DeTe-Medien-Chef Oliver Neuerbourg
Dort sollen Nutzer vor allem Auskünfte aus dem Ortsbereich, etwa zu Restaurants oder Geschäften, einholen können. "Wir konzentrieren uns auf Treffer mit relevanten lokalen Informationen, anstelle von ellenlangen Listen, wie sie etwa Google liefert", sagte DeTe-Medien-Chef Oliver Neuerbourg der FTD.
Mit dem Vorstoß will die
Telekom eines ihrer lukrativsten Geschäftsfelder verteidigen. Experten schätzen, dass der Telefonriese jährlich vor Steuern etwa 500 Mio. Euro mit Branchenbüchern und Telefonauskunft verdient. "Solange es kein Internet gab, war das Gelbe-Seiten-Monopol leicht zu verteidigen", sagte Thomas Keil, Geschäftsführer der Branchenauskunft Yellow Phone. "Aber jetzt müssen Telekom und Verlage tätig werden."
DeTe Medien betreibt verschiedene Suchseiten
Der neue Suchdienst wird vom Münchner Unternehmen T-Info betrieben, an dem die DeTe Medien 25,1 Prozent hält. Die restlichen Anteile verteilen sich auf insgesamt 65 mittelständische Verlage wie Suter oder Greven, die im Telefonbuchgeschäft tätig sind.
Bisher sind die Internetaktivitäten von DeTe Medien stark zerfasert. Das Unternehmen betreibt ein halbes Dutzend verschiedener Suchseiten. Einige der Telefonbuchverlage entwickeln parallel unter dem Namen Neomo eigene Suchtechnik. Auf Suchen.de sollen die verschiedenen Aktivitäten unter einer neuen Marke gebündelt werden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Neuerbourg wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen. Er sagte lediglich, für das neue Portal zapfe T-Info "so viele Datentöpfe wie nur möglich an". Neben dem Neomo-Suchindex kommen Daten aus Gelben Seiten, Telefonbüchern und anderen Quellen zum Einsatz.
Angst vor Google Local
Die Telefonbuchbranche zittert derzeit vor dem deutschen Marktstart von
Google Local. Der US-Suchmaschinenriese hat eine Software entwickelt, mit der sich lokale Informationen verknüpft mit Straßenkarten anzeigen lassen. In den USA hat Google bei lokalen Suchabfragen laut Nielsen Netratings bereits mehr als 15 Prozent Marktanteil. "Als wir den Verlagen eine Demoversion gezeigt haben, waren die geschockt", behauptet ein Google-Mitarbeiter. Aus Branchenkreisen verlautet hingegen, dass Google den Deutschlandstart seines Produkts wegen Problemen mit den Daten habe verschieben müssen. Google wollte dieses nicht kommentieren.
Suchen.de ist nicht der einzige Versuch, eine alternative Plattform zu entwickeln. Der spanische Konzern
Telefónica betreibt einen Suchdienst namens Noxtrum. Dieser kombiniert Einträge aus Spaniens Gelben Seiten mit einem Internetindex.
"Das ist eine große Gelegenheit für Telekomkonzerne", sagte Angela Ashenden vom Marktforscher Ovum. T-Info plant, über das neue Portal Kontextanzeigen zu verkaufen, die als das am schnellsten wachsende Segment des Werbemarkts gelten. Eine weitere Umsatzquelle sollen laut Neuerbourg klassische Branchenbucheinträge werden. "Unsere Ergebnisse werden aber nicht käuflich sein", sagte der Geschäftsführer.