Inoffiziell werden sogar sondierende Gespräche zwischen beiden Unternehmen bestätigt. Der US-Anbieter selbst spricht von "bedeutendem Interesse einer Reihe von Firmen". Marktspekulationen zufolge erwägt Vodafone den Verkauf des 44-Prozent-Anteils an seinem bisherigen US-Partner Verizon, der
Vodafone mehr und mehr Probleme bereitet - um stattdessen AT&T mit 22 Millionen Kunden zu kaufen.
Ein solches Szenario stößt allerdings auf Kritik von Branchenexperten. "Es gibt zu viele Argumente gegen den Kauf", sagt etwa Gareth Jenkins, Telekomanalyst bei der Deutschen Bank. Ihm zufolge müsste Vodafone bei einem Verkauf von Verizon, der rund 6,5 Mrd. £ einbringen könnte, einen Millionen-Dollar-Betrag an Kapitalgewinnsteuer zahlen. Überdies könnte der von
AT&T geplante Auktionsprozess den Preis bis auf unvertretbar hohe 30 Mrd. $ treiben. Zudem würde der unter Überkapazitäten leidende US-Mobilfunkmarkt durch die Transaktion nicht entlastet: Die Zahl der sechs großen Anbieter würde nicht vermindert, die Preise bröckelten weiter. Schließlich verweist Jenkins darauf, dass AT&T weit weniger profitabel als Marktführer Verizon ist.
Zwar wird Vodafone am Mittwoch mitteilen, dass sich die Kundenzahl weltweit der Marke von 130 Millionen Kunden nähert. Aber ausgerechnet im wichtigen US-Markt, wo Konkurrent T-Mobile am Dienstag boomende Geschäftszahlen meldete, haben die vom Erfolg verwöhnten Briten mit wachsenden Hürden zu kämpfen. Der amerikanische Partner Verizon will sich partout nicht unterordnen und verhindert bisher, dass die Marke Vodafone auf dem derzeit stark wachsenden Handymarkt zwischen New York und Los Angeles überhaupt auftaucht.
Vodafone-Chef Sarin jedoch hat ein Druckmittel in der Hand. Laut dem vor vier Jahren ausgestellten Kaufvertrag für den Verizon-Anteil können die Briten im Juli ihre US-Partner zwingen, die Hälfte der Vodafone-Anteile zurückzukaufen.
Zuletzt hatte Verizon Sarin mit der Entscheidung vor den Kopf gestoßen, 1 Mrd. $ in den in den USA verbreiteten Mobilfunkstandard CDMA (Code Division Multiple Access) zu investieren, der auch vom Konkurrenten Sprint benutzt wird. Vodafone setzt in seinen Hauptmärkten den EU-Standard GSM (Global System for Mobile Communications) ein. Dass in den USA neben T-Mobile auch
AT&T Wireless mit dieser Plattform arbeitet, macht einen Kauf für Sarin umso verlockender: Eine einheitliche Technologie ermöglicht günstigere Roaming-Bedingungen bei internationalen Gesprächen. Will Vodafone im US-Mobilfunk eine führende Rolle spielen, bliebe Sarin allein aus Gründen der Technik nur der Kauf von T-Mobile USA oder Cingular. Beide Anbieter sind derzeit jedoch wenig verkaufswillig.
Umsteuern in Amerika
Erster Anlauf Vodafone steigt 2000 beim amerikanischen Marktführer Verizon Wireless ein.
Schlappe Der US-Partner behandelt die Briten seitdem jedoch wie einen Juniorpartner.
Zweiter Anlauf Vodafone könnte seinen Verizon-Anteil verkaufen und dafür AT&T kaufen.