Verhandelt werde bereits seit drei Wochen mit den Qimonda-Konkurrenten
Micron aus den USA,
Elpida aus Japan und
Hynix aus Korea sowie Finanzinvestoren. Zur Vorbereitung wertet
Infineon die 77,5-Prozent-Beteiligung an
Qimonda um 1 Mrd. Euro ab, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. An der Börse war das Paket am Abend noch gut 861 Mio. $ wert.
Der Plan dokumentiert, wie gefährlich Qimonda inzwischen für das Restgeschäft des Dax-Konzerns geworden ist. Die sich zuspitzende Krise des Speicherchipmarkts hatte die Hoffnungen des Münchner Halbleiterkonzerns zerstört, seine Qimonda-Anteile nach dem Börsengang der Sparte in New York 2006 sukzessive am Markt verkaufen zu können. Im vergangenen Quartal übertraf der Verlust mit 482 Mio. Euro den Umsatz von 412 Mio. Euro erneut. Infineon konnte daher nur kleinere Pakete platzieren und sitzt immer noch auf 77,5 Prozent der Aktien. Deren Wert ist seit dem Börsengang zu 13 $ auf rund 3,40 $ am Dienstag gefallen.
Auch Dax-Konzern mit Verlust
Infineon will seinen Anteil schnellstmöglich auf unter 50 Prozent drücken. Dann müsste der Dax-Konzern die schlechten Qimonda-Zahlen nicht mehr konsolidieren. Die Tochter flankiert die Verkaufspläne mit einem verschärften Sparprogramm: Damit die Kosten jährlich um 180 Mio. Euro sinken, wird unter anderem jeder zehnte der 13.500 Arbeitsplätze weltweit gestrichen. Auch der Umzug der Zentrale von München ins nahe gelegene Neubiberg, wo auch Infineon eine neue Verwaltung gebaut hatte, sei zumindest bis zum Jahresende vertagt, sagte ein Sprecher. Außerdem stoppt Qimonda die Entwicklung von Flashspeicherchips, die etwa in Digitalkameras und Handys eingesetzt werden.
Für die verschiedenen Trennungsoptionen hat Infineon mehrere Investmentbanken mandatiert, darunter Lazard. "Das Ganze könnte noch vor dem Sommer über die Bühne gehen", hieß es. Denkbar sei auch eine Partnerschaft, in der ein Wettbewerber nur einen Teil des Pakets übernimmt. Analysten zeigten sich jedoch skeptisch, ob ein Verkauf zustande kommt. Die Wettbewerber schreiben ebenfalls hohe Verluste.
Die Milliardenabschreibung wird Infineon tief in die Verlustzone reißen. Der Konzern legt am Mittwoch seine Zahlen vor und will sich dann konkreter zu seinen Qimonda-Plänen äußern. An der Börse dominierte am Dienstag die vage Aussicht auf eine zügige Trennung von der Problemtochter. Die Infineon-Titel stiegen um 2,39 Prozent auf 5,14 Euro. Qimonda berichtete am Dienstag von positiven Signalen aus dem Markt. In einzelnen Segmenten stiegen die Preise wieder leicht, sagte Vorstand Thomas Seifert in einer Telefonkonferenz.