Die Deutsche Telekom hat den Abwärtstrend im Deutschland-Geschäft gebremst und im zweiten Quartal einen Gewinnsprung hingelegt. Die größten Probleme bereiten dem DAX -Konzern weiter das Geschäft im deutschen Mobilfunk sowie in Amerika. Während in Deutschland Neukunden mit viel Geld gelockt werden müssen, gelingt es dem Konzern in den USA nicht, den Schwund bei den lukrativen Vertragskunden zu stoppen. Allein im zweiten Quartal verließen knapp 560.000 Vertragskunden T-Mobile USA.
Telekom-Chef René Obermann erneuerte dennoch das Dividendenversprechen an seine Aktionäre.
"Wir halten unser Wort und liefern dem Markt mit sehr soliden Zahlen Verlässlichkeit", sagte Obermann am Donnerstag. Für dieses Jahr soll den Aktionären wie geplant eine Dividende von 0,70 Euro je Titel gezahlt werden. Das Geld dafür ist vorhanden: Der Überschuss kletterte im zweiten Quartal um drei Viertel auf 614 Mio. Euro.
Der Konzernumsatz sank im Quartal nur noch um 0,7 Prozent auf 14,4 Mrd. Euro - im Gesamtjahr 2011 waren noch sechs Prozent der Erlöse weggebrochen. Analysten hatten bei 14,42 Mrd. Euro Umsatz mit 650 Mio. Euro Überschuss gerechnet. Die Telekom -Aktie büßte nach einem starken Auftakt dem allgemeinen Markttrend folgend ihre Gewinne ein und notierte am Vormittag knapp ein Prozent leichter.
Die Mobilfunktochter T-Mobile USA fuhr ein Fünftel mehr Gewinn ein. Geholfen hat der Telekom-Tocher der starke Dollar. Ohne diesen Effekt wäre der Quartalsgewinn um lediglich sechs Prozent gestiegen und der Umsatz sogar rückläufig gewesen. Die Telekom versucht seit Jahren, die Geschäfte in den USA wieder flottzukriegen. Eigentlich wollten die Bonner ihren US-Ableger für 39 Mrd. Dollar an den zweitgrößten US-Mobilfunker AT&T verkaufen. Die US-Kartellbehörden kippten den Deal jedoch Ende 2011.
Die US-Sparte, die übergangsweise von Jim Alling geführt wird, kann derzeit nur bei den weniger lukrativen Prepaid-Kunden punkten. Ein Grund ist, dass die Nummer vier im US-Mobilfunkmarkt als einziger unter den großen Anbietern noch immer nicht Apples iPhone verkauft. Das Smartphone ist in den USA das mit Abstand meistverkaufte Telefon. Um die Abwanderung der Kunden zu stoppen und möglicherweise künftig ebenfalls das iPhone anbieten zu können, hat der Konzern ein Investitionsprogramm in Höhe von 4 Mrd. Dollar für die Aufrüstung der Netze aufgelegt. Dadurch will T-Mobile USA künftig auch den neuen schnellen Mobilfunkstandard LTE anbieten können.
Willkommener Zusatznutzen der Neuordnung der Frequenzen ist, dass künftig die verwendeten Frequenzen für die Vorgängerstandards von LTE zur Technik des iPhones passen. Bislang können T-Mobile-Kunden das Apple-Telefon zwar nutzen, aber die Datenübertragung ist wegen der nicht ganz genau passenden Funktechnik gebremst. Dies dürfte mit ein Grund sein, warum Apple und die US-Tochter der Telekom kein Vertriebsabkommen geschlossen haben.
Die Schwierigkeiten im deutschen Mobilfunkgeschäft konnte der Konzern im zweiten Quartal nicht lösen. Zwar hat der Konzern 464.000 Neukunden verbucht. Die Bonner mussten für die Anwerbung jedoch kräftig zahlen. Die meisten dieser Neuzugänge kommen über Wiederverkäufer wie Freenet. Da der DAX-Konzern den Handelspartnern einmalige Prämien oder eine Umsatzbeteiligung bei jedem neuen Kunden zahlt, sinken Umsatz oder Marge bei diesen Kunden.
Zudem wird bereits wenige Monate nach dem Start der Übertragung des Fernsehangebotes Entertain per Satellit klar, dass der neue Übertragungsweg den Vertrieb des wichtigen Dienstes stützt. Aber bei weitem nicht so stark, wie es noch Ende des Jahres aussah. Im ersten Quartal nach Einführung der neuen Technik Ende 2011 stieg die Zahl der Kunden im Quartalsvergleich um 175.000. Im Vergleich vom ersten Quartal 2012 zur zweiten Dreimonatsperiode lag das Plus bei 100.000.
Da Entertain hohe Bandbreiten benötigt, konnte die Telekom den Dienst bis Herbst 2011 lediglich in Städten und Gebieten verkaufen, in denen der Konzern eine schnelle Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 16 Mbit/s anbieten kann. Das war lediglich die Hälfte der etwa 40 Millionen Haushalte in Deutschland. Durch die Satellitenübertragung steigt die Reichweite von 20 Millionen auf etwa 30 Millionen Haushalte.
Der Vorstand des 235.000 Mitarbeiter starken Konzerns hält an seiner Prognose für 2012 fest: Bei einem Free Cash Flow von 6 Mrd. Euro soll das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) in diesem Jahr 18 Mrd. Euro erreichen. Mehr als die Hälfte davon haben die Bonner bereits verdient. In der ersten Jahreshälfte belief sich das Ebitda auf 9,2 Mrd. Euro.
Mit Agenturen