Wenn große Konzerne miteinander um einen Wettbewerber rangeln, ist oft Psychologie im Spiel. Das macht den Ausgang ungewiss und spannend. Eine solche Geschichte zeichnet sich auf dem US-Mobilfunkmarkt ab. Dort plant die Deutsche Telekom die Übernahme des Mobilfunkanbieters MetroPCS , mit der die kriselnde Tochter T-Mobile USA zu einem schlagkräftigeren Unternehmen verschmelzen sollte.
T-Mobile USA steckt in einem Dilemma. Das Unternehmen hat in den USA eine zu geringe Kundenbasis, um seine teure Infrastruktur auszulasten. Zudem waren dem Unternehmen zuletzt viele Kunden davongelaufen, da es anders als die drei großen Wettbewerber Verizon , AT&T und Sprint nicht das iPhone von Apple anbietet.Allein im ersten Halbjahr kehrten mehr als eine Million Vertragskunden T-Mobile USA den Rücken. Kurz nach Bekanntwerden der Übernahmepläne von T-Mobile zeigte auch der US-Mobilfunkkonzern Sprint Nextel Interesse an dem regionalen Mobilfunker.
Der am Montag bekanntgewordene Kauf von bis zu 70 Prozent an Sprint Nextel durch den japanischen Mischkonzern Softbank macht den Bieterstreit um MetroPCS interessant. Denn auf einen Schlag wächst in den USA ein ungleich größerer Wettbewerber für die Telekom heran, von dessen Interessenslage abhängen wird, ob die Deutschen zum Zuge kommen - oder eher nicht.
Softbank war erst 2006 mit dem Kauf von Vodafone Japan ins Mobilfunkgeschäft eingestiegen und wäre nach vollzogener Übernahme von Sprint der weltweit drittgrößte Mobilfunkanbieter - hinter China Mobile und Vodafone . Damit erschließt sich Softbank einen neuen wachstumsträchtigen Markt. In Japan stagniert der Mobilfunksektor, es herrscht ein starker Verdrängungswettbewerb.
Sprint und T-Mobile USA haben erheblich weniger Kunden als die Platzhirsche Verizon und AT&T . Dennoch bauen sie ihre Netze aus und rüsten sie auf den neuesten Mobilfunkstandard LTE um. Diese Ausgaben für den Netzausbau rechnen sich besser bei hoher Auslastung. Daher streben die kleinen Mobilfunker danach, sich durch Übernahmen Kunden einzukaufen. Mit LTE kann auf Smartphones und anderen Mobilgeräten bis zu zehnmal so schnell wie mit der jetzigen Technik gesurft werden.
Das fusionierte Unternehmen aus Sprint und Softbank hätte Vorteile bei einer möglichen MetroPCS-Übernahme. Sprint und MetroPCS arbeiten in den USA mit der gleichen Funktechnologie. Das würde Sprint bei der Übernahme von MetroPCS Ausgaben in Höhe von bis zu 9 Mrd. Dollar ersparen. Dagegen arbeiten T-Mobile-USA und MetroPCS mit unterschiedlicher Technik.
Für die Deutsche Telekom könnte zum zweiten Mal binnen Kurzem ein Übernahmeszenario platzen. Das wird besonders pikant, weil die geplante Fusion mit MetroPCS auf dem US-Markt schon die zweite Wahl war, nachdem der Verkauf von T-Mobile USA an den US-Konzern AT&T an den amerikanischen Wettbewerbshütern gescheitert war. Nun erscheint fraglich, ob die Telekom überhaupt die Kraft hat, einen Bieterwettstreit mit Softbank aufzunehmen. Denn das Unternehmen spielt in einer anderen Liga als Sprint. Nach Angaben von Softbank haben die beiden Unternehmen zusammen 96 Millionen Nutzer. Sollte die Übernahme von den Kartellbehörden gebilligt werden, wäre es die größte Auslandsübernahme, die ein japanisches Unternehmen jemals getätigt hat.
Der Kauf von Sprint eröffnet zweierlei Optionen für die Übernahmepläne der Deutschen Telekom. Entweder sticht Sprint mit der Marktmacht der Japaner im Rücken die Telekom aus. Dann stünde T-Mobile USA wie bisher allein da. Oder die Telekom lässt sich auf einen Preiskampf ein - bei dem sich erst später zeigt, ob das erfolgreiche Gebot sinnvoll war - oder überhöht.
Möglich ist auch, dass sich die US-Wettbewerbsbehörden von ähnlichen Bedenken wie bei der Absage der Fusion von T-Mobile-USA mit AT&T leiten lassen - und dem Kauf ihre Zustimmung verweigern. Das würde wiederum der Telekom den Weg ebnen. Bei einem Zusammengehen mit T-Mobile wären die Metro-Handys im Netz der Telekom-Tochter allerdings nicht zu gebrauchen. Das würde Folgekosten nach sich ziehen.
Sieg und auch Niederlage eines möglichen Bietergefechts mit Spring bringen daher jeweils Probleme mit sich. Wobei im Fall der Telekom auch die Psychologie eine eigene Rolle spielen dürfte.
Der Markt wiederum sieht die größere Herausforderung auf Seiten der Japaner. Softbank-Aktien fielen in Tokio mehr als fünf Prozent. Die Papiere gehörten zu den Werten, die am stärksten gehandelt wurden. Investoren waren besorgt, dass Softbank-Chef Masayoshi Son zu viel bieten könnte, um auf dem US-Telekommarkt Fuß zu fassen. Aktien der Deutschen Telekom notierten dagegen weitgehend unverändert.
Mit Reuters und dpa