Während die Ausgabe des Euro-Bargeldes noch in vollen Zügen läuft, sehen sich die Hersteller der Scheine bereits nach neuen Ertragsfeldern um. Beim nicht börsennotierten Münchner Technologieunternehmen Giesecke und Devrient (G&D) hat der Auftrag zur Erstausstattung mit den Banknoten etwa fünf Prozent des Jahresumsatzes 2001 ausgemacht. Zusätzlich zu den deutschen Banknoten, die zur Hälfte von G&D stammen, hat die Firma auch Scheine für Staaten gedruckt, die sich mit ihrem Kontingent zu verspäten drohten.
In normalen Jahren erwirtschaftet das Unternehmen die eine Hälfte des Umsatzes mit dem Traditionsgeschäft Banknotendruck, die andere mit der Herstellung von Chipkarten, wie sie bei Krankenkassenausweisen oder in Mobiltelefonen verwendet werden. "In diesem Jahr wird das Verhältnis eher 55 Prozent Banknoten zu 45 Prozent Kartengeschäft sein", sagte G&D-Geschäftsführer Willi Berchthold am Rande einer Informationsveranstaltung am Firmensitz in München. Nach Unternehmensprognose aus dem Frühjahr erwartet G&D für 2001 ein Umsatzwachstum zwischen sechs und acht Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Langfristig sollen beide Standbeine des Unternehmens "ungefähr gleich lang sein", sagte Berchthold.
Einen Nachfrageschub erhofft sich G&D unter anderem durch die Debatte um Ausweise mit integriertem Chip, die auch digital gespeicherte Körpermerkmale - so genannte biometrische Daten - enthalten können.
Ende Dezember hatte G&D zusammen mit Siemens einen Auftrag in Höhe von rund elf Mio. $ aus China erhalten, um 540.000 Bürger von Macao (bis 1998 eine portugiesische Kolonie) über die nächsten vier Jahre mit neuen Ausweisen auszustatten. Die Microchips auf den Ausweisen enthalten nach Angaben von G&D sowohl biometrische Daten als auch eine Signaturfunktion, mit der sich E-Mails oder andere Dokumente am Computer sicher unterschreiben lassen. Genauere Angaben seien derzeit noch nicht möglich, da die Einzelheiten noch mit den Behörden in Macao verhandelt würden. Der Auftrag gilt jedoch auch als Türöffner für Hongkong, das ebenfalls neue Ausweise ausgeben will. Durch sie soll eine effiziente automatische Kontrolle an der Grenze zwischen Hongkong und der Volksrepublik China ermöglicht werden, wo täglich Hunderttausende Pendler abgefertigt werden. Ein automatischer Vergleich etwa zwischen realem Fingerabdruck und der digital gespeicherten Variante würde die Abfertigung beschleunigen.
Durch die Ausstattung mit entsprechenden Chips würden sich aber auch die Kosten der Personalausweise um fünf bis zehn Euro erhöhen. Der Chip auf dem Ausweis lässt sich - ähnlich wie ein Personalcomputer - mit Zusatzsoftware ausstatten, die weitere nützliche Funktionen bietet. Zum Beispiel die digitale Unterschrift, ein Verfahren, mit dem sich Dokumente auch in elektronischer Form rechtsgültig unterschreiben lassen.
Genau dieser Quantensprung von einer Funktion zur Multifunktions-karte bahnt sich bei Mobiltelefonen in den neuen UMTS-Netzen an. Bereits heute braucht jedes Handy, das mit dem europäischen Mobilfunkstandard GSM arbeitet, eine eigene Chipkarte. "Die Karten für UMTS-Handys bieten die Möglichkeit, weitere Software, etwa von Banken, zu installieren", erläuterte Klaus Vedder von G&D. Das Unternehmen entwickelt solche Software unter anderem mit dem Mobilfunk-Marktführer Vodafone.
Obwohl es noch keine UMTS-Handys gibt, sind solche Kooperationen bereits jetzt strategisch wichtig. Aus dem einstigen Wachstumsmarkt Mobilfunk ist in diesem Jahr ein Sorgenkind geworden. Die Marktforscher von Frost & Sullivan sehen in einer Studie vom Herbst die ganze Chipkarten-Branche in einer Phase der Konsolidierung. "Zahlreiche Fusionen und Übernahmen deuten auf eine Transformationsphase hin", heißt es in dem Papier.