"Ist es eine Ente oder Apple ?" Diese Frage stellt gleich der erste Aktionär, der auf der Hauptversammlung des Fernsehgeräteherstellers Loewe zu Wort kommt. Der Mann will wissen, ob zum jüngsten spektakulären Kursanstieg nur eine Falschmeldung aus einem Internetblog beigetragen hat - oder ob der US-Computerkonzern tatsächlich bei dem deutschen TV-Hersteller einsteigt. Nachdem das Gerücht bekannt wurde, war die Aktie am Montag um mehr als 32 Prozent in die Höhe geschossen.
"Wenn Sie die leichtesten Erkenntnisse haben, dann sollten Sie es sofort sagen", fordert Roland Klose von der Aktionärsvereinigung DSW am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Die knapp 100 Aktionäre in der nur halb besetzten Kongresshalle lauschen aufmerksam. "Wo Rauch ist, ist auch Feuer", sagt Klose.
Dabei hatte Loewe-Aufsichtsratschef Rainer Hecker versucht, die Spannung aus dem Apple-Gerücht zu nehmen. Erst 20 Minuten nach Beginn des Aktionärstreffens fällt erstmals der Name des potenziellen Käufers. Hecker sagt, dass sich Loewe "an den Gerüchten nicht beteilige". Zwar gebe es Vertriebsbeziehungen zu dem US-Konzern bei Audioprodukten, aber "unserem Management liegen aktuell keine Informationen vor, dass sich Apple an Loewe beteiligen will".
Auf Nachfrage betont der langjährige frühere Loewe-Chef, dass auch ihm als Gesellschafter oder Aktionär derzeit keine entsprechenden Informationen vorliege.
Mit etwa diesen Worten hatte schon am Wochenende ein Loewe-Sprecher das Übernahmegerücht dementiert. Die gewöhnlich gut informierte Website "Appleinsider" hatte berichtet, der US-Computerkonzern wolle die kleine deutsche Firma für 87 Mio. Euro kaufen. Bis Freitag werde über das Angebot entschieden. Trotz des Loewe-Dementis stieg am Montag der Aktienkurs des Kronacher Unternehmens um bis zu 40 Prozent. Offensichtlich glauben die Finanzmärkte doch, dass etwas an dem Gerücht dran ist. Denn am Dienstag hielt sich die Aktie auf dem am Tag zuvor erreichten Niveau - oder legte zeitweise sogar um etwa zehn Prozent zu.
Vorstandschef Oliver Seidl erwähnt Apple erst am Ende seiner Rede. Selbst als er mit Stolz darüber berichtet, dass sich der Aktienkurs seit Jahresbeginn verdoppelt hat und am Montag mit 6,25 Euro den Jahreshöchststand erreichte, nennt er die Apple-Spekulation nicht als Haupttreiber für den Kursanstieg.
Lieber redet Seidl vom Ziel, dass Loewe sich "zur bedeutendsten internationalen Premiummarke für individuelle Home-Entertainment-Systeme entwickeln" soll. Neue Audio- und TV-Produkte sollen dazu beitragen. Spezielle Loewe-Lautsprecher seien für die Apple-Welt entwickelt worden, fügt er noch hinzu.
Bei den Geschäftsaussichten hält sich Seidl mit konkreten Zahlen zurück. In diesem Jahr sei ein Umsatzplus und eine deutliche Ergebnisverbesserung zu erwarten, sagt er. Ob Loewe damit wieder in die schwarzen Zahlen kommen könnte, lässt er offen. 2011 hatte das Unternehmen 274 Mio. Euro umgesetzt und 10,7 Mio. Euro Verlust gemacht.