Zwar ist
Siemens nach FTD-Informationen mit dem US-Rivalen Nortel Networks und dem US-Finanzinvestor Matlin Patterson im Gespräch. Dass diese zum Erfolg führen, wird allerdings bezweifelt. "Ich glaube nicht mehr daran, dass der Verkauf noch stattfindet", sagte ein Unternehmensinsider.
SEN mit 15.000 Mitarbeitern und über 3 Mrd. Euro Umsatz ist der letzte größere Unternehmensteil, der aus der seit 2006 aufgelösten Geschäftssäule Telekommunikation übrig ist. Eigentlich wollte Löschers Vorgänger Kleinfeld den Verkauf schon 2006 abschließen und hatte intensiv mit Finanzinvestoren und Wettbewerbern verhandelt, neben Nortel auch mit Avaya und Cisco. Im vergangenen Herbst platzte dann eine Übertragung an die Private-Equity-Firmen Permira und Apollo.
Ein Siemens-Sprecher verwies auf frühere Aussagen, dass Siemens eine Trennung bis Ende Juni anstrebe. "Wir reden mit mehreren, nicht nur mit zweien", sagte er. Zum Teil sei Siemens in "weit fortgeschrittenen Gesprächen". Allerdings habe sich Siemens schon in den vergangenen Monaten immer wieder optimistisch über einen Abschluss geäußert, ohne dass es zu einem Vertrag gekommen sei, verlautetet aus dem Konzern.
Nun sieht es wieder eher nach einem Verkauf an einen Finanzinvestor - Matlin Patterson - aus, da Nortel selber tief in die Krise gestürzt ist und im Umbau steckt. Das Geschäft mit Firmennetzen leidet darunter, dass diese Kunden stärker auf mobile und Internet-basierte Lösungen umsteigen. "In diesem Umfeld glaube ich nicht, dass ein Deal mit Nortel klappt", sagte Unicredit-Analyst Roland Pitz. Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen hat Matlin Patterson Zahlen und Management von SEN intensiv geprüft. Allerdings gebe es noch viele ungeklärte Punkte.
So rechnen Finanzkreise für die jahrelang defizitäre Sparte mit einem negativen Kaufpreis. Der Konzern hat SEN 2007 bereits um 567 Mio. Euro abgewertet. Matlin Patterson dürfte zudem einen größeren Stellenabbau planen, da die Fertigung überwiegend in Deutschland stattfindet. Dagegen wehren sich der Betriebsrat und die IG Metall. "Die Siemens-Führung will ein zweites "BenQ" unbedingt vermeiden", so ein Insider. Die Mobiltelefonsparte von Siemens wurde 2005 mit mehr als 400 Mio. Euro Mitgift an BenQ übertragen und ging gut ein Jahr später pleite.
Inzwischen steht Siemens unter Zeitdruck, da der Bereich seit fast zwei Jahren als "nicht fortgeführte Aktivität" bilanziert ist. Gelingt der Verkauf bis Juni nicht, muss der Konzern seine Bilanzen der vergangenen zwei Geschäftsjahre neu schreiben.