In der IT-Branche ist die Hoffnung auf das neue Windows-Betriebssystem von Microsoft gesunken. Die Unternehmen bekommen zunehmend Gegenwind durch die wachsenden Konjunktursorgen ihrer Kunden. Trotz der für Ende Oktober geplanten Einführung von Windows 8 rechnen viele Unternehmen mit einer schwierigen Jahreshälfte.
Die geringe Nachfrage der Verbraucher bewegte die Marktforscher von Gartner dazu, für die ganze Technologiebranche schwere Zeiten vorherzusagen. Demnach stagnierte zuletzt der weltweite Absatz von Computern, der Handymarkt war zu Jahresbeginn sogar geschrumpft. Die Chipbranche war bereits Mitte des vergangenen Jahres weltweit ins Schlingern geraten. Kunden bauen aus Angst vor einer weltweiten Rezession lieber erst ihre Lagerbestände ab, als neu zu bestellen. Aber es gibt auch Ausnahmen, die wie Apple und Microsoft von Produkteinführungen profitieren dürften.
Der Chiphersteller Texas Instruments warnt für das laufende Quartal vor einem Umsatzrückgang. Die Kunden seien wegen der unsicheren Konjunktur zurückhaltend. Schon im zweiten Qurtal ging der Umsatz um vier Prozent zurück. Der Überschuss brach um rund ein Drittel ein. Texas Instruments ist führend bei analogen und integrierten Prozessoren für einfache Rechenaufgaben. Das Unternehmen gilt als Barometer für die gesamte Elektronikbranche, da die Chips in Waschmaschinen ebenso zum Einsatz kommen wie in Handys, Fernsehgeräten oder Industrieanlagen.
Die wirtschaftliche Unsicherheit bremst auch den weltgrößten Chiphersteller Intel aus. Der Konzern korrigiert seine Wachstumsprognosen nach unten. Beim Umsatz legt der US-Konzern vier Prozent auf 13,5 Mrd. Dollar zu. Wegen hoher Entwicklungskosten sank der Gewinn vier Prozent auf 2,8 Mrd. Dollar. Im Gesamtjahr erwartet Intel inzwischen statt eines Umsatzplus' im hohen einstelligen Prozentbereich nur noch ein Wachstum von drei bis fünf Prozent. "Wegen des herausfordernden makroökonomischen Umfelds wird unser Wachstum langsamer sein als wir erwartet hatten", sagte Konzernchef Paul Otellini am Dienstag.
Der Wettbewerber AMD hat wie Marktführer Intel der Flaute auf dem PC-Markt nichts entgegenzusetzen. Umsatz und Gewinn sind rückläufig und auch für das dritte Quartal gibt es wenig Hoffnung auf Besserung. Im zweiten Quartal ging der Umsatz von AMD um elf Prozent auf 1,41 Mrd. Dollar zurück. Unterm Strich verdiente der kleinere Intel-Rivale 37 Mio. Dollar, nach 61 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum.
Der IT-Konzern IBM scheint sich dagegen der Krise entziehen zu können. IBM erhöhte seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr trotz eines Umsatzrückgangs im abgelaufenen Quartal. Der Computer- und Softwarekonzern erwartet im Gesamtjahr einen Gewinn pro Aktie ohne Sonderposten von 15,10 Dollar gegenüber bislang 15 Dollar. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz mit 25,8 Mrd. Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal um drei Prozent schwächer aus. Der Konzern profitierte allerdings von einer stärkeren Nachfrage nach seinen Softwaredienstleistungen und konnte den Nettogewinn um sechs Prozent auf 3,9 Mrd. Dollar steigern.
Europas größter Softwarehersteller SAP hat das zweite Quartal mit einem Rekordumsatz abgeschlossen. Der mit Oracle und Microsoft sowie vielen kleinen Cloud-Softwareanbietern konkurrierende Walldorfer Konzern steigerte den Erlös im zweiten Quartal um 21 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro. Zudem bekräftigte SAP die Geschäftsprognose für das laufende Jahr. Bis Jahresende hat sich SAP einen Zuwachs der Software- und Wartungserlöse (ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten) um zehn bis zwölf Prozent über der Bestmarke des Vorjahres in Höhe von 11,35 Mrd. Euro vorgenommen.
Bei Microsoft lief das Kerngeschäft mit Windows- und Officesoftware besser als erwartet. Dass der Konzern dennoch erstmals seit 26 Jahren einen Quartalsverlust melden musste, lag an den Abschreibungen von 6,2 Mrd. Dollar auf den 2007 gekauften Onlinewerbespezialisten Aquantive. Unter dem Strich wies Microsoft einen Verlust von 492 Mio. Dollar aus, nach knapp 5,9 Mrd. Dollar Gewinn vor Jahresfrist.
Der Umsatz des Softwarekonzerns stieg um vier Prozent auf 18 Mrd. Dollar. Allerdings stellte Microsoft 540 Mio. Dollar im Zusammenhang mit der geplanten Einführung von Windows 8 zurück. Ohne die Abschreibung, aber unter Einrechnung der Auswirkungen durch die Zurückstellung, verdiente der Konzern mit 67 Cent je Aktie 5 Cent mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Trotz der pessimistischen Prognosen der PC-Hersteller erwartet sich Microsoft einen Schub durch Windows 8, das auch auf Tablet-PC läuft. Diese Produktkategorie wird derzeit von Apple mit dem iPad beherrscht. Weit abgeschlagen rangieren Geräte mit Googles Android-Betriebssystem.
Der Internetkonzern Google steigerte den Konzernumsatz im zweiten Quartal um 35 Prozent auf 12,21 Mrd. Dollar. Der Gewinn lag elf Prozent höher bei 2,79 Mrd. Dollar. Die übernommene Mobilfunktochter Motorola trug kräftig zum Umsatzwachstum bei. Ohne den Kauf wäre der Umsatz um 21 Prozent gewachsen. Der operative Verlust des Smartphoneherstellers belastete die Google-Bilanz mit 233 Mio. Dollar. Google verdient hauptsächlich durch die sprudelnden Einnahmen bei den bezahlten Suchtreffern. Ein zweites großes Standbein sind mittlerweile grafische Werbeanzeigen.
Der Elektronikkonzern Apple leidet darunter, dass viele Käufer offenbar auf das neue iPhone-Modell warten, das noch im September auf den Markt kommen soll. Der Umsatz kletterte dennoch im dritten Geschäftsquartal um 23 Prozent auf 35 Mrd. Dollar. Der Gewinn stieg um 21 Prozent auf 8,8 Mrd. Dollar. Beobachter hatten allerdings mehr erwartet. Mit dem neuen iPhone-Modell will Apple wieder an alte Erfolge anknüpfen. Das Smartphone macht fast die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Auch der Start des iPad in China dürfte der Geschäftsentwicklung einen Schub geben.
Dank eines starken Absatzes von Smartphones der Galaxy-Reihe steigerte der südkoreanische Apple-Wettbewerber Samsung den operativen Gewinn im zweiten Quartal um 79 Prozent auf umgerechnet 4,8 Mrd. Euro. Das sind 15 Prozent mehr als der bisherige Rekordgewinn. Beim Umsatz verbuchte Samsung einen Anstieg von 21 Prozent auf 34 Mrd. Euro. Trotzdem blickt der Konzern skeptisch auf die kommenden Monate. Den Koreanern bereitet die Schuldenkrise in Europa Sorgen. Sie könnte die Nachfrage nach Fernseh- und Haushaltsgeräten beeinträchtigen.