Da kann der Loewe -Vorstand noch so sehr beteuern, dass kein Kaufangebot von Apple vorliegt. Die Börse geht dennoch davon aus, dass am Interesse des großen US-Konzerns an dem deutschen Fernsehgerätehersteller etwas dran ist. Die Loewe-Aktie gewann im Laufe dieses Montags zeitweise 37,7 Prozent. Das deutsche Unternehmen war damit 81,3 Mio. Euro wert.
Für die Kronacher Firma mit 274 Mio. Euro Umsatz und rund 1000 Beschäftigten ist es zunächst ein Riesenkompliment und weltweite Werbung, wenn ein internationales Schwergewicht wie Apple anscheinend Interesse hat.
Noch steht nicht fest, ob Apple bei Loewe einsteigt. Im Gegenteil: Es könnte sich auch um ein weiteres Gerücht um den Einstieg des amerikanischen Computer- und Handy-Konzerns in den Fernsehgrätemarkt handeln. Sollte Apple tatsächlich bei Loewe zuschlagen, würde es vermutlich auf ein Ausschlachten der deutschen Firma und ein Ende der Traditionsmarke hinauslaufen.
Apple hat nämlich noch nie eine Zweitmarke zugelassen. In den USA ist der oberfränkische Fernsehgerätehersteller ohnehin kaum bekannt. Apple würde für Loewe sicher keine Ausnahme in seiner Einmarkenstrategie machen, noch dazu für ein Unternehmen, das nur knapp 90 Mio. Euro kosten soll. Ein Betrag, den Apple aus der Portokasse bezahlt.
Interessant für die Amerikaner könnten Loewes Fernsehtechnik-Expertise und der europaweite Vertrieb mit den schicken Verkaufsläden der Deutschen sein. Mit ihrer Ausrichtung auf moderne Technik mit designorientierter Ausstattung passen beide Unternehmen gut zusammen. Schon jetzt gibt es Loewe-Audio-Produkte in deutschen Apple-Läden.
Die Kronacher Entwickler gelten europaweit als führend bei der Software für die Verarbeitung des hiesigen Fernsehfrequenz- und Ausstrahlungs-Dschungels. Hier hat Loewe Spezialpatente. Auf diese deutsche Ingenieurskunst setzte auch der japanische Loewe-Großaktionär Sharp, der knapp 30 Prozent Anteil an dem oberfränkischen Unternehmen hält. Sharp ließ gemeinsame TV-Software-Plattformen entwickeln.
An der deutschen Produktion von Loewe dürfte Apple dagegen weniger interessiert sein - dafür gäbe es kostengünstigere Standorte. Zudem würde ein Einstieg von Apple bei Loewe bedeuten, dass die Amerikaner bei ihrem TV-Geschäft nicht ausschließlich auf eine Technologie setzen, bei dem der Fernseher seine Inhalte aus dem Internet bezieht.
Am Dienstag dieser Woche findet in München die Loewe-Hauptversammlung statt. Die Aktionäre werden sicher den Vorstand löchern, wie er sich die Zukunft der Firma vorstellt. Zunächst ist eine Apple-Übernahme nur eine weitere Spekulation. Wahrscheinlich wissen die Manager in Kronach gar nicht, was in der US-Apple-Zentrale gedacht wird und lassen sich überraschen. So lange genießen sie die Werbung.