erschließt sich mir immer noch nicht. Angenehm ist hingegen die Mattierung des Gehäuses, die verhindert, dass sich Fingerabdrücke und Schmierflecken breit machen.
Dank des berührungsempfindlichen 3,2-Zoll-Displays kommt das Handy ohne viele Tasten aus, verzichtet aber nicht ganz darauf – und das ist in einem Fall auch gut so, aber dazu später mehr. Das Display lässt sich (an der Knickstelle) aufschieben und legt eine vollständige QWERTZ-Tastatur frei. Leider ist dieser Zustand auch der Einzige, bei dem sich die Anzeige ins Querformat dreht. Das ist sehr schade, da das G1 ja über einen Bewegungssensor verfügt, der dies auch beim Surfen mit eingeklappter Tastatur ermöglichen könnte.
Die Eckdaten des G1 lassen jedoch kaum Wünsche übrig: schnelles UMTS, Quadband-Netze, Wlan, 3 Megapixel-Kamera, Bewegungssensor und GPS führen die Ausstattungsliste an.
In den USA standen die Menschen Schlange, um am ersten Verkauftstag ...   In den USA standen die Menschen Schlange, um am ersten Verkauftstag ein G1 zu ergattern
Der Desktop
Beim ersten Einschalten öffnet sich eine sehr aufgeräumte Programmoberfläche. Lediglich eine analoge Uhr und einige Links zu Grundfunktionen wie Telefon, Google-Maps oder Browser begrüßen mich und ich fühle meinen ersten Ferneindruck bestätigt. Doch schnell wird mir klar, dass HTC oder T-Mobile oder Google oder auch alle zusammen sich einige der zentralen Funktionen des iPhones genauer angeschaut haben. Das ist keine Kritik, eher die Erleichterung, dass endlich nicht schlecht selbst gemacht, sondern gut geklaut wurde.
Vor allem der Umgang mit den Programmsymbolen erinnert nicht nur an das Apple-Handy, es fühlt sich jetzt auch so an. Selbst wenn sich alle installierten Programme hinter einem aufschiebbaren Menü verbergen, das zunächst nicht vergleichbar mit der MacOS Mobile Oberfläche ist, so lassen sie sich doch alle auf den Desktop verschieben. Dies geschieht ebenfalls auf die sehr vertraute Weise des "Drag and Drop".
So habe ich eine Fülle an Programmen im Menü und meine Lieblingsanwendungen im direkten Zugriff auf dem Startbildschirm. Dieser wiederum ist (ebenfalls vom iPhone bekannt) über den sichtbaren Bereich hinaus nach rechts und links erweiterbar. Endlich mal keine halbe Wahrheit, sondern eine erfolgreiche Kopie eines der besten Nutzungsprinzipien auf Mobiltelefonen.

Teil 2: Die Surfmaschine

  • FTD.de, 30.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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