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Merken   Drucken   27.01.2012, 11:12 Schriftgröße: AAA

Vorwurf der Ausbeutung: Apple am Pranger

Unfälle, Werksexplosionen, Selbsttötungen - der Computerkonzern befasst sich mit den Arbeitsbedingungen seiner chinesischen Auftragsfertiger. Das reicht Kritikern nicht. Sie brandmarken ihn - stellvertretend für die gesamte Branche.
© Bild: 2011 Reuters/BOBBY YIP
Unfälle, Werksexplosionen, Selbsttötungen - der Computerkonzern befasst sich mit den Arbeitsbedingungen seiner chinesischen Auftragsfertiger. Das reicht Kritikern nicht. Sie brandmarken ihn - stellvertretend für die gesamte Branche. von Nora Schlüter  Hamburg und Helene Laube  San Francisco
Als Apple  kürzlich erneut einen Bericht über die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern veröffentlichte, ahnte Konzernchef Tim Cook, dass das Thema den Konzern weiter verfolgen würde. "Wir haben noch nicht so viel gemacht, wie wir könnten" , sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Es bleibt einiges zu tun."
Zeitstrahl: Apples Erfolgsgeschichte   Zeitstrahl: Apples Erfolgsgeschichte
Darunter droht zunehmend das Image des erfolgreichen Computerkonzerns zu leiden. Besonders in den USA kocht derzeit die Empörung hoch. In der Kritik stehen vor allem Betreiber chinesischer Fabriken, denen vorgeworfen wird, Arbeiter zwecks Kostensenkung und Produktionssteigerung auszubeuten und Sicherheitmaßnahmen schleifen zu lassen. In einem aktuellen Artikel der "New York Times" unterstellen mehrere Insider Apple, dass der Konzern zugunsten des eigenen Profits einiges durchgehen lasse.
"Wenn man das gleiche Muster an Problemen sieht, Jahr um Jahr, bedeutet es, dass das Unternehmen das Problem ignoriert, anstatt es zu lösen", zitiert die Zeitung einen ehemaligen Apple-Manager. "Würden wir es ernst meinen, würden diese Verstöße verschwinden." Dabei schadet jedes Unglück bei einem chinesischen Zulieferer Apples Image. Jeder Selbstmord, jede Explosion und jeder Chemieunfall sorgen für negative Schlagzeilen.
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"Früher hat es nur die Aktionäre interessiert, was ein Unternehmen macht", sagte Joachim Schwalbach, Markenexperte und Wirtschaftsprofessor an der Berliner Humboldt-Universität. "Inzwischen interessiert es auch die Konsumenten, die Mitarbeiter, die Zivilgesellschaft." Bemühe sich Apple nicht ernsthaft um bessere Bedingungen bei den Lieferanten, werde dieses Verhalten dem Konzern schaden. "Da reicht es dann nicht mehr aus, schöne Produkte anzubieten", so Schwalbach.
Mit den in den vergangenen Monaten wieder zunehmenden Berichten über die Missstände fordern auch Arbeits- und Menschenrechtskämpfer von Unternehmen und Konsumenten mehr Einsatz für soziale Gerechtigkeit - nicht nur in chinesischen Betrieben. Studenten der renommierten Duke University, wo auch Apple-Chef Cook studiert hat, veröffentlichten einen offenen Brief und ein Video auf Facebook, in dem sie von Cook eine Garantie für "konfliktfreie" Produkte fordern.

Teil 2: "Es werden nicht alle gegeißelt"

  • FTD.de, 27.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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