Der Softwarekonzern Microsoft will die neueste Version seines Windows-Betriebssystems in Europa ohne den Webbrowser Internet Explorer verkaufen. Wegen des bei der EU-Kommission anhängigen Verfahrens werde der Internet Explorer in Europa sowohl Computerherstellern als auch Nutzern separat angeboten.
Damit solle eine problemlose Markteinführung von Windows 7 im Oktober gesichert werden, argumentierte Dave Heiner, Microsofts stellvertretender Chefsyndikus, in einem Firmenblog. Computerhersteller könnten auf den Geräten zugleich vor dem Verkauf Browser nach Wahl installieren.
Die europäischen Wettbewerbshüter werfen Microsoft vor, mit der Kopplung seines Webbrowsers an Windows seine dominante Marktposition unzulässig auszunutzen. Dem Konzern drohen deswegen eine Strafe und Auflagen.
Zur neuen Strategie äußerte sich die EU-Kommission kritisch. Anstatt für mehr Wahlmöglichkeiten habe sich der Konzern offenbar für weniger entschieden. Die europäischen Wettbewerbshüter hatten vorgeschlagen, Microsoft solle eine Auswahl von Browsern in sein Betriebssystem integrieren, um den Nutzern mehrere Optionen zu bieten.
Die Kommission schrieb weiter, es werde noch geprüft, ob dieses Zugeständnis des Softwareherstellers ausreiche. Das Wettbewerbsverfahren zu dem Browsern solle bald abgeschlossen werden.
Die EU-Wettbewerbshüter untersuchen nach einer Beschwerde des Microsoft-Konkurrenten Opera, ob mit der Koppelung des Internet Explorers und Windows der freie Wettbewerb behindert werde. Es drohen ein hohes Bußgeld und weitere Sanktionen. Die Strafgelder aus Brüssel gegen Microsoft belaufen sich bereits auf rund 1,7 Mrd. Euro.
Für konkurrierende Browser-Anbieter wie Google, die Mozilla-Stiftung und Opera Software könnte der neue Schritt Microsofts ein Segen sein.
Microsofts Internet Explorer wird für rund 60 Prozent des globalen Internetverkehrs genutzt. Mit dem Betriebssystem Windows laufen weltweit 90 Prozent aller PCs. Die neue Version Windows 7 soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Microsoft erwirtschaftet mehr als die Hälfte seines Gewinns aus seinem Geschäft mit Betriebssystemen.
Die Brüsseler Wettbewerbsbehörde war 2004 bereits gegen die Verknüpfung von Windows mit der Musik- und Video-Software Media Player vorgegangen. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) der Kommission in diesem Fall Recht gab, eröffneten die Wettbewerbshüter im Januar 2008 ein weiteres Verfahren wegen der Koppelung von Windows mit dem Internet Explorer und verschiedenen Büroprogrammen.