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Merken   Drucken   10.03.2006, 08:48 Schriftgröße: AAA

Vodafone reizt deutscher DSL-Markt  

Das Festnetz übt einen zunehmenden Reiz auf die Mobilfunkbetreiber aus: Der britische Netzbetreiber Vodafone prüft nach eigenen Angaben ein DSL-Angebot in Deutschland. von Volker Müller, Hannover
Arun Sarin, Vodafone-Chef   Arun Sarin, Vodafone-Chef
"Der Markt wächst rasant. Jeder muss nur genügend große Schöpfkellen aufhalten. Uns geht es darum, dass wird an diesem Wachstum adäquat teilhaben", sagte Landeschef Friedrich Joussen der FTD. Bereits im Februar hatte der Wettbewerber O2  mitgeteilt, von Herbst an DSL-Leitungen anbieten zu wollen.
Die Zahl der DSL-Anschlüsse in Deutschland war 2005 um 56 Prozent auf 10,7 Millionen gestiegen. In diesem Jahr soll ihre Zahl um 32 wachsen und sich bis Ende 2008 nahezu verdoppeln, prophezeien Experten. Im Gegensatz dazu nutzen Mobilfunkkunden das schnelle UMTS-Netz nur zurückhaltend.
Vodafone -Konzernchef Arun Sarin hatte DSL-Angebote bisher nicht im Blick. Er definiert den Netzbetreiber als ausschließlichen Mobilfunker. Die deutsche Festnetztochter Arcor, Teil der im Jahr 2000 gekauften Mannesmann AG, war lange das ungeliebte Kind des Konzerns. Mehrfach hatte Sarin einen Verkauf oder Börsengang prüfen lassen. Joussen hingegen distanziert sich vorsichtig von der reinen Lehre: "Wir wären als Vodafone nicht gut beraten, würden wir in allen Ländern und Regionen die gleiche Strategie verfolgten", sagte der Deutschlandchef.
Suche nach Zusammenarbeit
Arcor böte Vodafone die Möglichkeit, kurzfristig und kostengünstig DSL-Leitungen für Endkunden anzubieten. Der Festnetzbetreiber hat zur Zeit 1,3 Millionen Telefon- und 1,1 Millionen DSL- Kunden. "Wir gucken immer wieder, wie eine Zusammenarbeit möglich ist - und ob das voraussetzt, dass wir zur gleichen Familie gehören. Diese Diskussion führen Arcor-Chef Harald Stöber und ich, die führen wir auch auf der Vodafone-Ebene", sagte Joussen.
Alle Mobilfunker versuchen seit wenigen Wochen, dem Festnetz massiv Daten- und Gesprächsminuten streitig zu machen. Dazu haben sie unter anderem Heimatzonen eingeführt, in denen Kunden zu Preisen telefonieren können, die dem Festnetz vergleichbar sind. Bereits in zwei bis drei Jahren sollen 30 Prozent des Gesprächsvolumens über den Mobilfunk laufen. Bisher sind es etwa 15 Prozent.
Zwar bietet das UMTS-Funknetz mit dem Datenturbo HSDPA die etwa 1000fache Bandbreite im Vergleich zu den GSM-Funknetzen vor zehn Jahren. Die Datenübertragung über das Festnetz wird nach einhelliger Branchenmeinung aber dauerhaft schneller und kostengünstiger bleiben als über Mobilfunk. Derzeit baut die Telekom  ein extra schnelles DSL-Netz mit einer Übertragungsrate von 50 Megabit pro Sekunde. Diese Datenrate ist im Mobilfunk absehbar nicht zu erreichen.
Anfang März hatte Vodafone zudem mitgeteilt, auch wegen eines zurückhaltenden Geschäfts in Deutschland 41 Mrd. Euro abschreiben zu müssen. Beobachter sehen darin den Hinweis auf ein schleppendes Geschäft mit Datendiensten per UMTS. Tatsächlich erzielt Vodafone Deutschland lediglich 4,7 Prozent seiner Serviceumsätze mit Datendiensten - einschließlich Klingeltönen. Wettbewerber wie T-Mobile weisen keine Vergleichszahl aus. In Branchenkreisen gelten zwei bis drei Prozent Datenumsatz derzeit als üblich.
  • Aus der FTD vom 10.03.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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